Schulrat
Über lange Zeit war das Gremium, das die Schule mit Arbeitswelt und Gesellschaft verband, eng in die Geschicke der Schule eingebunden. Noch bis in jüngere Zeit wirkte der Schulrat etwa bei der Anstellung von Lehrpersonen mit.
Berufslehre
Bern, 1826: Die neu gegründete Handwerkerschule startet mit 25 Schülern, kurz darauf sind es 45. Doch die Zahl sinkt wieder. Bildung ist zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit. Sie kostet Geld, und wer bezahlt, entscheidet mit darüber, wer teilnehmen kann. Rückblickend heisst es in der Festschrift der Gewerbeschule von 1926: «… indem später hauptsächlich Gesellen zurückblieben, für die das Schulgeld nicht durch Eltern oder Vormünder entrichtet wurde, sank sie bis zum Schluss des Kurses auf 30.» Erst im 20. Jahrhundert wird die Berufslehre schrittweise zu einer öffentlichen Aufgabe. Mit der nationalen Regelung der Berufsbildung ab den 1930er-Jahren entstehen verbindliche Abschlüsse und klare Zuständigkeiten. Staat und Betriebe tragen gemeinsam die Kosten. Die Berufslehre entwickelt sich zu einem festen Bestandteil des schweizerischen Bildungssystems. In den folgenden Jahrzehnten wird dieses System ausgebaut und gefestigt. Heute ist die Berufslehre der häufigste Bildungsweg in der Schweiz. Rund zwei Drittel der Jugendlichen beginnen nach der obligatorischen Schule eine berufliche Grundbildung. Ihre besondere Stärke liegt in der Durchlässigkeit: Abschlüsse eröffnen weitere Bildungswege – von der Berufsmaturität bis zum Studium. Ein Wechsel bleibt jederzeit möglich. Es gilt: Kein Abschluss ohne Anschluss.
Système de formation duale
En 2025, une vingtaine d’expert·es en provenance de Haïti, du Kirghizistan, du Mozambique, du Cambodge, d’Indonésie et du Laos se sont retrouvé·es en Suisse à l’occasion d’un congrès international sur la formation professionnelle. Au
BernerKursaal, ils se sont informés sur un système qui retient l’attention du monde entier.Formation professionnelle
Berne, 1826 : l’école des métiers nouvellement créée ouvre ses portes avec 25 élèves. Peu après, ils sont déjà au nombre de 45. Toutefois, ce chiffre diminue à nouveau : à cette époque, la formation n’est pas une évidence. Il s’agit d’un parcours onéreux, et ceux qui sont à même de le financer décident également qui peut en bénéficier. L’album commémoratif de l’école des métiers de 1926 comporte ainsi la phrase suivante : « … étant donné que ce sont principalement des apprentis dont les frais de scolarité n’étaient pas couverts par leurs parents ou tuteurs qui sont restés, ce chiffre est tombé à 30 au terme du cours. »
Autorités
L’année 1978 marque un tournant décisif : la Suisse se prononce en faveur de la nouvelle loi sur la formation professionnelle, et entreprend une restructuration de son système de formation. Des aspects jadis fortement marqués par les spécificités locales et cantonales sont progressivement harmonisés au niveau national. La Confédération assume davantage de responsabilités, définissant les normes et les diplômes. La formation professionnelle devient ainsi plus contraignante et plus comparable, tout en bénéficiant d’une revalorisation politique.
Netzwerk Kleinstberufe
Was geschieht, wenn es in der
ganzenSchweiz nur noch eineHandvollLehrstellen für einen Beruf gibt? Für Geigenbauerinnen, Korbflechter, Goldschmiedinnen, Vergolder oder Ofenbauer ist das Realität. Viele dieser hoch spezialisierten Handwerks- und Gestaltungsberufe verfügen jährlich über kaum mehr als 15 bis 20 Lehrstellen – manche zeitweise über gar keine. Damit steht nicht nur ein Beruf, sondern auch wertvolles Wissen auf dem Spiel.Selbstständigkeit

1971 wurde die Kunstgewerbeschule Bern selbstständig. Bis dahin war sie organisatorisch Teil der Gewerbeschule Bern und über zahlreiche Provisorien in der ganzen Stadt verstreut. Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde erhielt sie nicht nur ein eigenes Zuhause, sondern führte ab dem 1. Januar 1971 auch erstmals eine eigene Rechnung.
Kuckucksei

«An der Kunstgewerbeschule Bern ist der bekannte POCH-Politiker Schneider als Lehrer gewählt worden. Als Vater eines Lehrlings erfüllt mich diese Tatsache mit grosser Sorge, wenn ich mir überlege, dass unsere Jungen möglicherweise dem Einfluss einer politischen Richtung unterstehen könnten, von der man weiss, dass sie die Umgestaltung unseres Gesellschafts- und Staatssystems zum Ziele hat. Hat wohl niemand bei den für diese Wahl Verantwortlichen daran gedacht, dass damit ein Kuckucksei in unser eigenes Nest gesetzt worden ist?»
Unterricht

Vorstellungen von gutem Unterricht verändern sich. Sie folgen den Entwicklungen der Berufe und ihrer Werkzeuge, aber auch den Erwartungen daran, was junge Menschen können sollen. Entsprechend wandeln sich Inhalte und Methoden – aber die Frage, wie Lernen gelingen kann, bleibt. So zeigt ein Rat aus dem Jahr 1922 an Gewerbeschullehrpersonen: «Gestalte den Unterricht so interessant als möglich. Dies ist eines der besten Mittel zur Aufrechterhaltung einer guten Disziplin und zum fleissigen Besuch der Schule.» Der Satz wirkt in seinem Anspruch erstaunlich aktuell. Er verweist auf eine Herausforderung, die bis heute besteht: Lernende für den Unterricht zu gewinnen.
Überbetriebliche Kurse
«Eine Neuerung, je nach dem sie in der Praxis interpretiert wird, vermag das gegenwärtige System der Berufsbildung grundlegend umzugestalten.» Mit diesen Worten richtete die Schulleitung im Bericht des Schuljahres 1963/64 den Blick auf das neue Berufsbildungsgesetz und die Einführung der Einführungskurse.
Fusion
«Wir bauen eine neue Schule.» Mit diesem programmatischen Satz beginnt der Jahresbericht 1998/99. Auslöser ist ein Auftrag der Erziehungsdirektion des Kantons Bern: Die Schulen für Gestaltung in Bern und Biel sollen zu einer gemeinsamen kantonalen Institution zusammengeführt werden. Der Zusammenschluss soll bereits auf den 1. Januar 2000 vollzogen werden.
Protest

2013 protestierte die SfG BB gegen die drohenden Sparmassnahmen des Kantons Bern. Im Rahmen der
kantonalenAngebots- und Strukturüberprüfung sollten die Subventionen für den gestalterischen Vorkurs gestrichen werden. Damit stand ein traditionsreiches Angebot für angehende Gestalter:innen vor dem Aus. Auf Initiative des Künstlers und damaligen Lehrers Edi Aschwanden organisierten Lernende und Lehrpersonen anstelle einer klassischen Demonstration die Aktion «Gross- und Regierungsräte malen». Sie porträtierten alle 160 Grossrät:innen sowie die sieben Mitglieder des Regierungsrates. Die Bilder wurden während der Parlamentssession im Berner Rathaus ausgestellt und fanden auch in den Medien grosse Beachtung.Kopenhagen-Prozess
Der Kopenhagen-Prozess ist eine europäische Initiative zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Er wurde 2002 gestartet und verfolgt das Ziel, Berufsabschlüsse in Europa besser vergleichbar zu machen, die Qualität der Ausbildung zu sichern und die Mobilität von Lernenden und Fachkräften zu erleichtern. Dazu wurden Instrumente wie europäische Qualifikationsrahmen und Systeme zur Anerkennung von Lernleistungen entwickelt. Auch die Schweiz beteiligt sich an dieser Zusammenarbeit. Während der Bologna-Prozess die Hochschulen betrifft, richtet sich der Kopenhagen-Prozess an die Berufsbildung und stärkt deren internationale
Anschlussfähigkeit.Fachmaturität Gestaltung
Die schweizerische Maturität kann auf unterschiedlichen Bildungswegen erlangt werden: über das Gymnasium mit gymnasialer Maturität, über die Berufsmaturität ergänzend zu einer Berufslehre oder über eine Fachmittelschule mit anschliessender Fachmaturität – etwa in den Bereichen Gestaltung, Pädagogik, Gesundheit oder Soziale Arbeit. Das schweizerische Bildungssystem ist dabei bewusst durchlässig angelegt und ermöglicht Übergänge zwischen beruflicher und allgemeinbildender Ausbildung.
Fachklasse Freie Kunst
Im Frühling 1987 eröffnete die Schule für Gestaltung Bern die Fachklasse Freie Kunst – ein neues Ausbildungsangebot für angehende Kunstschaffende und zugleich ein Pilotprojekt. Die zweijährige Vollzeitausbildung setzte bewusst auf Offenheit: Statt eines starren Lehrplans standen individuelle Entwicklungen, Atelierarbeit, Workshops und gemeinsame Auseinandersetzungen im Zentrum. Erste Dozenten waren die beiden Künstler Ueli Berger und Dieter Seibt sowie der Kunstkritiker Peter Killer. Das Selbstverständnis der Klasse formulierte sich programmatisch: Der Weg sollte im Gehen entstehen.
Branchen- und Berufsverbände
«Wie kann die Schulpflicht erfüllt werden, wenn sich das
EinzugsgebieteinerBerufsschule mit verschiedenen regionalen oder kantonalen oder gar schweizerischen Verbandsgebieten deckt?»DieseFrage war eine von vielen, die die Schulleitung im Bericht über das Schuljahr 1963/64 in einem Katalog praktischer Probleme zusammenfasste, die aus dem revidierten Bundesgesetz über die Berufsbildung entstanden. Ausbildung musste nun stärker zwischen Schule,Betriebenund Berufsorganisationen abgestimmt werden. Mit spürbarem Bewusstsein für die Tragweite dieser Veränderung hielt die Schulleitung fest: «Damit treten in Zukunft drei Partner auf, die für das gute Gelingen eines Lehrverhältnisses sich unbedingt verständigen müssen.»Bologna-Reform
Mit der Bologna-Reform wurde ab 1999 das europäische Hochschulsystem neu organisiert. Studiengänge wurden in Bachelor- und Masterstufen gegliedert, Studienleistungen über ein gemeinsames Punktesystem vergleichbar gemacht und die Mobilität von Studierenden erleichtert. Auch die Schweiz übernahm diese
Strukturund integrierte ihre Hochschulen in den europäischen Hochschulraum.Bildungspolitik
Im Herbst 1939 wird die
KeramischeFachschule in Bern geschlossen. Zwei mögliche Nachfolger des bisherigen Leiters können sich nicht auf eine gemeinsame Ausrichtung einigen, zugleich fehlen Mittel für die technische Modernisierung. Die Unterrichtsräume werden gekündigt, die verbleibenden Schüler in Lehrbetrieben untergebracht. Doch die Entscheidung bleibt nicht unwidersprochen. Berufsverbände protestieren – und auch der Vorsteher des bernischen Lehrlingsamts, Erwin Jeangros, setzt sich für den Erhalt der Schule ein. Mit Erfolg: Bereits 1941 wird die Schule wieder eröffnet. Mit Benno Geiger und Werner Burri gewinnt sie zwei Lehrerpersönlichkeiten, die Impulse aus der Wiener Kunstgewerbeschule und der Bauhaustöpferei nach Bern bringen.Bilderbuchkarriere

1992 erscheint Der Regenbogenfisch des Berner Illustrators Marcus Pfister, Grafiker und Absolvent der Schule für Gestaltung Bern. Das Bilderbuch startet mit einer Auflage von 30’000 Exemplaren und entwickelt sich zu einem internationalen Exportschlager des Schweizer Kinderbuchs. Der Erfolg liegt nicht nur an der schillernden Heissfolien-Prägetechnik, die die Schuppen zum Glänzen bringt, sondern auch an der Botschaft, dass Teilen Freude bereitet und wahre Freude nicht aus äusserer Schönheit entsteht. Über 30 Millionen Exemplare werden verkauft, das Buch wird in mehr als 50 Sprachen übersetzt. 2016 trägt Michelle Obama die Geschichte bei einer Veranstaltung im Weissen Haus vor. Inzwischen ist das Buch in den USA in politische Debatten geraten: Im Bundesstaat Florida wurde Der Regenbogenfisch aus Schulbibliotheken entfernt. Kritiker aus republikanischen Kreisen sehen in der Botschaft des Teilens laut New York Times ein Beispiel für «kommunistisches» Gedankengut.
Berufsmaturität
«Die Berufsmittelschule will begabten und zielstrebigen Lehrlingen eine zusätzliche Allgemeinbildung vermitteln, die ihnen einen rascheren Aufstieg ins mittlere Kader ermöglicht oder eine Erleichterung für den zweiten Bildungsweg bedeutet.» So formuliert es der Bericht des Schuljahres 1971/72. Im ersten Durchgang schloss eine Klasse junger Metallhandwerker ab. In einer gründlichen Selektion wurden 37 Lernende aufgenommen, 29 hielten durch und konnten nach drei anspruchsvollen Jahren am 17. März 1972 ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen. Im selben Frühjahr wurde die Berufsmittelschule, BMS, auch für die gestalterischen Berufe geöffnet. Die Einführung der BMS war Teil der damaligen Bestrebungen, die Berufslehre zu stärken und leistungsfähigen Lernenden neue Wege zu eröffnen. 1968 beschloss das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, entsprechende Angebote aufzubauen. Bern gehörte zu den ersten Standorten, die dafür eine provisorische Bewilligung erhielten.
Berufsbildung
«Die Berufsschulen haben vom Schweizervolk einen ganzen Katalog neuer Aufgaben erhalten, die sie so rasch als möglich wahrnehmen müssen.» Als Direktor Othmar Scheiwiller diesen Satz 1980 in den Jahresbericht der Schule für Gestaltung schreibt, ist das neue Berufsbildungsgesetz erst wenige Wochen in Kraft.
Politik