Schulrat
Über lange Zeit war das Gremium, das die Schule mit Arbeitswelt und Gesellschaft verband, eng in die Geschicke der Schule eingebunden. Noch bis in jüngere Zeit wirkte der Schulrat etwa bei der Anstellung von Lehrpersonen mit.
Zeichnen nach Modell
Das Zeichnen nach Modell bildet seit jeher einen festen Bestandteil der gestalterischen Grundausbildung an der Schule für Gestaltung Bern. Jahrzehntelang fand der Unterricht im Aktsaal statt. Während der Renovation des Aktsaals wurde der Unterricht an die Schänzlihalde verlegt – in den ebenerdig gelegenen Ausstellungsraum. Zeichenlehrer Bruno Cerf sorgte immer wieder für aussergewöhnliche Modelle: Neben Aktmodellen standen auch schon echte Pferde oder die Broncos des seit 1971 in Bern aktiven Motorradclubs Broncos MC Bern mit ihren Harley-Davidsons Modell.
Kaderschmiede
Das Atelier Hablützel & Jaquet gehörte in den 1970er-Jahren zu den renommiertesten Grafik- und Werbeateliers der Schweiz. Neben Christian Jaquet und Alfred Hablützel war auch Margret
Rufenermassgeblich an seinem Aufbau beteiligt. Rufener sowie Jaquet – dieser ab 1973 – unterrichteten jahrelang an der Fachklasse Grafik der Kunstgewerbeschule, der späteren Schule für Gestaltung Bern. Zahlreiche Absolvent:innen fanden im Atelier ihre erste Anstellung. So wurde Hablützel & Jaquet zu einer eigentlichen «Kaderschmiede» der Berner Grafikszene und verkörperte beispielhaft die enge Verbindung zwischen Ausbildung und professioneller Designpraxis.Und dann?

So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Wege nach der Schule. Mit dem Projekt Von hier aus weiter lanciert die Schule für Gestaltung Bern und Biel 2026 eine Porträtreihe über ehemalige Lernende und Studierende, deren gestalterischer Weg an der SfG BB begann. Die alphabetisch geordneten Kurzporträts erzählen von Menschen, die heute in Design, Kunst, Musik, Kommunikation, Handwerk oder Unternehmertum tätig sind. Sie zeigen, wie unterschiedlich sich gestalterische Laufbahnen entwickeln können.
Zeitgemäss
Was bedeutet eine «zeitgemässe Ausbildung»? Dieser Frage widmete sich Jürg Bamert, damaliger Vorsteher des Zeichenlehrerseminars der Schule für Gestaltung Bern, im Jahr 1984. Seine Überlegungen im Bericht des Schuljahres 1984/85 zeigen, wie intensiv sich die Schule auch damals mit den gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien aus
einandersetzt.Alltag
Der Hausdienst schaltet den Alarm aus. Im Ofenraum der Keramikdesign Fachklasse ist es noch warm vom Vortag. Die Glasuren kühlen langsam aus. Es knistert leise, über die frisch gebrannten Arbeiten ziehen sich feine Haarrisse. Sonst ist es still.
Schuldirektion
Die folgende Übersicht zeigt die Direktor:innen der Schule für Gestaltung Bern seit ihrer organisatorischen Selbstständigkeit im Jahr 1971.
Kuckucksei

«An der Kunstgewerbeschule Bern ist der bekannte POCH-Politiker Schneider als Lehrer gewählt worden. Als Vater eines Lehrlings erfüllt mich diese Tatsache mit grosser Sorge, wenn ich mir überlege, dass unsere Jungen möglicherweise dem Einfluss einer politischen Richtung unterstehen könnten, von der man weiss, dass sie die Umgestaltung unseres Gesellschafts- und Staatssystems zum Ziele hat. Hat wohl niemand bei den für diese Wahl Verantwortlichen daran gedacht, dass damit ein Kuckucksei in unser eigenes Nest gesetzt worden ist?»
Jahrgänge
Die Idee einer Technikerschule für die Druckindustrie entstand in der grafischen Branche aus dem Bedarf nach weiterführender Ausbildung für erfahrene Berufsleute. 1962 wurde diese Forderung öffentlich formuliert. In einem Beitrag in der Schweizer Buchdrucker-Zeitung (SBZ) hiess es: «Es muss ja nicht gerade eine Universität des graphischen Gewerbes sein, was wir benötigen. Aber in irgendeiner Form ist eine Schule zur systematischen und umfassenden Ausbildung der kommenden Träger der Unternehmensverantwortung auch in der Schweiz je länger desto dringender.» Den ersten Schritt bildete eine Meisterschule für erfahrene Berufsleute; daraus entwickelte sich später die Technikerschule für die Druckindustrie.
Freie Kunst als Berufsausbildung
Während vieler Jahre führte der Weg zur freien Kunst meist über eine Grafik- oder Lithografenlehre. Da gehörte von 1946 bis 1961 das Lithografieren, Entwerfen und Schriftzeichnen beim Typografen und Künstler Eugen Jordi, einem überzeugten Sozialisten, zum Ausbildungsprogramm. Zu Jordis Schülern gehörten unter anderen Jürgen Brodwolf, Daniel de Quervain, Dieter Roth, Jimmi Schneider und Marcel Wyss. Während Jahren einflussreich auf dem Weg zur freien Kunst war ab 1939 auch Hans Rudolf Schwarzenbach, der an der kunstgewerblichen Abteilung Malerei und Zeichnen unterrichtete. Bei ihm lernte als externer Schüler beispielsweise Franz Gertsch die altmeisterlichen Maltechniken. Gertsch besuchte von 1949 bis 1952 zusätzlich auch andere Kurse, die er allerdings meist schwänzte.
Qualitätssicherung
«Plötzlich stand Qualitätssicherung zuoberst auf der Traktandenliste aller Schulen. Auch die Schule für Gestaltung war gefordert», erinnert sich der Bildhauer und pensionierte Lehrer Walter Kretz. «Ich war eben dabei, eine neue Aufgabe zu stellen, da klopfte es …» Ein Herr und eine Dame stellen sich als beauftragte Fachpersonen für Qualitätssicherung vor und bitten höflich, den Unterricht mitverfolgen zu dürfen. An diesem Tag geht es um Ideenfindung. Sie lässt sich methodisch anregen, aber nicht linear herstellen. Kretz verzichtet deshalb auf klare Anleitungen und bringt Bewegung ins Denken der Klasse: mit halben Sätzen und überraschenden Gedankensprüngen, mit einem offenen Austausch von Ideen, der manchmal ins Leere läuft und dann plötzlich wieder zündet. Nach der Lektion lautet das Feedback, der Unterricht müsse klarer strukturiert und seine Anweisungen präziser formuliert sein. Kretz hält dagegen: «Unterricht ist nicht immer ein Punkt-für-Punkt-Nachvollzug. Es geht nicht um die Bedienung einer Waschmaschine.»
Protest

2013 protestierte die SfG BB gegen die drohenden Sparmassnahmen des Kantons Bern. Im Rahmen der
kantonalenAngebots- und Strukturüberprüfung sollten die Subventionen für den gestalterischen Vorkurs gestrichen werden. Damit stand ein traditionsreiches Angebot für angehende Gestalter:innen vor dem Aus. Auf Initiative des Künstlers und damaligen Lehrers Edi Aschwanden organisierten Lernende und Lehrpersonen anstelle einer klassischen Demonstration die Aktion «Gross- und Regierungsräte malen». Sie porträtierten alle 160 Grossrät:innen sowie die sieben Mitglieder des Regierungsrates. Die Bilder wurden während der Parlamentssession im Berner Rathaus ausgestellt und fanden auch in den Medien grosse Beachtung.Bären Presse Bern

Das erste Buch der Bären Presse Bern entstand Anfang der 1980er-Jahre in Zusammenarbeit zwischen Robert Wampfler, Klaus Röcken und Ernst Schär. Über viele Jahre entstanden in kleinen Auflagen bibliophile Publikationen von hoher handwerklicher Qualität. Dabei stand das Zusammenspiel von Satz, Papier und Illustration im Vordergrund, verstanden als Einheit des Buches. Wampfler, damals Lehrer für Allgemeinbildung an der Schule für Gestaltung Bern, wirkte als Verleger. Röcken, gelernter Buchsetzer und Typograf, verantwortete den Satz, Schär als Druckfachlehrer und Leiter des manuellen Druckateliers den Handpressendruck.
Restaurant
![Am Tresen der Kantine der Gewerbeschule
an der Lorrainestrasse 1, 1942. Foto: Eugen Thierstein. Burgerbibliothek Bern [N Eugen Thierstein 321/50].](https://sfgbb.b-cdn.net/3196/2560x0_n_eugen_thierstein_321_50.jpg)
Mit dem Bezug des
NeubausanderSchänzlihalde 1971 übernahm die Kunstgewerbeschule ein Konzept der benachbarten Gewerbeschule: den Erfrischungsraum. Betrieben von einem Pächterehepaar, bot er Lernenden und Lehrpersonen Getränke, einfache Mahlzeiten und einen Ort für Begegnungen. Der Jahresbericht 1972/73 verabschiedet Hans und Anna Arn-Gimmi, die den entsprechenden Betrieb der Gewerbeschule bereits seit 1958 geführt und mit dem Umzug auch jenen der Kunstgewerbeschule übernommen hatten. Die Schule dankte ihnen ausdrücklich für die «gute Führung desErfrischungsraumes».Jubiläumsausstellung

Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde wurden 1971 die bis dahin an der Gewerbeschule geführten gestalterischen Abteilungen in der neu gegründeten Kunstgewerbeschule – der heutigen SfG BB – zusammengeführt. 50
Jahrespäternahm die JubiläumsausstellungdiesesEreignis zum Anlass, auf die Geschichte der Schule und ihrgestalterischesErbe zurückzublicken.Balade d’automne

Le « Herbstbümel » fait partie intégrante du programme annuel du site de Bienne. En 2025, cette excursion
collectiveproposait un tour en bateau jusqu’à l’île St-Pierre suivi d’une balade à pied jusqu’à Erlach. La randonnée s’est conclue sur un pique-nique avec un tournoi de football où la meilleure équipe et la tenue la plus originale ont été récompensés. Le Herbstbümel permet de réunir des aspects disparates du quotidien en créant dessouvenirscommuns, au-delà des cours et du travail.Zeitdokumente

Die Fotografien von Heidi Lutz-Krebs zeigen Bern am Übergang zur Moderne. Entstanden 1959/60 während ihrer Ausbildungsjahre halten sie Strassen, Plätze, Schaufenster und Passant:innen des Berner Alltags fest. Die Bilder dokumentieren eine Stadt mit wenigen Autos, vielen Fussgänger:innen und einem öffentlichen Raum, der noch stark vom Unterwegssein zu Fuss geprägt ist.
Xylografie

Wer einen Holzschnitt betrachtet, begegnet immer auch dem Holz selbst. In der Xylografie schreiben sich Material und Bearbeitung sichtbar ins Bild ein: Maserungen, Schnitte und Druckspuren bleiben lesbar. Gemeint ist der Hochdruck mit Holzplatten.
Politwoche
Mit der Überzeugung, dass politische Bildung zu den zentralen Aufgaben einer Bildungsinstitution gehört, initiierten
SimonLehmann und Patrick Helfer 2011 die Politwoche an der SfG BB. Politische Themen waren zwar seit jeher Teil des allgemeinbildenden Unterrichts, die Politwoche verlagerte diese Auseinandersetzung jedoch in ein eigenes Veranstaltungsformat und schuf Raum für direkte Begegnungen mit politischen Akteur:innen.Plakatgestaltung

Das Plakat zählt zu den prägendsten Ausdrucksformen des Schweizer Grafikdesigns. Als Medium im öffentlichen Raum informiert, wirbt und kommentiert es; zugleich prägt es Wahrnehmung und kulturelle Identitäten. Politische, kulturelle, touristische oder kommerzielle Plakate begegnen uns im Alltag und verdichten komplexe Inhalte zu Bildern, Zeichen und Typografie.
Lohntüte
Eine Angestellte rennt mit einer schwarzen Ledermappe über die Lorrainebrücke Richtung Schule. Hinter ihr zwei Verfolger. Einer stürzt auf der Treppe, der andere greift nach der Mappe. Erst hinter der Glastür des Schulhauses ist sie in Sicherheit. Mit dieser Szene beginnt Hedwig Brand in der Festschrift zum
25-jährigenJubiläum ihren Rückblick auf den Umgang mit Lohngeldern an der Schule für Gestaltung Bern. Gleich darauf relativiert sie: Ganz so dramatisch habe es sich zwar nie zugetragen.Hyperrealismus

Präzises Beobachten, exaktes Zeichnen und die konzentrierte Auseinandersetzung mit Wirklichkeit prägten den Unterricht an der Kunstgewerbeschule Bern über Jahrzehnte. Eine zentrale Figur war Hans Schwarzenbach. Der Grafiker Stephan Bundi erinnerte sich in der Gesprächsreihe BB:50, bei ihm das genaue Hinsehen gelernt zu haben. Schwarzenbach sei streng gewesen, zugleich aber «eine grossartige Persönlichkeit».
En garde!
Anfang 2001 will die Stadt Bern ihr Erscheinungsbild modernisieren. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben, Daniel Dreier und Urs Grünig gewinnen. Ihr Vorschlag ist kein behutsames Redesign, sondern ein klarer Schnitt: Statt des Stadtwappens auf Briefpapier und Drucksachen schlagen sie ein typografisches Zeichen vor – ein rotes «B», darüber ein schwarzes «E», das sich auch als Krone lesen lässt. Ein präziser, reduzierter Entwurf und, für eine Stadtverwaltung, ein erstaunlich mutiger Wurf.
Bärenspiegel

Als der ehemalige Kunstgewerbeschüler Armin Bieber 1923 gemeinsam mit Hans Eggimann die satirische Monatsschrift Bärenspiegel gründete, entstand in Bern weit mehr als ein humoristisches Blatt. Der Titel spielte auf Till Eulenspiegel an, doch der Bärenspiegel wurde rasch zu einer Plattform für Zeichner aus der ganzen Schweiz, darunter viele aus dem Umfeld der kunstgewerblichen Abteilung der Gewerbeschule Bern.
Ausstellungen

Die ersten Kunstgewerbeschulen entstehen im Umfeld der Industrie- und Gewerbeausstellungen des 19. Jahrhunderts. Diese grossen Leistungsschauen präsentieren nicht nur neue Produkte, Materialien und Herstellungsverfahren, sondern verändern auch den Blick auf Gestaltung selbst: Form, Qualität und Gebrauch werden öffentlich verhandelt, verglichen und bewertet. Gestaltung wird damit zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Frage.
Pilgerfahrt

Zeitungsartikel aus dem Emmentaler Blatt vom 2. Mai 1972 über die Pilgerfahrt des jungen, an der
Kunstgewerbeschuleausgebildeten Dekorateurs und angehenden Malers Ulrich Dolder aus Niederbipp. Mit Pferd und Wagen brach er zu einer über 1000 Kilometer langenReisenach Paris auf, unter anderem zum Grab von Vincent van Gogh inAuvers-sur-Oise. Die Fahrt war zugleichPilger-,Studien- und Werbereise für sein künstlerischesSchaffen.Handwerk

Mit den Händen arbeiten, das war es, was Melanie Burkhard zu einer dritten Ausbildung bewog. Nach einem abgebrochenen Geschichtsstudium und einem Bachelor in Schmuckdesign fehlte ihr etwas Entscheidendes: die handwerklichen Grundlagen, um eigene Entwürfe umzusetzen. Mit 33 Jahren begann sie in Bern eine Lehre als Goldschmiedin und schloss diese 2024 erfolgreich ab. Für ihr aufwändig gestaltetes Chärnstück gewann sie im selben Jahr die Schweizer Goldschmiede-Meisterschaft in der Kategorie Design.
X-Factor
Um weiterhin den Unterricht von Ruggero Ponzio besuchen zu können, blieb der spätere Tagesschau-Moderator Franz Fischlin nach erfolgreichem Abschluss seiner Fotografenlehre ein weiteres Jahr an der Schule. Die Keramikerin und Künstlerin Karin Lehmann beschreibt einen Lehrer, der mit seinem «immensen Wissen» beeindruckte. Und der Künstler Kotscha Reist erinnert sich: «Ich besuchte die Schule für Gestaltung während meiner Lehre zum
Fotografenvon 1980 bis 1983. Vor allem der Allgemeinbildungsunterricht vonRuggeroPonziowar für mich prägend.» Andere Fächer habe man besucht, «weil man musste – bei Ponzio sass man freiwillig imKlassenzimmer».Werdegänge
2018 erscheint mit Zwischenhalt eine Publikation der Keramikdesign Fachklasse Bern, die 24 ehemalige Lernende porträtiert. Der Titel ist bewusst gewählt. Die Beiträge verstehen sich nicht als abgeschlossene Erfolgsgeschichten, sondern als Momentaufnahmen unterschiedlicher Berufswege zwischen Atelier, Designstudio, Kunst, Unterricht und Selbstständigkeit. «Keine geschönten Biografien», schreibt der damalige Direktor
StefanGelzerim Vorwort, sondern «berührende und eindrückliche Einblicke» in ein Berufsfeld, das viel Eigenständigkeit verlangt.Wandbild

1949 malten die sozial engagierten Berner Künstler Eugen Jordi und Emil Zbinden im Auftrag der Stadt ein Wandbild im neuen Schulhaus Wylergut. Ein Alphabet für Kinder: A wie Affe, B wie Blume, Z wie Ziege. Ein freundliches Lehrmittel, grossflächig ins Treppenhaus gesetzt. Die beiden Künstler – politisch engagiert, antifaschistisch geprägt und an der Lebenswelt der Arbeiterinnen und Arbeiter interessiert – verstanden Gestaltung als Ausdruck gesellschaftlicher
Verantwortung.Verschwundene Berufe
«Ich bin einer der letzten Handlithografen», sagte Polo Hofer einmal mit einem gewissen Stolz in einem Interview. In den 1960er-Jahren absolvierte der spätere Mundartrocker seine Lehre in der Kunstanstalt Brügger in Meiringen und bestand die Lehrabschlussprüfung an der Kunstgewerbeschule Bern mit der Note 5,7. Als er sein Zeugnis erhielt, gab es den Beruf bereits nicht mehr. Fortan durfte er sich Grafiker nennen.
Vermächtnis
Ein Haus mit knarrenden Böden, ein verwunschener Garten, Stimmen, die durch hohe Räume tragen. Im Schwob-Haus im Berner Länggass-Quartier arbeiten Künstler:innen in verschiedenen Ateliers.
Marzili

Im Sommer 1979 arbeiteten die fünf Künstler Ernst Jordi, Walter Kretz, Jimmy Schneider, Walter «Pieps» Vögeli und Urs Suter – alle aus dem Umfeld der Schule für Gestaltung – im Aareschwimmbad Marzili. Es entstehen Eisenplastiken von Jordi und Schneider. Suter und Vögeli vollenden eine knapp fünf Meter hohe Version ihrer Skulptur Trojanisches Pferd. Walter Kretz erstellt einen begehbaren Schrein aus Beton, dessen tonnenschwere Türflügel sich rituell öffnen und schliessen und dem Ort eine kultische Konnotation geben. Tausende Badegäste wohnten den offenen Atelierarbeiten jeweils bei.
Linck Keramik

Linck Keramik steht für klare Formen und handwerkliche Präzision. Die weissen, geometrischen Vasen und Gefässe der Manufaktur gehören zum Besten der Schweizer Designgeschichte und werden bis heute nach den Entwürfen ihrer Gründerin gefertigt.
Lehrerfortbildung

Anfang der 1980er-Jahre führte
eineStudienreise den Berufsschullehrer Ernst Wegmüller nach Los Angeles. In einem seiner Testathefte notierte er den Besuch bei Autologic, einem Hersteller von Fotosatzsystemen, die damals den Übergang vom Bleisatz zum digitalen Satz markierten. Insgesamt fünf solcher Hefte dokumentieren seine persönlichen Weiterbildungen zwischen 1973 und 1998. Diese Einträge stehen auch für eine Entwicklung: Mit der Bildungsexpansion der 1960er-Jahre wurde Lehrerfortbildungzunehmendinstitutionalisiert und systematisiert. Institutionen wie das Schweizerische Institut für Berufspädagogik boten regelmässige Kurse an, Studienreisen und Fachveranstaltungen der Industrie ergänzten dasAngebot.Keramisches Handwerk
«Wir wollten Pflanzen sein, deren Wurzeln im alten heimatlichen Boden stecken, deren Blüten aber neue Formen und Farben treiben.» Mit diesen Worten beschreibt der Keramiker und Lehrer Benno Geiger in den
1950er-Jahrenrückblickend das Selbstverständnis der keramischen Ausbildung in Bern. Die Wurzeln dieser Ausbildung liegen im regionalen Handwerk. Seit dem 18. und 19. Jahrhundert entstehen im Kanton Bern bedeutende Produktionszentren in Heimberg, Steffisburg oder Langnau. Hafnereien fertigen Teller, Krüge und Majolika – farbig glasierte Keramiken mit dekorativer Bemalung, die weit verbreitet sind und mit dem Aufkommen des Alpentourismus auch als Souvenirs zirkulieren.Holzofen 2.0
Im Garten der Keramikerin Vreni Meier und des Keramikers Andreas Ryser in Worben steht seit den frühen 1990er-Jahren ein holzbefeuerter Keramikbrennofen. Geplant wurde er 1980 von Ernst Fehr,
gebautab 1991 gemeinsam mit Fachlehrpersonen und Lernenden der Keramikdesign Fachklasse Bern. Die Schule für Gestaltung finanzierte Bau und Material, Andreas Ryser stellte das Land zur Verfügung. 1992 wurde der Ofen fertiggestellt.Fresken

Mit dem 1939 fertiggestellten
Gewerbeschulbaudes ArchitektenHansBrechbühler, der ihn «Kristall» nannte, erhielt auch die Kunst einen festen Platz im Haus. Im Bericht des Schuljahres 1941/42 heisst es: «In den Treppenhäusern haben Frau Marguerite Frey-Surbek und HerrAlbertNeuenschwanderihre Entwürfe, die seinerzeit in einem Wettbewerb in den ersten Rang gestellt worden waren, als Freskobilder ausgeführt.»Felsenburg

Hinter der Felsenburg, so berichtet der Historiker Hugo Haas 1945 in der Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, liege «eine kleine Welt für sich». In dem engen Hof werde gearbeitet «wie im Mittelalter unter freiem Himmel».
Fachklasse Freie Kunst
Im Frühling 1987 eröffnete die Schule für Gestaltung Bern die Fachklasse Freie Kunst – ein neues Ausbildungsangebot für angehende Kunstschaffende und zugleich ein Pilotprojekt. Die zweijährige Vollzeitausbildung setzte bewusst auf Offenheit: Statt eines starren Lehrplans standen individuelle Entwicklungen, Atelierarbeit, Workshops und gemeinsame Auseinandersetzungen im Zentrum. Erste Dozenten waren die beiden Künstler Ueli Berger und Dieter Seibt sowie der Kunstkritiker Peter Killer. Das Selbstverständnis der Klasse formulierte sich programmatisch: Der Weg sollte im Gehen entstehen.
Briefmarken

1956 wurde Hans-Rudolf Schwarzenbach mit der Weltmeisterschaftsmedaille für die schönste Sportbriefmarke des Jahres ausgezeichnet. Der Zeichner, Lithograf und Grafiker unterrichtete von 1940 bis 1976 an der Kunstgewerbeschule und gestaltete über hundert Postwertzeichen. Solange Moser, ebenfalls Grafikerin und Lehrerin an der Schule, entwarf ab den 1970er-Jahren mehrere Briefmarkenserien für die PTT, darunter eine Reihe zu Schweizer Volksbräuchen. Bereits in den 1930er-Jahren gestaltete der Grafiker Eugen Jordi erste Pro-Juventute- und Landschaftsbriefmarken für die PTT und prägte damit die frühe Entwicklung der Schweizer Postwertzeichen. Immer wieder entstanden im Umfeld der Schule für Gestaltung Bern Briefmarken, vereinzelt gingen Wettbewerbe für neue Postwertzeichen sogar an Lernende.
Bildungspolitik
Im Herbst 1939 wird die
KeramischeFachschule in Bern geschlossen. Zwei mögliche Nachfolger des bisherigen Leiters können sich nicht auf eine gemeinsame Ausrichtung einigen, zugleich fehlen Mittel für die technische Modernisierung. Die Unterrichtsräume werden gekündigt, die verbleibenden Schüler in Lehrbetrieben untergebracht. Doch die Entscheidung bleibt nicht unwidersprochen. Berufsverbände protestieren – und auch der Vorsteher des bernischen Lehrlingsamts, Erwin Jeangros, setzt sich für den Erhalt der Schule ein. Mit Erfolg: Bereits 1941 wird die Schule wieder eröffnet. Mit Benno Geiger und Werner Burri gewinnt sie zwei Lehrerpersönlichkeiten, die Impulse aus der Wiener Kunstgewerbeschule und der Bauhaustöpferei nach Bern bringen.Bilderbuchkarriere

1992 erscheint Der Regenbogenfisch des Berner Illustrators Marcus Pfister, Grafiker und Absolvent der Schule für Gestaltung Bern. Das Bilderbuch startet mit einer Auflage von 30’000 Exemplaren und entwickelt sich zu einem internationalen Exportschlager des Schweizer Kinderbuchs. Der Erfolg liegt nicht nur an der schillernden Heissfolien-Prägetechnik, die die Schuppen zum Glänzen bringt, sondern auch an der Botschaft, dass Teilen Freude bereitet und wahre Freude nicht aus äusserer Schönheit entsteht. Über 30 Millionen Exemplare werden verkauft, das Buch wird in mehr als 50 Sprachen übersetzt. 2016 trägt Michelle Obama die Geschichte bei einer Veranstaltung im Weissen Haus vor. Inzwischen ist das Buch in den USA in politische Debatten geraten: Im Bundesstaat Florida wurde Der Regenbogenfisch aus Schulbibliotheken entfernt. Kritiker aus republikanischen Kreisen sehen in der Botschaft des Teilens laut New York Times ein Beispiel für «kommunistisches» Gedankengut.
Berufsbildung
«Die Berufsschulen haben vom Schweizervolk einen ganzen Katalog neuer Aufgaben erhalten, die sie so rasch als möglich wahrnehmen müssen.» Als Direktor Othmar Scheiwiller diesen Satz 1980 in den Jahresbericht der Schule für Gestaltung schreibt, ist das neue Berufsbildungsgesetz erst wenige Wochen in Kraft.
Berufsbilder

Die Kunstgewerbeschule der Stadt Bern
veröffentlichtein den 1970er-Jahren die Broschüre Berufsbilder. Diese beschrieb die damaligen Berufe der grafischenIndustrieund lag in sämtlichen Berufsberatungszentren des Kantons aus. Ein Blick in die antiquiert anmutende Publikation zeigt anschaulich, wie radikal sich die Branche verändert hat.Berner Design Preise
Der Berner Design Preis wird seit 2007 alle zwei Jahre von der Berner Design Stiftung vergeben. Er würdigt etablierte Designer:innen, die mit eigenständiger Formensprache, klarer Haltung oder technischer Präzision die Szene prägen, und unterstützt zugleich den Nachwuchs über ein Patenschaftsmodell. Im Folgenden stehen Preisträger:innen im Mittelpunkt, die mit der SfG BB – beziehungsweise der früheren Kunstgewerbeschule – verbunden sind: sei es durch ihre Ausbildung oder ihre
Lehrtätigkeit.Berner Avantgarde
«An zwei Tagen pro Woche besuchte ich die Kunstgewerbeschule. Dort lernte ich Robert Wälti kennen, der ab 1955 mit Konrad Vetter und Peter Meier die Berner Werkgemeinschaft betrieb. Sie waren alle schwarz gekleidet und trugen Sandalen – die pure Avantgarde! Ich half ihnen bei Wettbewerben. Franz Eggenschwiler kam dazu, er las uns Briefe von Dieter Roth vor. Die Kunstszene traf sich in der Galerie 33 oder bei Christian Megert. Ich war mittendrin.» – So erinnert sich die 2019 verstorbene Berner Grafikerin und Produktdesignerin Susi Berger an ihre Zeit an der Kunstgewerbeschule Bern in den 1950er-Jahren. Ihr Bericht führt in ein dichtes Netzwerk junger Kunstschaffender, deren Wege sich damals an der Schule kreuzten.
Banknoten
«Banknoten müssen schön und bunt sein und eine Geschichte erzählen», so lautete das Credo des 2024 verstorbenen Gestalters Roger Pfund. Der Grafiker, der seine Lehre bei Kurt Wirth absolvierte und die Kunstgewerbeschule in Bern besuchte, schuf in seiner späteren Karriere Banknoten für zahlreiche Länder, darunter Argentinien, Malaysia und die Komoren. Für die Banque de France gestaltete er die letzte Serie vor der Einführung des Euro und hob zum ersten Mal das Konterfei einer Frau auf eine französische Banknote – Marie Curie.
Akteur:innen
An einer Schule für Gestaltung tragen Menschen je nach Bildungsbereich unterschiedliche Bezeichnungen. Schüler:innen etwa, wenn sie während der obligatorischen Schulzeit Gestaltungskurse im K’Werk BE besuchen, Lernende in der Berufsfachschule und in der Vollzeitausbildung, Teilnehmende in Kursen oder Studierende an der Höheren Fachschule. Auch auf der anderen Seite wechseln die Begriffe: Lehrpersonen, ÜK-Instruktor:innen, Praxisbildner:innen, Kursleitende oder
Dozierende. Dahinter stehen unterschiedliche Formen des Unterrichtens, Begleitens und Zusammenarbeitens sowie die verschiedenen Bildungsbereiche, die an der Schule für Gestaltung zusammenkommen. Doch die Schule besteht nicht nur aus jenen, die lernen oder unterrichten. Sie wird ebenso von den Mitarbeitenden getragen, die oft im Hintergrund wirken: in Sekretariat und Administration, Hausdienst und Reinigung, Technik, IT, Bibliothek, Kommunikation, Ausstellung, Restaurant oder Schulleitung. Dazu kommen Lehrbetriebe, Schulrat, Behörden, Verbände und politische Entscheidungsträger:innen.Abwart
«Die Abwartsverhältnisse an der Gewerbeschule […] waren total unhaltbar geworden.» Mit dieser drastischen Feststellung beginnt im Bericht des Schuljahrs 1911/12 die Geschichte eines Berufs, der meist erst auffällt, wenn etwas nicht funktioniert. Die Schule wuchs, die Nutzung nahm zu, Zuständigkeiten blieben ungeklärt. «Der bisherige Abwart musste der Verpflichtung, der Gewerbeschule zu
dienen, enthoben werden.» Die Stelle wurde neu ausgeschrieben und der Gemeinderat wählte «als Abwart mit Amtsantritt auf Beginn des Wintersemesters: Frau Witwe Witschi». Ihre Anstellung war so bedeutend, dass man ihr im dritten Stockwerk eine Amtswohnung einrichtete. Witwe Witschi war Hüterin des Hauses: Sie heizte, putzte, öffnete und schloss, hielt Ordnung.«Eigentlich habe ich Kartograf
gelernt, dieses präzise Zeichnen und Gravieren. Ich bin mit diesem Rüstzeug zufrieden. Irgendjemand sagte mir, die pedantischen Ästheten haben es nicht leicht im Leben.»
Menschen