Berufslehre
Bern, 1826: Die neu gegründete Handwerkerschule startet mit 25 Schülern, kurz darauf sind es 45. Doch die Zahl sinkt wieder. Bildung ist zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit. Sie kostet Geld, und wer bezahlt, entscheidet mit darüber, wer teilnehmen kann. Rückblickend heisst es in der Festschrift der Gewerbeschule von 1926: «… indem später hauptsächlich Gesellen zurückblieben, für die das Schulgeld nicht durch Eltern oder Vormünder entrichtet wurde, sank sie bis zum Schluss des Kurses auf 30.» Erst im 20. Jahrhundert wird die Berufslehre schrittweise zu einer öffentlichen Aufgabe. Mit der nationalen Regelung der Berufsbildung ab den 1930er-Jahren entstehen verbindliche Abschlüsse und klare Zuständigkeiten. Staat und Betriebe tragen gemeinsam die Kosten. Die Berufslehre entwickelt sich zu einem festen Bestandteil des schweizerischen Bildungssystems. In den folgenden Jahrzehnten wird dieses System ausgebaut und gefestigt. Heute ist die Berufslehre der häufigste Bildungsweg in der Schweiz. Rund zwei Drittel der Jugendlichen beginnen nach der obligatorischen Schule eine berufliche Grundbildung. Ihre besondere Stärke liegt in der Durchlässigkeit: Abschlüsse eröffnen weitere Bildungswege – von der Berufsmaturität bis zum Studium. Ein Wechsel bleibt jederzeit möglich. Es gilt: Kein Abschluss ohne Anschluss.
Zeichnen nach Modell
Das Zeichnen nach Modell bildet seit jeher einen festen Bestandteil der gestalterischen Grundausbildung an der Schule für Gestaltung Bern. Jahrzehntelang fand der Unterricht im Aktsaal statt. Während der Renovation des Aktsaals wurde der Unterricht an die Schänzlihalde verlegt – in den ebenerdig gelegenen Ausstellungsraum. Zeichenlehrer Bruno Cerf sorgte immer wieder für aussergewöhnliche Modelle: Neben Aktmodellen standen auch schon echte Pferde oder die Broncos des seit 1971 in Bern aktiven Motorradclubs Broncos MC Bern mit ihren Harley-Davidsons Modell.
Berufsfachschule
«…dagegen möchten wir unsere Stimme erheben, dass man nun beginnt, solche Gewerbeschulstunden in den Vormittag hinein zu schieben.» Die Kritik aus der Schweizer Buchdrucker-Zeitung von 1909 führt zurück in eine Zeit, in der schulischer Unterricht für Lernende stark umstritten war. Jahrzehntelang habe der Unterricht entweder am Sonntag oder abends um sieben Uhr stattgefunden. Obwohl die Gewerbeschulstunden die praktische Ausbildung im Betrieb durch Unterricht in Zeichnen, Materialkunde oder Fachrechnen ergänzten und damit Wissen vermittelten, das im Arbeitsalltag nicht immer systematisch erworben werden konnte, stiessen sie zunächst auf Skepsis. Es brauchte Zeit, bis die Berufsfachschule zu einem festen und akzeptierten Bestandteil der beruflichen Grundbildung wurde.
Höhere Berufsbildung
Die Höhere Berufsbildung baut auf
einerberuflichen Grundbildung und Berufserfahrung auf. Sie ermöglicht Berufsleuten, sich zu spezialisieren, Führungsverantwortung zu übernehmen oder sich für neue Aufgaben zu qualifizieren, berufsbegleitend und mit einem eidgenössisch anerkannten Abschluss.Fachklassen
In den Fachklassen vereint die Schule alle drei Lernorte der beruflichen Grundbildung: Sie übernimmt die Rolle des Lehrbetriebs, vermittelt den Unterricht der Berufsfachschule und führt auch die
überbetrieblichenKurse (üK) durch. Während vier Jahren lernen die Lernenden an der SfG BB und schliessen mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab; die Grafik Fachklasse zusätzlich mit der Berufsmaturität Gestaltung und Kunst.Didactique

L’enseignement n’a jamais été tout simplement de l’enseignement. De tout temps, il a également été le reflet de son époque : de ses métiers, de ses outils et de ses idées sur ce dont les jeunes doivent être capables. Ce qui change, ce sont les contenus, les méthodes et les moyens. Ce qui reste, c’est la question de savoir comment organiser des méthodes d’enseignement efficaces.
Système de formation duale
En 2025, une vingtaine d’expert·es en provenance de Haïti, du Kirghizistan, du Mozambique, du Cambodge, d’Indonésie et du Laos se sont retrouvé·es en Suisse à l’occasion d’un congrès international sur la formation professionnelle. Au
BernerKursaal, ils se sont informés sur un système qui retient l’attention du monde entier.Formation professionnelle
Berne, 1826 : l’école des métiers nouvellement créée ouvre ses portes avec 25 élèves. Peu après, ils sont déjà au nombre de 45. Toutefois, ce chiffre diminue à nouveau : à cette époque, la formation n’est pas une évidence. Il s’agit d’un parcours onéreux, et ceux qui sont à même de le financer décident également qui peut en bénéficier. L’album commémoratif de l’école des métiers de 1926 comporte ainsi la phrase suivante : « … étant donné que ce sont principalement des apprentis dont les frais de scolarité n’étaient pas couverts par leurs parents ou tuteurs qui sont restés, ce chiffre est tombé à 30 au terme du cours. »
École professionnelle
« … nous tenons à dénoncer le fait que l’on commence désormais à faire déborder ces cours professionnels sur la matinée. » Cette critique, tirée de la revue Schweizer Buchdrucker-Zeitung de 1909, nous ramène à une époque où l’enseignement scolaire destiné aux apprentis était un thème hautement controversé. Durant de nombreuses décennies, les cours avaient lieu soit le dimanche, soit le soir à sept heures. Les cours de l’école professionnelle complétaient la formation pratique en entreprise par des notions de dessin, de connaissance des matériaux ou de calcul spécialisé. Ils transmettaient ainsi des compétences qui ne pouvaient pas toujours être acquises de manière systématique dans le quotidien professionnel. Malgré cela, ils se heurtèrent dans un premier temps au scepticisme. Il fallut du temps pour que l’école professionnelle soit pleinement intégrée à la formation initiale, et acceptée en tant que telle.
Profils professionnels

Dans les années 70, l’École des arts appliqués de la ville de Berne a publié la brochure Berufsbilder (« Profils professionnels »). Celle-ci décrivait les professions de l’industrie graphique de l’époque, et était distribuée dans tous les centres d’orientation professionnelle du canton. Un coup d’œil dans cette publication aux allures désuètes illustre
parfaitementla transformation radicale qui a chamboulé la branche. Qu’il s’agisse de typographie, d’impression offset, de stéréotypie, de photolithographie ou de sérigraphie : toutes ces professions et bien d’autres ont disparu depuis belle lurette, à défaut d’avoir fusionné pour donner lieu à des formations modernes.Unterricht

Vorstellungen von gutem Unterricht verändern sich. Sie folgen den Entwicklungen der Berufe und ihrer Werkzeuge, aber auch den Erwartungen daran, was junge Menschen können sollen. Entsprechend wandeln sich Inhalte und Methoden – aber die Frage, wie Lernen gelingen kann, bleibt. So zeigt ein Rat aus dem Jahr 1922 an Gewerbeschullehrpersonen: «Gestalte den Unterricht so interessant als möglich. Dies ist eines der besten Mittel zur Aufrechterhaltung einer guten Disziplin und zum fleissigen Besuch der Schule.» Der Satz wirkt in seinem Anspruch erstaunlich aktuell. Er verweist auf eine Herausforderung, die bis heute besteht: Lernende für den Unterricht zu gewinnen.
Überbetriebliche Kurse
«Eine Neuerung, je nach dem sie in der Praxis interpretiert wird, vermag das gegenwärtige System der Berufsbildung grundlegend umzugestalten.» Mit diesen Worten richtete die Schulleitung im Bericht des Schuljahres 1963/64 den Blick auf das neue Berufsbildungsgesetz und die Einführung der Einführungskurse.
Freie Kunst als Berufsausbildung
Während vieler Jahre führte der Weg zur freien Kunst meist über eine Grafik- oder Lithografenlehre. Da gehörte von 1946 bis 1961 das Lithografieren, Entwerfen und Schriftzeichnen beim Typografen und Künstler Eugen Jordi, einem überzeugten Sozialisten, zum Ausbildungsprogramm. Zu Jordis Schülern gehörten unter anderen Jürgen Brodwolf, Daniel de Quervain, Dieter Roth, Jimmi Schneider und Marcel Wyss. Während Jahren einflussreich auf dem Weg zur freien Kunst war ab 1939 auch Hans Rudolf Schwarzenbach, der an der kunstgewerblichen Abteilung Malerei und Zeichnen unterrichtete. Bei ihm lernte als externer Schüler beispielsweise Franz Gertsch die altmeisterlichen Maltechniken. Gertsch besuchte von 1949 bis 1952 zusätzlich auch andere Kurse, die er allerdings meist schwänzte.
École d’arts industriels

En Suisse, les écoles d’arts appliqués font leur apparition à la fin du XIXe siècle, à une époque de profonds bouleversements. Industrialisation, liberté du commerce et de l’industrie, expositions universelles et concurrence internationale transforment les conditions de production de manière fondamentale. Désormais, les produits artisanaux et industriels ne satisfont plus seulement à des critères techniques, mais doivent aussi convaincre par leur forme. Les grandes expositions universelles de la deuxième moitié du siècle
démontrentque, d’un point de vue formel, la Suisse n’est pas toujours à la pointe du progrès en comparaison internationale. Après l’exposition universelle de Vienne en 1873, la qualité des produits suisses devient un thème clé et les appels en faveur de meilleurs établissements de formation se font plus pressants. La réaction à ces revendications n’est ni centralisée, ni unifiée. Certes, la Suisse s’oriente sur des modèles étrangers – Londres, Vienne, Berlin, Nuremberg ou Stuttgart – où les musées, collections d’échantillons et de modèles, salles de dessin et écoles sont stratégiquement reliés afin d’encourager les arts appliqués. Mais comme bien souvent en Suisse, cette forme d’imitation conduit à un enchevêtrement de solutions locales.Politwoche
Mit der Überzeugung, dass politische Bildung zu den zentralen Aufgaben einer Bildungsinstitution gehört, initiierten
SimonLehmann und Patrick Helfer 2011 die Politwoche an der SfG BB. Politische Themen waren zwar seit jeher Teil des allgemeinbildenden Unterrichts, die Politwoche verlagerte diese Auseinandersetzung jedoch in ein eigenes Veranstaltungsformat und schuf Raum für direkte Begegnungen mit politischen Akteur:innen.Hyperrealismus

Präzises Beobachten, exaktes Zeichnen und die konzentrierte Auseinandersetzung mit Wirklichkeit prägten den Unterricht an der Kunstgewerbeschule Bern über Jahrzehnte. Eine zentrale Figur war Hans Schwarzenbach. Der Grafiker Stephan Bundi erinnerte sich in der Gesprächsreihe BB:50, bei ihm das genaue Hinsehen gelernt zu haben. Schwarzenbach sei streng gewesen, zugleich aber «eine grossartige Persönlichkeit».
Form
«Die Schweizer Töpfer besitzen nur beschränkte Weiterbildungsmöglichkeiten. Es existieren keine Meisterschulen, die eine éducation permanente gewährleisten. Dank gebührt der Kunstgewerbeschule Bern für die Initiative ihrer Keramiklehrer [Volker] Ellwanger und [Ernst] Fehr, die sich zum Ziele setzten, ausgebildeten Töpfern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Technologie und im Künstlerischen weiter zu vervollkommnen. Die nur noch bis zum 28. Juni geöffnete kleine Ausstellung bietet Gelegenheit zur Überprüfung der Resultate eines zweiwöchigen Meisterkurses von 1979, der als Inhalt die ‹Form› als wichtigstes Grundelement der Keramik vermittelte. Leider wird das Drehen einer gültigen Form als Untergrund für die Glasur (die in den letzten Jahren geradezu euphorisch hochgezüchtet wurde) vernachlässigt, so dass der Betrachter moderner Keramik oft das Unbehagen eines krassen Stilbruches befällt. Die gezeigten Objekte an der Schänzlihalde bezeugen, dass die zehn Töpfer, die sich mit dem Thema ‹Doppelbauchvase›, das heisst mit dem Sichdurchdringen zweier runder Formen befassten, ihre Technik in den beiden Wochen an der Kunstgewerbeschule dermassen perfektionierten, dass sämtliche Werke, die ihre Individualität keineswegs verleugnen, als ‹ausgezeichnet› eingestuft werden können.»
Handwerk

Mit den Händen arbeiten, das war es, was Melanie Burkhard zu einer dritten Ausbildung bewog. Nach einem abgebrochenen Geschichtsstudium und einem Bachelor in Schmuckdesign fehlte ihr etwas Entscheidendes: die handwerklichen Grundlagen, um eigene Entwürfe umzusetzen. Mit 33 Jahren begann sie in Bern eine Lehre als Goldschmiedin und schloss diese 2024 erfolgreich ab. Für ihr aufwändig gestaltetes Chärnstück gewann sie im selben Jahr die Schweizer Goldschmiede-Meisterschaft in der Kategorie Design.
X-Factor
Um weiterhin den Unterricht von Ruggero Ponzio besuchen zu können, blieb der spätere Tagesschau-Moderator Franz Fischlin nach erfolgreichem Abschluss seiner Fotografenlehre ein weiteres Jahr an der Schule. Die Keramikerin und Künstlerin Karin Lehmann beschreibt einen Lehrer, der mit seinem «immensen Wissen» beeindruckte. Und der Künstler Kotscha Reist erinnert sich: «Ich besuchte die Schule für Gestaltung während meiner Lehre zum
Fotografenvon 1980 bis 1983. Vor allem der Allgemeinbildungsunterricht vonRuggeroPonziowar für mich prägend.» Andere Fächer habe man besucht, «weil man musste – bei Ponzio sass man freiwillig imKlassenzimmer».Tapetenwechsel

In den 1950er-Jahren erlebt die Tapete ein Revival als prägendes Element der Wohnkultur. Nach den Kriegsjahren stehen Muster und Farbe für Aufbruch und neue Wohnvorstellungen. 1958 beteiligen sich die Berufsklassen Grafik und Schaufensterdekoration unter der Leitung der Lehrer Eugen Jordi und Hermann Oberli an einem internationalen Wettbewerb für Tapetenentwürfe. Mit mehreren Preisen, Ehrenerwähnungen und Ankäufen erzielen die Berner Schülerinnen und Schüler einen bemerkenswerten Erfolg.
Reportage Lützelflüh

Das Bild zeigt zwei Mädchen am Uelibrunnen in Lützelflüh. Die Aufnahme entstand 1954 im Rahmen einer Reportage der «Photographenklasse» der Gewerbeschule Bern. Anlass war der hundertste Todestag des Schriftstellers Jeremias Gotthelf. Unter Leitung ihres Fachlehrers reisten die Schülerinnen und Schüler an einem Sonntag ins Emmental und fotografierten «Gotthelfstätten».
Pensen
«Stürmische Wandlungen sind an der Tagesordnung», schreibt Direktor Scheiwiller im Jahresbericht 1975/76 und meint damit den technologischen Umbruch. «Der raschen Veränderung entsprechend sind die Anforderungen an die Lehrerschaft der Berufsschulen ausserordentlich hoch. Im grafischen Gewerbe zum Beispiel haben sich nach längerer Stagnation die Berufsbilder in praktisch allen Sparten in wenigen Jahren grundlegend gewandelt.» In kürzester Zeit müssen sich die betroffenen Fachlehrpersonen umstellen, denn so Scheiwiller: «Der Lehrstoff entspricht in keiner Weise mehr dem seinerzeit in der eigenen Berufslehre Gelernten.»
Notengebung
Die Frage nach der richtigen Bewertung beschäftigte die Schule schon früh. Über das «heikle Kapitel der Notengebung» verfasste Otto Michel, Lehrer für Allgemeinbildung und Buchhaltung, eine Arbeit, über die im Bericht des Schuljahres 1941/42 berichtet wurde. Es wird festgehalten, dass «gewöhnlich zu gute Noten erteilt werden» und dadurch ein «augenfälliger Widerspruch» zwischen Zeugnisnoten und Prüfungsresultaten entstehe. Eine zu wohlwollende Beurteilung schade nicht nur dem Lehrmeister, sondern auch dem Lernenden selbst: «Der Schüler wähnt sich tüchtiger, als er tatsächlich ist.»
Lehrbetriebsverbund
Im Artikel «Nachfrage vorhanden, aber kaum Lehrstellen» berichtet der BärnerBär im August 2024 über den Mangel an Ausbildungsplätzen in der Glasmalerei in der Schweiz und zeigt exemplarisch, weshalb Modelle wie der Lehrbetriebsverbund an Bedeutung
gewinnen.Lehrbetriebe
«Bis jetzt war der Lehrmeister für die praktische Ausbildung allein verantwortlich und die Berufsschule für den berufskundlichen und allgemeinbildenden Unterricht.» Mit diesen Worten beschreibt der Bericht des Schuljahres 1963/64 die damalige Ordnung der Berufsbildung. Im Mai 1964 wurde das revidierte Bundesgesetz über die Berufsbildung angenommen. Neu wirkten drei Partner zusammen: der Lehrbetrieb, die Berufsschule und die Branchen- und Berufsverbände mit den von ihnen organisierten überbetrieblichen Kursen. Sie mussten sich für das gute Gelingen eines Lehrverhältnisses verständigen. Der Lehrbetrieb blieb dabei der zentrale Ort der praktischen Ausbildung.
Kunstgewerbeschulen

Kunstgewerbeschulen entstehen in der Schweiz im späten 19. Jahrhundert, in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Industrialisierung, Handels- und Gewerbefreiheit, Weltausstellungen und internationale Konkurrenz verändern die Bedingungen des Produzierens grundlegend. Handwerkliche und gewerbliche Erzeugnisse müssen nun nicht mehr nur technisch bestehen, sondern auch gestalterisch überzeugen. Gerade die grossen Ausstellungen der zweiten Jahrhunderthälfte machen sichtbar, dass die Schweiz im internationalen Vergleich formal nicht immer auf der Höhe der Zeit arbeitet. Nach der Wiener Weltausstellung von 1873 wird die Qualität schweizerischer Produkte besonders deutlich thematisiert und der Ruf nach besseren Ausbildungsstätten wird lauter. Die Antwort fällt weder zentralistisch noch einheitlich aus. Zwar orientiert sich die Schweiz an Vorbildern im Ausland – an London, Wien, Berlin, Nürnberg oder Stuttgart –, wo Museen, Muster- und Vorbildersammlungen, Zeichensäle und Schulen gezielt miteinander verbunden werden, um das Kunstgewerbe zu fördern. Doch wie so oft in der Schweiz führt die Nachahmung zu einem Geflecht lokaler Lösungen.
Fachmaturität Gestaltung
Die schweizerische Maturität kann auf unterschiedlichen Bildungswegen erlangt werden: über das Gymnasium mit gymnasialer Maturität, über die Berufsmaturität ergänzend zu einer Berufslehre oder über eine Fachmittelschule mit anschliessender Fachmaturität – etwa in den Bereichen Gestaltung, Pädagogik, Gesundheit oder Soziale Arbeit. Das schweizerische Bildungssystem ist dabei bewusst durchlässig angelegt und ermöglicht Übergänge zwischen beruflicher und allgemeinbildender Ausbildung.
Fachklasse Freie Kunst
Im Frühling 1987 eröffnete die Schule für Gestaltung Bern die Fachklasse Freie Kunst – ein neues Ausbildungsangebot für angehende Kunstschaffende und zugleich ein Pilotprojekt. Die zweijährige Vollzeitausbildung setzte bewusst auf Offenheit: Statt eines starren Lehrplans standen individuelle Entwicklungen, Atelierarbeit, Workshops und gemeinsame Auseinandersetzungen im Zentrum. Erste Dozenten waren die beiden Künstler Ueli Berger und Dieter Seibt sowie der Kunstkritiker Peter Killer. Das Selbstverständnis der Klasse formulierte sich programmatisch: Der Weg sollte im Gehen entstehen.
Branchen- und Berufsverbände
«Wie kann die Schulpflicht erfüllt werden, wenn sich das
EinzugsgebieteinerBerufsschule mit verschiedenen regionalen oder kantonalen oder gar schweizerischen Verbandsgebieten deckt?»DieseFrage war eine von vielen, die die Schulleitung im Bericht über das Schuljahr 1963/64 in einem Katalog praktischer Probleme zusammenfasste, die aus dem revidierten Bundesgesetz über die Berufsbildung entstanden. Ausbildung musste nun stärker zwischen Schule,Betriebenund Berufsorganisationen abgestimmt werden. Mit spürbarem Bewusstsein für die Tragweite dieser Veränderung hielt die Schulleitung fest: «Damit treten in Zukunft drei Partner auf, die für das gute Gelingen eines Lehrverhältnisses sich unbedingt verständigen müssen.»Bildungsangebote
Eine Berufslehre? Die Vorbereitung auf ein Studium an einer Hochschule? Ein berufsbegleitendes Studium an der Höheren Fachschule (HF)? Ein öffentlicher Kurs oder ein erstes gestalterisches Angebot für Kinder und Jugendliche?
Berufsmaturität
«Die Berufsmittelschule will begabten und zielstrebigen Lehrlingen eine zusätzliche Allgemeinbildung vermitteln, die ihnen einen rascheren Aufstieg ins mittlere Kader ermöglicht oder eine Erleichterung für den zweiten Bildungsweg bedeutet.» So formuliert es der Bericht des Schuljahres 1971/72. Im ersten Durchgang schloss eine Klasse junger Metallhandwerker ab. In einer gründlichen Selektion wurden 37 Lernende aufgenommen, 29 hielten durch und konnten nach drei anspruchsvollen Jahren am 17. März 1972 ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen. Im selben Frühjahr wurde die Berufsmittelschule, BMS, auch für die gestalterischen Berufe geöffnet. Die Einführung der BMS war Teil der damaligen Bestrebungen, die Berufslehre zu stärken und leistungsfähigen Lernenden neue Wege zu eröffnen. 1968 beschloss das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, entsprechende Angebote aufzubauen. Bern gehörte zu den ersten Standorten, die dafür eine provisorische Bewilligung erhielten.
Berufskundeunterricht
Im Bericht des Schuljahres 1917/18 bedankte sich der «Vorstand des Typographischen Klubs» in einem eigens verfassten Beitrag für die Unterstützung der Gewerbeschule Bern: Der praktische Kurs «Das Berechnen von Druckarbeiten» habe «auf das entschiedenste bewiesen, dass für eine nutzbringende Berufsbildung in der Hauptsache nur praktische Kurse in Frage kommen können», und man hoffe, «dass auch in Zukunft die grosse Unterstützung der Gewerbeschule Bern unserer Berufskategorie erhalten bleiben möge».
Berufsbildung
«Die Berufsschulen haben vom Schweizervolk einen ganzen Katalog neuer Aufgaben erhalten, die sie so rasch als möglich wahrnehmen müssen.» Als Direktor Othmar Scheiwiller diesen Satz 1980 in den Jahresbericht der Schule für Gestaltung schreibt, ist das neue Berufsbildungsgesetz erst wenige Wochen in Kraft.
Berufsbilder

Die Kunstgewerbeschule der Stadt Bern
veröffentlichtein den 1970er-Jahren die Broschüre Berufsbilder. Diese beschrieb die damaligen Berufe der grafischenIndustrieund lag in sämtlichen Berufsberatungszentren des Kantons aus. Ein Blick in die antiquiert anmutende Publikation zeigt anschaulich, wie radikal sich die Branche verändert hat.ABU
Die Berufslehre soll mehr vermitteln als einen Beruf. Dieser Gedanke begleitet die Schweizer Berufsbildung seit ihrer Entstehung. In den gewerblichen Fortbildungsschulen des ausgehenden 19. Jahrhunderts standen neben Fachkunde und Zeichnen auch Sprache, Geschichte oder Staatskunde auf dem Programm. Die Idee dahinter: Berufliche Tätigkeit findet immer in einem gesellschaftlichen Zusammenhang statt.
«An der Schule lernte ich den Umgang mit Material sowohl auf technischer als auch auf philosophischer Ebene – ein Verständnis für meinen Kopf, meine Hände und mein Herz.»
«Eigentlich habe ich Kartograf
gelernt, dieses präzise Zeichnen und Gravieren. Ich bin mit diesem Rüstzeug zufrieden. Irgendjemand sagte mir, die pedantischen Ästheten haben es nicht leicht im Leben.»
Lehre