Doppelkelch

1972 wird die von der Stadt Bern erworbene Eisenplastik Doppelkelch von Jimmy Schneider bei der Kunstgewerbeschule Bern aufgestellt. Schneider absolvierte hier nach seiner Schlosserlehre von 1950 bis 1952 seine Ausbildung bei Gottfried Keller (Plastik) und Eugen Jordi (Entwerfen). Seit seiner Jugend mit Bernhard Luginbühl befreundet, war er zunächst als Maler tätig und schuf ab 1960
Eisenplastiken.Kunst im öffentlichen Raum

Bern ist auch ein Freilichtmuseum der Schule für Gestaltung. Zahlreiche Skulpturen, Brunnen, Wandbilder und keramische Arbeiten im öffentlichen Raum stammen von Künstler:innen, die an der Kunstgewerbeschule ausgebildet wurden oder später an ihr unterrichteten. Vom Bahnhofplatz bis zum Zytglogge, von Innenhöfen bis zu Verwaltungsgebäuden begegnet man ihren Arbeiten oft, ohne ihre Verbindung zur Schule zu kennen. Die folgenden Beispiele zeigen exemplarisch, wie sich diese Geschichte bis heute im Stadtraum eingeschrieben hat.
Kiwanis Förderpreis

Für junge Gestalter:innen, die mit Keramik, Holz, Metall, Textil oder anderen Materialien arbeiten, gibt es nur wenige Auszeichnungen. Genau diese Lücke schliesst der Kiwanis Förderpreis, den der Kiwanis-Club Bern-Aare seit 1991 alle zwei Jahre vergibt. Angestossen wurde er vom Innenarchitekten Christian Anliker und vom Goldschmied Othmar Zschaler; seither wird er vom ganzen Club getragen und mit einer Preissumme von 10’000
Frankenermöglicht.Jubiläumsausstellung

Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde wurden 1971 die bis dahin an der Gewerbeschule geführten gestalterischen Abteilungen in der neu gegründeten Kunstgewerbeschule – der heutigen SfG BB – zusammengeführt. 50
Jahrespäternahm die JubiläumsausstellungdiesesEreignis zum Anlass, auf die Geschichte der Schule und ihrgestalterischesErbe zurückzublicken.Zeitdokumente

Die Fotografien von Heidi Lutz-Krebs zeigen Bern am Übergang zur Moderne. Entstanden 1959/60 während ihrer Ausbildungsjahre halten sie Strassen, Plätze, Schaufenster und Passant:innen des Berner Alltags fest. Die Bilder dokumentieren eine Stadt mit wenigen Autos, vielen Fussgänger:innen und einem öffentlichen Raum, der noch stark vom Unterwegssein zu Fuss geprägt ist.
Xylografie

Wer einen Holzschnitt betrachtet, begegnet immer auch dem Holz selbst. In der Xylografie schreiben sich Material und Bearbeitung sichtbar ins Bild ein: Maserungen, Schnitte und Druckspuren bleiben lesbar. Gemeint ist der Hochdruck mit Holzplatten.
Vision

«Die Entwicklung des graphischen Gewerbes ist der beste Gradmesser für die zunehmende Grösse der Bundesstadt.» Mit diesem Satz erschien 1926 in der humoristisch-satirischen Monatsschrift
Bärenspiegel eine Illustration, die Bern als vertikale Zukunftsstadt zeigte: Druckereien, Clichéanstalten, Buchkunst, Chemigrafie und Verlage türmten sich zu einer urbanen Medienlandschaft. Nicht Banken oder Fabriken standen im Zentrum der Vision, sondern das grafischeGewerbe.Plakatgestaltung

Das Plakat zählt zu den prägendsten Ausdrucksformen des Schweizer Grafikdesigns. Als Medium im öffentlichen Raum informiert, wirbt und kommentiert es; zugleich prägt es Wahrnehmung und kulturelle Identitäten. Politische, kulturelle, touristische oder kommerzielle Plakate begegnen uns im Alltag und verdichten komplexe Inhalte zu Bildern, Zeichen und Typografie.
Hyperrealismus

Präzises Beobachten, exaktes Zeichnen und die konzentrierte Auseinandersetzung mit Wirklichkeit prägten den Unterricht an der Kunstgewerbeschule Bern über Jahrzehnte. Eine zentrale Figur war Hans Schwarzenbach. Der Grafiker Stephan Bundi erinnerte sich in der Gesprächsreihe BB:50, bei ihm das genaue Hinsehen gelernt zu haben. Schwarzenbach sei streng gewesen, zugleich aber «eine grossartige Persönlichkeit».
Ausstellungen

Die ersten Kunstgewerbeschulen entstehen im Umfeld der Industrie- und Gewerbeausstellungen des 19. Jahrhunderts. Diese grossen Leistungsschauen präsentieren nicht nur neue Produkte, Materialien und Herstellungsverfahren, sondern verändern auch den Blick auf Gestaltung selbst: Form, Qualität und Gebrauch werden öffentlich verhandelt, verglichen und bewertet. Gestaltung wird damit zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Frage.
Paul-Boesch-Preise

Der Name Paul Boesch (1889–1969) ist mit Bern und der Geschichte der Schule für Gestaltung verbunden. Der Künstler, Illustrator und langjährige Lehrer an der damaligen Kunstgewerbeschule Bern wurde schweizweit durch seine Illustrationen für den Pestalozzi-Kalender bekannt. Daneben schuf er ein umfangreiches Werk aus Holzschnitten, Wappen, Glasgemälden und Buchillustrationen. Mit seiner eigenständigen Formensprache galt er als Erneuerer der Schweizer Heraldik und überführte traditionelle Bildsprachen in eine zeitgenössische Form.
Handwerk

Mit den Händen arbeiten, das war es, was Melanie Burkhard zu einer dritten Ausbildung bewog. Nach einem abgebrochenen Geschichtsstudium und einem Bachelor in Schmuckdesign fehlte ihr etwas Entscheidendes: die handwerklichen Grundlagen, um eigene Entwürfe umzusetzen. Mit 33 Jahren begann sie in Bern eine Lehre als Goldschmiedin und schloss diese 2024 erfolgreich ab. Für ihr aufwändig gestaltetes Chärnstück gewann sie im selben Jahr die Schweizer Goldschmiede-Meisterschaft in der Kategorie Design.
Wandbild

1949 malten die sozial engagierten Berner Künstler Eugen Jordi und Emil Zbinden im Auftrag der Stadt ein Wandbild im neuen Schulhaus Wylergut. Ein Alphabet für Kinder: A wie Affe, B wie Blume, Z wie Ziege. Ein freundliches Lehrmittel, grossflächig ins Treppenhaus gesetzt. Die beiden Künstler – politisch engagiert, antifaschistisch geprägt und an der Lebenswelt der Arbeiterinnen und Arbeiter interessiert – verstanden Gestaltung als Ausdruck gesellschaftlicher
Verantwortung.Grand Prix Grafik

Le Grand Prix Grafik compte parmi les temps forts de la classe spécialisée de graphisme. En tant que projet interne de fin d’études, il offre aux apprenti·e·s un espace de liberté leur permettant de développer un travail créatif de manière autonome durant une période de trois mois environ. Ceci permet de poursuivre le
processuscréatif du début à la fin, de l’idée initiale à la mise en œuvre et à la présentation, en passant par la recherche et le concept.Fresken

Mit dem 1939 fertiggestellten
Gewerbeschulbaudes ArchitektenHansBrechbühler, der ihn «Kristall» nannte, erhielt auch die Kunst einen festen Platz im Haus. Im Bericht des Schuljahres 1941/42 heisst es: «In den Treppenhäusern haben Frau Marguerite Frey-Surbek und HerrAlbertNeuenschwanderihre Entwürfe, die seinerzeit in einem Wettbewerb in den ersten Rang gestellt worden waren, als Freskobilder ausgeführt.»Comfort #13

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der SfG BB als selbstständige Institution installierte das Künstlerpaar Lang/Baumann 2021 auf dem Gebäude an der Schänzlihalde 31 die aufblasbare, temporäre Kunststoffskulptur Comfort #13, eine raffinierte, weit sichtbare Eckpolsterung. Sie markierte die städtebaulich wichtige Positionierung des Gebäudes und damit die Bedeutung der Institution. Augenzwinkernd hiess das auch: Hier sind Ecken und
Kanten.Berner Design Preise
Der Berner Design Preis wird seit 2007 alle zwei Jahre von der Berner Design Stiftung vergeben. Er würdigt etablierte Designer:innen, die mit eigenständiger Formensprache, klarer Haltung oder technischer Präzision die Szene prägen, und unterstützt zugleich den Nachwuchs über ein Patenschaftsmodell. Im Folgenden stehen Preisträger:innen im Mittelpunkt, die mit der SfG BB – beziehungsweise der früheren Kunstgewerbeschule – verbunden sind: sei es durch ihre Ausbildung oder ihre
Lehrtätigkeit.
Werke