Und dann?

So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Wege nach der Schule. Mit dem Projekt Von hier aus weiter lanciert die Schule für Gestaltung Bern und Biel 2026 eine Porträtreihe über ehemalige Lernende und Studierende, deren gestalterischer Weg an der SfG BB begann. Die alphabetisch geordneten Kurzporträts erzählen von Menschen, die heute in Design, Kunst, Musik, Kommunikation, Handwerk oder Unternehmertum tätig sind. Sie zeigen, wie unterschiedlich sich gestalterische Laufbahnen entwickeln können.
Mutations technologiques
Un coup d’œil aux ateliers d’impression industrielle révèle un monde du travail qui semble aujourd’hui presque étranger : jadis, les compositeurs-trices, lithographes ou retoucheurs-euses y travaillaient sur des étapes de production clairement distinctes, souvent à l’aide d’outils et de procédés hautement spécialisés. Chaque innovation technique s’accompagnait de nouvelles activités : au fil du temps, la production graphique s’est ainsi subdivisée, tandis que le nombre de métiers a
augmenté.Didactique

L’enseignement n’a jamais été tout simplement de l’enseignement. De tout temps, il a également été le reflet de son époque : de ses métiers, de ses outils et de ses idées sur ce dont les jeunes doivent être capables. Ce qui change, ce sont les contenus, les méthodes et les moyens. Ce qui reste, c’est la question de savoir comment organiser des méthodes d’enseignement efficaces.
Avenir
L’avenir ne commence pas à un quelconque moment donné. Cela fait belle lurette qu’il s’est établi dans les salles de classe, les studios et les ateliers.
Histoire
L’histoire de l’école débute en 1826 avec une initiative de Gabriel Samuel Ebersold, ébéniste originaire de Zäziwil.
Ledimanche, dans son magasin de meubles et de fournitures de la Speichergasse, il proposait des cours de dessin à l’attention de jeunes ouvriers intéressés. Parallèlement à cette activité, cet ébéniste d’art entreprenant s’engageait dans la politique commerciale. Ebersold fut ainsi l’initiateur de l’Association des artisans et commerçants du district de Berne ; en outre, il représentait la circonscription de la Ville supérieure au Grand Conseil.Formation professionnelle
Berne, 1826 : l’école des métiers nouvellement créée ouvre ses portes avec 25 élèves. Peu après, ils sont déjà au nombre de 45. Toutefois, ce chiffre diminue à nouveau : à cette époque, la formation n’est pas une évidence. Il s’agit d’un parcours onéreux, et ceux qui sont à même de le financer décident également qui peut en bénéficier. L’album commémoratif de l’école des métiers de 1926 comporte ainsi la phrase suivante : « … étant donné que ce sont principalement des apprentis dont les frais de scolarité n’étaient pas couverts par leurs parents ou tuteurs qui sont restés, ce chiffre est tombé à 30 au terme du cours. »
Profils professionnels

Dans les années 70, l’École des arts appliqués de la ville de Berne a publié la brochure Berufsbilder (« Profils professionnels »). Celle-ci décrivait les professions de l’industrie graphique de l’époque, et était distribuée dans tous les centres d’orientation professionnelle du canton. Un coup d’œil dans cette publication aux allures désuètes illustre
parfaitementla transformation radicale qui a chamboulé la branche. Qu’il s’agisse de typographie, d’impression offset, de stéréotypie, de photolithographie ou de sérigraphie : toutes ces professions et bien d’autres ont disparu depuis belle lurette, à défaut d’avoir fusionné pour donner lieu à des formations modernes.Zeitgemäss
Was bedeutet eine «zeitgemässe Ausbildung»? Dieser Frage widmete sich Jürg Bamert, damaliger Vorsteher des Zeichenlehrerseminars der Schule für Gestaltung Bern, im Jahr 1984. Seine Überlegungen im Bericht des Schuljahres 1984/85 zeigen, wie intensiv sich die Schule auch damals mit den gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien aus
einandersetzt.Unter Tage

Nach erfolgloser Baulandsuche war der Ausbau der Schule für Gestaltung an der Schänzlihalde eine Antwort auf den wachsenden Raumbedarf. Zwischen 1988 und 1991 wurde die Schule bei laufendem Betrieb umgebaut und erweitert. Das Projekt umfasste neue Unterrichtsräume, Ateliers und zentrale Einrichtungen. Eine besondere Lösung fand sich für Fotografie, Film und Video: Weil ihre Labors kein Tageslicht benötigten, konnten ihre Räume unterirdisch angelegt werden. So entstand ein Trakt, der auf die Anforderungen der damaligen Foto- und Filmtechnik zugeschnitten war.
Selbstständigkeit

1971 wurde die Kunstgewerbeschule Bern selbstständig. Bis dahin war sie organisatorisch Teil der Gewerbeschule Bern und über zahlreiche Provisorien in der ganzen Stadt verstreut. Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde erhielt sie nicht nur ein eigenes Zuhause, sondern führte ab dem 1. Januar 1971 auch erstmals eine eigene Rechnung.
Unterricht

Vorstellungen von gutem Unterricht verändern sich. Sie folgen den Entwicklungen der Berufe und ihrer Werkzeuge, aber auch den Erwartungen daran, was junge Menschen können sollen. Entsprechend wandeln sich Inhalte und Methoden – aber die Frage, wie Lernen gelingen kann, bleibt. So zeigt ein Rat aus dem Jahr 1922 an Gewerbeschullehrpersonen: «Gestalte den Unterricht so interessant als möglich. Dies ist eines der besten Mittel zur Aufrechterhaltung einer guten Disziplin und zum fleissigen Besuch der Schule.» Der Satz wirkt in seinem Anspruch erstaunlich aktuell. Er verweist auf eine Herausforderung, die bis heute besteht: Lernende für den Unterricht zu gewinnen.
Geschichte
Die Geschichte der Schule beginnt im Jahr 1826 mit einer Initiative des aus Zäziwil stammenden Ebenisten Gabriel Samuel Ebersold. An der Speichergasse in Bern führte er sein Möbel- und Fourniturengeschäft und erteilte dort sonntags Zeichenunterricht für interessierte Handwerkerburschen. Daneben engagierte sich der umtriebige Kunstschreiner auch gewerbepolitisch. Auf seine Anregung hin entstand der Handwerker- und Gewerbeverein des Amtsbezirks Bern; Ebersold vertrat den Wahlkreis Obere Stadt im Grossen Rat.
gibb Berufsfachschule
Die gibb Berufsfachschule Bern ist die Nachfolgerin der ehemaligen Gewerbeschule, zu der bis zum Umzug der Kunstgewerbeschule an die Schänzlihalde im Jahr 1971 auch die kunstgewerblichen und grafischen Abteilungen gehörten. Mit der Gründung der eigenständigen Kunstgewerbeschule trennten sich die Wege der beiden Institutionen.
Jahrgänge
Die Idee einer Technikerschule für die Druckindustrie entstand in der grafischen Branche aus dem Bedarf nach weiterführender Ausbildung für erfahrene Berufsleute. 1962 wurde diese Forderung öffentlich formuliert. In einem Beitrag in der Schweizer Buchdrucker-Zeitung (SBZ) hiess es: «Es muss ja nicht gerade eine Universität des graphischen Gewerbes sein, was wir benötigen. Aber in irgendeiner Form ist eine Schule zur systematischen und umfassenden Ausbildung der kommenden Träger der Unternehmensverantwortung auch in der Schweiz je länger desto dringender.» Den ersten Schritt bildete eine Meisterschule für erfahrene Berufsleute; daraus entwickelte sich später die Technikerschule für die Druckindustrie.
Freie Kunst als Berufsausbildung
Während vieler Jahre führte der Weg zur freien Kunst meist über eine Grafik- oder Lithografenlehre. Da gehörte von 1946 bis 1961 das Lithografieren, Entwerfen und Schriftzeichnen beim Typografen und Künstler Eugen Jordi, einem überzeugten Sozialisten, zum Ausbildungsprogramm. Zu Jordis Schülern gehörten unter anderen Jürgen Brodwolf, Daniel de Quervain, Dieter Roth, Jimmi Schneider und Marcel Wyss. Während Jahren einflussreich auf dem Weg zur freien Kunst war ab 1939 auch Hans Rudolf Schwarzenbach, der an der kunstgewerblichen Abteilung Malerei und Zeichnen unterrichtete. Bei ihm lernte als externer Schüler beispielsweise Franz Gertsch die altmeisterlichen Maltechniken. Gertsch besuchte von 1949 bis 1952 zusätzlich auch andere Kurse, die er allerdings meist schwänzte.
Fusion
«Wir bauen eine neue Schule.» Mit diesem programmatischen Satz beginnt der Jahresbericht 1998/99. Auslöser ist ein Auftrag der Erziehungsdirektion des Kantons Bern: Die Schulen für Gestaltung in Bern und Biel sollen zu einer gemeinsamen kantonalen Institution zusammengeführt werden. Der Zusammenschluss soll bereits auf den 1. Januar 2000 vollzogen werden.
Weiterbildung
Der Kurs «Illustrations- und Mehrfarbendruck» fand im Wintersemester 1952/53 einmal pro Woche am Abend statt. Im Kursraum der Gewerbeschule arbeiteten gelernte Buchdrucker an der Maschine, experimentierten mit Farben, verglichen Andrucke mit Vorlagen und diskutierten die Ergebnisse. Vermittelt wurden der Druck einfarbiger Illustrationen sowie der Mehrfarbendruck auf Tiegel- und Zylinderpressen.
Qualitätssicherung
«Plötzlich stand Qualitätssicherung zuoberst auf der Traktandenliste aller Schulen. Auch die Schule für Gestaltung war gefordert», erinnert sich der Bildhauer und pensionierte Lehrer Walter Kretz. «Ich war eben dabei, eine neue Aufgabe zu stellen, da klopfte es …» Ein Herr und eine Dame stellen sich als beauftragte Fachpersonen für Qualitätssicherung vor und bitten höflich, den Unterricht mitverfolgen zu dürfen. An diesem Tag geht es um Ideenfindung. Sie lässt sich methodisch anregen, aber nicht linear herstellen. Kretz verzichtet deshalb auf klare Anleitungen und bringt Bewegung ins Denken der Klasse: mit halben Sätzen und überraschenden Gedankensprüngen, mit einem offenen Austausch von Ideen, der manchmal ins Leere läuft und dann plötzlich wieder zündet. Nach der Lektion lautet das Feedback, der Unterricht müsse klarer strukturiert und seine Anweisungen präziser formuliert sein. Kretz hält dagegen: «Unterricht ist nicht immer ein Punkt-für-Punkt-Nachvollzug. Es geht nicht um die Bedienung einer Waschmaschine.»
Printmediensammlung

Plakate, Einladungskarten, Publikationen, Fotografien, Briefe, Skizzenbücher, Druckgrafiken und Zeitungsartikel: Über Jahrzehnte sind an der SfG BB gestalterische Arbeiten sowie Zeugnisse des
Schul-und Ausstellungsgeschehens zusammengetragen worden. Sie bilden heute die Printmediensammlung der Schule. Die Sammlung umfasst analoge und digitale Archivalien aus der Schule undihremUmfeld. Die Materialien stammen von Lernenden, Lehrpersonen sowieweiterenmit der Schule verbundenen Personen und Institutionen. Gemeinsam dokumentieren sie die gestalterische Produktion der Schule seit den 1970er-Jahren. Was zunächst gesammelt und aufbewahrt wurde, wird seit 2018 systematisch geordnet, erfasst und dokumentiert. Die Printmediensammlung wurde von Klaus F. Pressmann aufgebaut und wird bis heute von ihm betreut. Die Bestände sind nach Mediengruppen und Entstehungsjahren gegliedert und werden kontinuierlich gepflegt und erweitert.Kartonfabrik Deisswil

Über 130 Jahre lang war die Kartonfabrik Deisswil einer der wichtigsten Arbeitgeber im Worblental. Gegründet wurde sie 1876 auf dem Gelände einer ehemaligen Färberei und Halbleinen-Walke. Dank innovativer Produktionstechniken und dem weichen Wasser der Worble entwickelte sich die Fabrik rasch zu einem bedeutenden Hersteller von Karton und belieferte Kundschaft in der ganzen Schweiz. Mit ihrem Wachstum prägte die Fabrik nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern auch die Entwicklung der umliegenden Gemeinden. Die Zahl der Beschäftigten stieg von rund 70 Personen im Jahr 1915 auf über 600 in den 1960er-Jahren. Für die Arbeiterschaft entstanden Wohnungen, Siedlungen und öffentliche Infrastrukturen. Das 1918 errichtete, 260 Meter lange Fabrikgebäude wurde zum Wahrzeichen des Standorts und zeugt bis heute von der industriellen Bedeutung des Unternehmens. Die Kartonproduktion war eng mit der Worble verbunden. Für die Herstellung wurden grosse Mengen Wasser benötigt, was über Jahrzehnte auch die Landschaft und den Wasserhaushalt der Umgebung beeinflusste. Die Fabrik bestimmte damit nicht nur das Leben vieler Menschen, sondern prägte das Worblental in wirtschaftlicher, sozialer und räumlicher Hinsicht.
Getrennte Bildungswege
Bis heute werden die SfG BB und die Hochschule der Künste Bern regelmässig miteinander verwechselt. Das überrascht nicht. Beide sind Ausbildungsorte für Gestaltung, die HKB darüber hinaus auch für die Künste. Heute verfolgen die beiden Institutionen jedoch unterschiedliche
Bildungsaufträge. Dass diese Aufgaben klar getrennt sind, ist eine vergleichsweise junge Entwicklung.Gewerbemuseum

Als 1890 aus der Muster- und Modellsammlung das Kantonale Gewerbemuseum Bern entsteht, erhält der Kanton eine Institution, die weit mehr sein will als ein Museum. Sammlungen, Bibliothek, Ausstellungen und Bildungsangebote sollen Gewerbe, Industrie und Gestaltung fördern und den Austausch zwischen Ausbildung und Praxis stärken. Zwischen 1890 und 1920 erlebt das Gewerbemuseum eine Blütezeit. Studien- und Anschaffungsreisen führen nach Paris und in andere europäische Zentren. Jugendstil und Arts and Crafts-Bewegung hinterlassen ebenso Spuren wie zahlreiche Ankäufe, insbesondere im Bereich der Keramik. Die Bibliothek wird mit jener der Handwerkerschule vereinigt und durch eine innovative «Mappenzirkulation» ergänzt: Aktuelle Fachzeitschriften zu Architektur, Kunstgewerbe sowie technischen und industriellen Themen zirkulieren im ganzen Kanton.
École d’arts industriels

En Suisse, les écoles d’arts appliqués font leur apparition à la fin du XIXe siècle, à une époque de profonds bouleversements. Industrialisation, liberté du commerce et de l’industrie, expositions universelles et concurrence internationale transforment les conditions de production de manière fondamentale. Désormais, les produits artisanaux et industriels ne satisfont plus seulement à des critères techniques, mais doivent aussi convaincre par leur forme. Les grandes expositions universelles de la deuxième moitié du siècle
démontrentque, d’un point de vue formel, la Suisse n’est pas toujours à la pointe du progrès en comparaison internationale. Après l’exposition universelle de Vienne en 1873, la qualité des produits suisses devient un thème clé et les appels en faveur de meilleurs établissements de formation se font plus pressants. La réaction à ces revendications n’est ni centralisée, ni unifiée. Certes, la Suisse s’oriente sur des modèles étrangers – Londres, Vienne, Berlin, Nuremberg ou Stuttgart – où les musées, collections d’échantillons et de modèles, salles de dessin et écoles sont stratégiquement reliés afin d’encourager les arts appliqués. Mais comme bien souvent en Suisse, cette forme d’imitation conduit à un enchevêtrement de solutions locales.Zukunft
Die Zukunft beginnt nicht irgendwann. Sie sitzt längst in den Klassenzimmern, Ateliers und Werkstätten.
Vision

«Die Entwicklung des graphischen Gewerbes ist der beste Gradmesser für die zunehmende Grösse der Bundesstadt.» Mit diesem Satz erschien 1926 in der humoristisch-satirischen Monatsschrift
Bärenspiegel eine Illustration, die Bern als vertikale Zukunftsstadt zeigte: Druckereien, Clichéanstalten, Buchkunst, Chemigrafie und Verlage türmten sich zu einer urbanen Medienlandschaft. Nicht Banken oder Fabriken standen im Zentrum der Vision, sondern das grafischeGewerbe.Lohntüte
Eine Angestellte rennt mit einer schwarzen Ledermappe über die Lorrainebrücke Richtung Schule. Hinter ihr zwei Verfolger. Einer stürzt auf der Treppe, der andere greift nach der Mappe. Erst hinter der Glastür des Schulhauses ist sie in Sicherheit. Mit dieser Szene beginnt Hedwig Brand in der Festschrift zum
25-jährigenJubiläum ihren Rückblick auf den Umgang mit Lohngeldern an der Schule für Gestaltung Bern. Gleich darauf relativiert sie: Ganz so dramatisch habe es sich zwar nie zugetragen.Seftigenstrasse 14

1930 sind die Raumverhältnisse der Gewerbeschule knapp, die Klassen auf zehn verschiedene Schulhäuser verteilt. Auf Veranlassung der städtischen Schuldirektion wird im Frühjahr das Haus an der Seftigenstrasse 14 gemietet, das früher der grafischen Anstalt Hubacher AG gehörte und später in den Besitz des
VereinsSchweizerischerLithographiebesitzer überging. Der Bericht des Schuljahres 1929/30 vermerkt: «Da dieses Haus ursprünglich als graphische Anstalt gebaut worden ist, so entspricht seine räumliche Einteilung unseren Bedürfnissen vorzüglich.» Ziel der Schulleitung ist es, alle «graphischen Berufsarten» in diesem Gebäude zu vereinigen. «Die einzelnen Sparten greifen sinngemäss ineinander über, und die Arbeitsvorgänge und ihr Zusammenhang entsprechen demjenigen der Praxis.»Werdegänge
2018 erscheint mit Zwischenhalt eine Publikation der Keramikdesign Fachklasse Bern, die 24 ehemalige Lernende porträtiert. Der Titel ist bewusst gewählt. Die Beiträge verstehen sich nicht als abgeschlossene Erfolgsgeschichten, sondern als Momentaufnahmen unterschiedlicher Berufswege zwischen Atelier, Designstudio, Kunst, Unterricht und Selbstständigkeit. «Keine geschönten Biografien», schreibt der damalige Direktor
StefanGelzerim Vorwort, sondern «berührende und eindrückliche Einblicke» in ein Berufsfeld, das viel Eigenständigkeit verlangt.Wandbild

1949 malten die sozial engagierten Berner Künstler Eugen Jordi und Emil Zbinden im Auftrag der Stadt ein Wandbild im neuen Schulhaus Wylergut. Ein Alphabet für Kinder: A wie Affe, B wie Blume, Z wie Ziege. Ein freundliches Lehrmittel, grossflächig ins Treppenhaus gesetzt. Die beiden Künstler – politisch engagiert, antifaschistisch geprägt und an der Lebenswelt der Arbeiterinnen und Arbeiter interessiert – verstanden Gestaltung als Ausdruck gesellschaftlicher
Verantwortung.Verschwundene Berufe
«Ich bin einer der letzten Handlithografen», sagte Polo Hofer einmal mit einem gewissen Stolz in einem Interview. In den 1960er-Jahren absolvierte der spätere Mundartrocker seine Lehre in der Kunstanstalt Brügger in Meiringen und bestand die Lehrabschlussprüfung an der Kunstgewerbeschule Bern mit der Note 5,7. Als er sein Zeugnis erhielt, gab es den Beruf bereits nicht mehr. Fortan durfte er sich Grafiker nennen.
Touristenware

Ein geschnitzter Bär aus Brienz, ein bemalter Teller aus Heimberg, eine Majolika-Vase aus Steffisburg: Solche Objekte gehören zu den typischen Erinnerungsstücken, die Reisende aus dem Berner Oberland mit nach Hause nehmen. Ihre Verbreitung hängt eng mit dem frühen Alpentourismus zusammen. Seit dem späten 18. Jahrhundert zieht die alpine Landschaft Besucher:innen aus ganz Europa an – zunächst Gelehrte, Kunstschaffende und wohlhabende Reisende, später auch ein breiteres Publikum. Reiseberichte,
Gedichteund Landschaftsbilder machen Orte wie Lauterbrunnen, Grindelwald oder die Scheidegg international bekannt.Spitalackerstrasse 63

Die Keramische Fachschule ist zunächst in der Felsenburg untergebracht. Die Klassen sind klein, doch die Ausbildung benötigt mehr Platz für Werkstätten, Öfen, Maschinen und Material. 1942 zieht die Schule in grössere Räumlichkeiten an der Spitalackerstrasse 63.
Ressourcen
«Leider können die vielen Routine- und Statistikarbeiten noch nicht mit der städtischen Datenverarbeitung gelöst werden. So müssen unzählige Stunden für Arbeiten eingesetzt werden, die maschinell wesentlich schneller erledigt würden.» So beschreibt der Jahresbericht 1975/76 den Alltag im Sekretariat der Schule für Gestaltung Bern. Die Verwaltung arbeitet mit einer kleinen Belegschaft, während die Zahl der Lernenden und Aufgaben wächst. Neue Hilfsmittel sollen Entlastung bringen: ein Randlochkartensystem für die Schülerkartei, ein Schreibautomat, gebündelte Rechnungsstellungen. Gleichzeitig werden die Öffnungszeiten des Sekretariats eingeschränkt, damit wenigstens zeitweise ungestört gearbeitet werden kann. «Mit all diesen Massnahmen ist es uns möglich, die grossen administrativen Arbeiten einer Berufsschule mit einer kleinen Belegschaft zu erbringen; Überzeiten bleiben uns aber nicht erspart.»
Platzmangel
«Seit 1939 – für 2308 Schüler – steht zur Ausbildung der gleiche Raum wie heute – für 5436 Schüler – zur Verfügung.» Mit diesem eindrücklichen Vergleich beschreibt der Jahresbericht 1956/57 die angespannte Raumsituation. Platzmangel ist in der Geschichte der Schule ein wiederkehrendes Thema. Steigende Lernendenzahlen, bedingt durch die demografische Entwicklung und den Ausbau der Berufsbildung, führten immer wieder zu Engpässen und machten zusätzliche Räume notwendig.
Pensen
«Stürmische Wandlungen sind an der Tagesordnung», schreibt Direktor Scheiwiller im Jahresbericht 1975/76 und meint damit den technologischen Umbruch. «Der raschen Veränderung entsprechend sind die Anforderungen an die Lehrerschaft der Berufsschulen ausserordentlich hoch. Im grafischen Gewerbe zum Beispiel haben sich nach längerer Stagnation die Berufsbilder in praktisch allen Sparten in wenigen Jahren grundlegend gewandelt.» In kürzester Zeit müssen sich die betroffenen Fachlehrpersonen umstellen, denn so Scheiwiller: «Der Lehrstoff entspricht in keiner Weise mehr dem seinerzeit in der eigenen Berufslehre Gelernten.»
Notengebung
Die Frage nach der richtigen Bewertung beschäftigte die Schule schon früh. Über das «heikle Kapitel der Notengebung» verfasste Otto Michel, Lehrer für Allgemeinbildung und Buchhaltung, eine Arbeit, über die im Bericht des Schuljahres 1941/42 berichtet wurde. Es wird festgehalten, dass «gewöhnlich zu gute Noten erteilt werden» und dadurch ein «augenfälliger Widerspruch» zwischen Zeugnisnoten und Prüfungsresultaten entstehe. Eine zu wohlwollende Beurteilung schade nicht nur dem Lehrmeister, sondern auch dem Lernenden selbst: «Der Schüler wähnt sich tüchtiger, als er tatsächlich ist.»
Lernendenzahlen
An den Lernendenzahlen lässt sich mehr ablesen als an mancher Branchenstatistik. In der grafischen Industrie zeigt sie über Jahrzehnte hinweg, wann Aufbruch herrscht, wann Unsicherheit einsetzt und wann sich ein Berufsfeld neu ausrichtet. Die Entwicklungen sind exemplarisch für viele gestalterische Berufe.
Lehrerfortbildung

Anfang der 1980er-Jahre führte
eineStudienreise den Berufsschullehrer Ernst Wegmüller nach Los Angeles. In einem seiner Testathefte notierte er den Besuch bei Autologic, einem Hersteller von Fotosatzsystemen, die damals den Übergang vom Bleisatz zum digitalen Satz markierten. Insgesamt fünf solcher Hefte dokumentieren seine persönlichen Weiterbildungen zwischen 1973 und 1998. Diese Einträge stehen auch für eine Entwicklung: Mit der Bildungsexpansion der 1960er-Jahre wurde Lehrerfortbildungzunehmendinstitutionalisiert und systematisiert. Institutionen wie das Schweizerische Institut für Berufspädagogik boten regelmässige Kurse an, Studienreisen und Fachveranstaltungen der Industrie ergänzten dasAngebot.Kunstschulen
Die Kunstschulen in Bern entwickeln sich seit dem späten 18. Jahrhundert als eigenständige, akademisch geprägte Ausbildungslinie neben der handwerklich-gewerblichen Schulung. Bereits 1779 entsteht an der Akademie eine erste Kunstschule, 1808 folgt ein Antikensaal mit Zeichnungsschule an der Stelle des heutigen Casinos. Mit der Gründung der Universität Bern übernimmt Joseph Simon Volmar ab 1836 den Unterricht für akademisches Zeichnen und Ölmalerei.
Kunstgewerbeschulen

Kunstgewerbeschulen entstehen in der Schweiz im späten 19. Jahrhundert, in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Industrialisierung, Handels- und Gewerbefreiheit, Weltausstellungen und internationale Konkurrenz verändern die Bedingungen des Produzierens grundlegend. Handwerkliche und gewerbliche Erzeugnisse müssen nun nicht mehr nur technisch bestehen, sondern auch gestalterisch überzeugen. Gerade die grossen Ausstellungen der zweiten Jahrhunderthälfte machen sichtbar, dass die Schweiz im internationalen Vergleich formal nicht immer auf der Höhe der Zeit arbeitet. Nach der Wiener Weltausstellung von 1873 wird die Qualität schweizerischer Produkte besonders deutlich thematisiert und der Ruf nach besseren Ausbildungsstätten wird lauter. Die Antwort fällt weder zentralistisch noch einheitlich aus. Zwar orientiert sich die Schweiz an Vorbildern im Ausland – an London, Wien, Berlin, Nürnberg oder Stuttgart –, wo Museen, Muster- und Vorbildersammlungen, Zeichensäle und Schulen gezielt miteinander verbunden werden, um das Kunstgewerbe zu fördern. Doch wie so oft in der Schweiz führt die Nachahmung zu einem Geflecht lokaler Lösungen.
Keramisches Handwerk
«Wir wollten Pflanzen sein, deren Wurzeln im alten heimatlichen Boden stecken, deren Blüten aber neue Formen und Farben treiben.» Mit diesen Worten beschreibt der Keramiker und Lehrer Benno Geiger in den
1950er-Jahrenrückblickend das Selbstverständnis der keramischen Ausbildung in Bern. Die Wurzeln dieser Ausbildung liegen im regionalen Handwerk. Seit dem 18. und 19. Jahrhundert entstehen im Kanton Bern bedeutende Produktionszentren in Heimberg, Steffisburg oder Langnau. Hafnereien fertigen Teller, Krüge und Majolika – farbig glasierte Keramiken mit dekorativer Bemalung, die weit verbreitet sind und mit dem Aufkommen des Alpentourismus auch als Souvenirs zirkulieren.Felsenburg

Hinter der Felsenburg, so berichtet der Historiker Hugo Haas 1945 in der Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, liege «eine kleine Welt für sich». In dem engen Hof werde gearbeitet «wie im Mittelalter unter freiem Himmel».
Fachklasse Freie Kunst
Im Frühling 1987 eröffnete die Schule für Gestaltung Bern die Fachklasse Freie Kunst – ein neues Ausbildungsangebot für angehende Kunstschaffende und zugleich ein Pilotprojekt. Die zweijährige Vollzeitausbildung setzte bewusst auf Offenheit: Statt eines starren Lehrplans standen individuelle Entwicklungen, Atelierarbeit, Workshops und gemeinsame Auseinandersetzungen im Zentrum. Erste Dozenten waren die beiden Künstler Ueli Berger und Dieter Seibt sowie der Kunstkritiker Peter Killer. Das Selbstverständnis der Klasse formulierte sich programmatisch: Der Weg sollte im Gehen entstehen.
Archiv
Archive bewahren nicht nur, sie stellen Zusammenhänge her. Sie machen Vergangenheit lesbar und geben einer Institution ein Gedächtnis. Meistens ist dieses Gedächtnis lückenhaft.
«An der Schule lernte ich den Umgang mit Material sowohl auf technischer als auch auf philosophischer Ebene – ein Verständnis für meinen Kopf, meine Hände und mein Herz.»
«Inzwischen habe ich mich in Typografie verliebt, was ja wiederum sehr
ironischist, weil ich Legasthenikerin bin. Aber ich glaube, dass ich mir,indemich sie selber gestalte,eineneigenen Zugang zur Schrift ermögliche. Ich schaffe Ordnung.»«Ich musste kämpfen, dass ich die Kunstgewerbeschule besuchen durfte – das war damals noch längst nicht selbstverständlich!»
Entwicklungen