Mit dem Codewort «Kristall» bezeichnete der damals erst 28-jährige Architekt Hans Brechbühler 1935 selbstbewusst seine siegreiche Eingabe für den Wettbewerb der Gewerbeschule. Kristall steht für klar und transparent und für die architektonisch grosse Bedeutung, die das Glas bei Brechbühlers Entwurf hat. Schliesslich schreibt sich der Kristall ein in eine Strömung der Moderne, die als Glas-Stahlkonstruktion bis zu Joseph Paxtons Crystal Palace in London (1851) zurückgeht und auf Architekten wie Bruno Taut,
LudwigMies van der Rohe oder LeCorbusierverweist.Schänzlihalde

Es gibt Adressen, die zu einem Eigennamen werden. Für Generationen von Lernenden, Lehrpersonen und
Mitarbeitendenwar die Schänzlihalde nicht einfach eine Strasse, sondern die Schule selbst.Gesamtsanierung

Wie lässt sich ein Gebäude erneuern und zugleich sein Charakter bewahren? Genau diese Frage steht im Zentrum der Gesamtsanierung der Schänzlihalde 31.
Als die SfG BB im Sommer 2024 in den Campus Bernapark umzog, begann die umfassendste Erneuerung des Gebäudes seit jener Umbau- und Erweiterungsphase, in der der Architekt Willy Pfister sein 1971 eröffnetes Schulhaus zwischen 1988 und 1991 an neue Anforderungen anpasste.General Motors

Le site qui voit aujourd’hui la création d’identités visuelles, de médias numériques et de concepts de communication hébergeait jadis des chaînes de montage automobile. En 2009, le département de design de l’École d’Arts Visuels Berne et Bienne a pris ses quartiers dans l’ancienne usine d’assemblage General Motors dans la Salzhausstrasse. Entre 1936 et 1975, on y assemblait des véhicules des marques Buick, Chevrolet, Opel et Vauxhall. Le hall d’usine raconte ainsi un chapitre clé de l’histoire industrielle biennoise.
Lehrhalle

Mit dem Bau der Lehrhalle an der Lorrainestrasse 3, direkt am Aarehang, entstehen Anfang der 1930er-Jahre neue, speziell für den Unterricht eingerichtete Räume. Lehrlinge aus den Bauberufen wirken am Bau selbst mit und führen einen Teil der Arbeiten aus. Zeichnungssäle, Werkstätten und Übungsflächen sind funktional angeordnet, grosse Fenster bringen Licht bis in die Tiefe der Räume. Der Bau ist schlicht und durchdacht. Alles ist auf das Arbeiten und Lernen ausgerichtet.
Campus Bernapark

Als die SfG BB ihr Gebäude an der
Schänzlihaldeverlassen muss, hält sich die Begeisterung für einen Umzug nach Deisswil zunächst in Grenzen. Zu stark ist die Bindung an den Standort in der Lorraine, zu unbekannt das ehemalige Fabrikareal im Worblental. «Ich glaube, es braucht schon sehr gute Argumente, um einen Standort wie die Berner Lorraine zu verlassen», sagt Direktor Roger Spindler rückblickend.
«Es braucht sehr gute Argumente und auch den nötigen Druck. Ich glaube, wir hatten beides.»Fensterflügel-Performance
Im Juni 2024 verwandelte sich das Schulhaus an der Schänzlihalde für eine Viertelstunde in eine performative Maschine. Lernende, Lehrpersonen und Mitarbeitende verabschiedeten sich mit einer ungewöhnlichen Geste von einem Zuhause, das die Schule über Jahrzehnte geprägt hatte. Für diesen Abschied entwickelte Gabrièle Gisi aus dem Ausstellungsteam eine Fensterflügel-Performance, bei der 144 Karussellfenster im Takt des Soundtracks von Milan Slick bewegt wurden. Eine Drohne und zwei Kameras hielten die Aktion fest.
Seftigenstrasse 14

1930 sind die Raumverhältnisse der Gewerbeschule knapp, die Klassen auf zehn verschiedene Schulhäuser verteilt. Auf Veranlassung der städtischen Schuldirektion wird im Frühjahr das Haus an der Seftigenstrasse 14 gemietet, das früher der grafischen Anstalt Hubacher AG gehörte und später in den Besitz des
VereinsSchweizerischerLithographiebesitzer überging. Der Bericht des Schuljahres 1929/30 vermerkt: «Da dieses Haus ursprünglich als graphische Anstalt gebaut worden ist, so entspricht seine räumliche Einteilung unseren Bedürfnissen vorzüglich.» Ziel der Schulleitung ist es, alle «graphischen Berufsarten» in diesem Gebäude zu vereinigen. «Die einzelnen Sparten greifen sinngemäss ineinander über, und die Arbeitsvorgänge und ihr Zusammenhang entsprechen demjenigen der Praxis.»Lorrainestrasse 1
![Gewerbeschule an der Lorrainestrasse 1, Ansichtskarte, 1939. Foto: Burgerbibliothek Bern [Sammlung Hans-Ulrich Suter 1287].](https://sfgbb.b-cdn.net/1795/2560x0_sammlung_suter_1287.jpg)
1939 bezieht die Gewerbeschule ihren Neubau an der Lorrainestrasse. Hans Brechbühlers Entwurf zählt zu den wichtigsten Beispielen des Neuen Bauens in Bern. Helle Korridore, grosse Fensterflächen und klare Linien verleihen dem Schulhaus bis heute eine bemerkenswerte Zeitlosigkeit.
Aula

In Ateliers wird entworfen, in Werkstätten gebaut, in Klassenzimmern gelernt. In der Aula kommt die Schule zusammen: zum Zuhören, Diskutieren, Feiern. Mit dem Neubau an der Schänzlihalde erhielt die Kunstgewerbeschule 1971 erstmals eine eigene Aula. Der Architekt setzte sie als eigenständigen Baukörper in die Anlage. Ihr keilförmiger Dachaufbau hebt sich deutlich vom übrigen Gebäude ab und macht die Funktion des Raums nach aussen sichtbar. Die Aula ist direkt mit dem Foyer
verbundenund bildete das räumliche Zentrum des Hauses. Auch mit dem Umzug in den Campus Bernapark bleibt der Bedarf nach einem gemeinsamen Ort bestehen. Hier bietet ein grosszügiger Saal mit modernster technischer Ausstattung Raum für Präsentationen, Austausch, Feiern und Tagungen.Aquarium
![Gewerbeschule Bern, 1949. Foto: Walter Neeser, Burgerbibliothek Bern [N Walter Neeser 536 (36A)].](https://sfgbb.b-cdn.net/975/2560x0_n_walter_neeser_536_36a_cropped-nw.jpg)
Während Jahren umgangssprachlicher Ausdruck für den leicht und transparent wirkenden, langgestreckten Bau von Hans Brechbühler an der Lorrainestrasse 1.
Aktsaal
![Aktzeichnen in der Gewerbeschule, 1942.
Foto: Eugen Thierstein, Burgerbibliothek Bern
[N Eugen Thierstein 321/102].](https://sfgbb.b-cdn.net/955/2560x0_n_eugen_thierstein_321_102_k.jpg)
Der Aktsaal der SfG BB befindet sich als markanter fünfeckiger Dachaufbau auf dem Brechbühlerbau an der Lorrainestrasse 1 und ist besonders gut bei der Ein- und Ausfahrt in den Bahnhof Bern sichtbar. Trotz seiner Lage im Gebäude der heutigen gibb Berufsfachschule Bern gehört der Raum bis heute zur Schule für Gestaltung. Die gibb bezeichnet ihn auf ihrem Instagram-Kanal gerne als «Hidden Gem».
Architektur