Nach dem Einmarsch französischer Truppen 1798 endet die Alte Eidgenossenschaft. Der Zunftzwang ist aufgehoben, die traditionelle Berufsausbildung abgeschafft. Neue Produktionsmethoden bedrängen das Handwerk. Der Konkurrenz der frühen Industrialisierung begegnet das Gewerbe mit Ausbildungsangeboten.
BB:Archive 1826–2026
Die SfG BB besteht seit 55 Jahren als eigenständige Institution. Ihre Geschichte reicht jedoch deutlich weiter zurück. Vor 200 Jahren beginnen jene Linien, aus denen die Schule später hervorgeht. Sie führen durch Werkstätten, Ateliers und Unterrichtsräume, verändern im Lauf der Zeit ihre Form und ihren Namen und setzen sich immer wieder neu zusammen.
Diese Publikation versucht nicht, daraus eine einzige, geschlossene Erzählung zu machen. Sie folgt keinem Zeitstrahl und keinem festen Weg durch die Geschichte. Vielmehr lädt sie dazu ein, zu stöbern, zu entdecken und sich treiben zu lassen: einen Begriff aufzuschlagen, weiterzublättern und eigene Wege durch die Inhalte zu finden. Die Ordnung folgt deshalb dem Alphabet. Mehr als 160 Begriffe bilden ein Abécédaire. Manche erscheinen selbstverständlich, andere vielleicht überraschend oder beinahe zufällig. Hinter ihnen verbergen sich Geschichten, Beobachtungen und Spuren aus zwei Jahrhunderten des Lehrens, Lernens und Gestaltens.
Einige Begriffe öffnen sich zu längeren Texten, andere bleiben bewusst fragmentarisch. Vieles erschliesst sich erst beim Blättern, durch Assoziationen, Querverbindungen und unerwartete Entdeckungen. Ergänzt werden die Texte durch eine Auswahl visueller Fundstücke aus unterschiedlichen Zeiten der Schulgeschichte. Sie zeigen exemplarische Materialien und Arbeiten und machen sichtbar, wie sich Vorstellungen von Gestaltung und Ausbildung verändert haben.
Diese Publikation ist Teil eines grösseren Ganzen. Für das Jubiläum haben wir eine digitale Plattform entwickelt, auf der jetzt ein stetig wachsendes Archiv zur Schulgeschichte entsteht. Dieses Archiv versammelt erste Inhalte aus 200 Jahren und bildet die Grundlage dieser gedruckten Ausgabe.
Nicht alles hat den Weg ins Archiv gefunden. Vieles fehlt noch. Manches liegt vielleicht in Schubladen, auf Estrichen oder in privaten Sammlungen. Hinweise, Erinnerungen und bislang unentdeckte Fundstücke sind deshalb willkommen.
Das digitale Archiv dient der Dokumentation aktueller Entwicklungen und neuer Inhalte, die die Geschichte der Schule fortschreiben. Inhalte können so weitergeführt, ergänzt und in neue Zusammenhänge gestellt werden und zu einem späteren Zeitpunkt die Grundlage weiterer gedruckter Ausgaben bilden.
So entsteht eine Publikationsweise, die sich nicht auf eine einzelne Ausgabe und ein Medium beschränkt. Sie bewegt sich zwischen digitaler Plattform und Gedrucktem. Vielleicht passt genau das zu einer Schule, deren Geschichte sich fortlaufend weiterschreibt: Gestaltung wurde hier in wechselnden Disziplinen, Medien und Formaten vermittelt, erprobt und immer wieder neu gedacht. Dadurch bleibt auch der Blick auf die eigene Geschichte beweglich.
Roger Spindler, Direktor
A
ABU
Die Berufslehre soll mehr vermitteln als einen Beruf. Dieser Gedanke begleitet die Schweizer Berufsbildung seit ihrer Entstehung. In den gewerblichen Fortbildungsschulen des ausgehenden 19. Jahrhunderts standen neben Fachkunde und Zeichnen auch Sprache, Geschichte oder Staatskunde auf dem Programm. Die Idee dahinter: Berufliche Tätigkeit findet immer in einem gesellschaftlichen Zusammenhang statt.
Abwart
«Die Abwartsverhältnisse an der Gewerbeschule […] waren total unhaltbar geworden.» Mit dieser drastischen Feststellung beginnt im Bericht des Schuljahrs 1911/12 die Geschichte eines Berufs, der meist erst auffällt, wenn etwas nicht funktioniert. Die Schule wuchs, die Nutzung nahm zu, Zuständigkeiten blieben ungeklärt. «Der bisherige Abwart musste der Verpflichtung, der Gewerbeschule zu
dienen, enthoben werden.» Die Stelle wurde neu ausgeschrieben und der Gemeinderat wählte «als Abwart mit Amtsantritt auf Beginn des Wintersemesters: Frau Witwe Witschi». Ihre Anstellung war so bedeutend, dass man ihr im dritten Stockwerk eine Amtswohnung einrichtete. Witwe Witschi war Hüterin des Hauses: Sie heizte, putzte, öffnete und schloss, hielt Ordnung.Akteur:innen
An einer Schule für Gestaltung tragen Menschen je nach Bildungsbereich unterschiedliche Bezeichnungen. Schüler:innen etwa, wenn sie während der obligatorischen Schulzeit Gestaltungskurse im K’Werk BE besuchen, Lernende in der Berufsfachschule und in der Vollzeitausbildung, Teilnehmende in Kursen oder Studierende an der Höheren Fachschule. Auch auf der anderen Seite wechseln die Begriffe: Lehrpersonen, ÜK-Instruktor:innen, Praxisbildner:innen, Kursleitende oder
Dozierende. Dahinter stehen unterschiedliche Formen des Unterrichtens, Begleitens und Zusammenarbeitens sowie die verschiedenen Bildungsbereiche, die an der Schule für Gestaltung zusammenkommen. Doch die Schule besteht nicht nur aus jenen, die lernen oder unterrichten. Sie wird ebenso von den Mitarbeitenden getragen, die oft im Hintergrund wirken: in Sekretariat und Administration, Hausdienst und Reinigung, Technik, IT, Bibliothek, Kommunikation, Ausstellung, Restaurant oder Schulleitung. Dazu kommen Lehrbetriebe, Schulrat, Behörden, Verbände und politische Entscheidungsträger:innen.Aktsaal
![Aktzeichnen in der Gewerbeschule, 1942.
Foto: Eugen Thierstein, Burgerbibliothek Bern
[N Eugen Thierstein 321/102].](https://sfgbb.b-cdn.net/955/2560x0_n_eugen_thierstein_321_102_k.jpg)
Der Aktsaal der SfG BB befindet sich als markanter fünfeckiger Dachaufbau auf dem Brechbühlerbau an der Lorrainestrasse 1 und ist besonders gut bei der Ein- und Ausfahrt in den Bahnhof Bern sichtbar. Trotz seiner Lage im Gebäude der heutigen gibb Berufsfachschule Bern gehört der Raum bis heute zur Schule für Gestaltung. Die gibb bezeichnet ihn auf ihrem Instagram-Kanal gerne als «Hidden Gem».
Alltag
Der Hausdienst schaltet den Alarm aus. Im Ofenraum der Keramikdesign Fachklasse ist es noch warm vom Vortag. Die Glasuren kühlen langsam aus. Es knistert leise, über die frisch gebrannten Arbeiten ziehen sich feine Haarrisse. Sonst ist es still.
Aquarium
![Gewerbeschule Bern, 1949. Foto: Walter Neeser, Burgerbibliothek Bern [N Walter Neeser 536 (36A)].](https://sfgbb.b-cdn.net/975/2560x0_n_walter_neeser_536_36a_cropped-nw.jpg)
Während Jahren umgangssprachlicher Ausdruck für den leicht und transparent wirkenden, langgestreckten Bau von Hans Brechbühler an der Lorrainestrasse 1.
Archiv
Archive bewahren nicht nur, sie stellen Zusammenhänge her. Sie machen Vergangenheit lesbar und geben einer Institution ein Gedächtnis. Meistens ist dieses Gedächtnis lückenhaft.
Aula

In Ateliers wird entworfen, in Werkstätten gebaut, in Klassenzimmern gelernt. In der Aula kommt die Schule zusammen: zum Zuhören, Diskutieren, Feiern. Mit dem Neubau an der Schänzlihalde erhielt die Kunstgewerbeschule 1971 erstmals eine eigene Aula. Der Architekt setzte sie als eigenständigen Baukörper in die Anlage. Ihr keilförmiger Dachaufbau hebt sich deutlich vom übrigen Gebäude ab und macht die Funktion des Raums nach aussen sichtbar. Die Aula ist direkt mit dem Foyer
verbundenund bildete das räumliche Zentrum des Hauses. Auch mit dem Umzug in den Campus Bernapark bleibt der Bedarf nach einem gemeinsamen Ort bestehen. Hier bietet ein grosszügiger Saal mit modernster technischer Ausstattung Raum für Präsentationen, Austausch, Feiern und Tagungen.Ausstellungen

Die ersten Kunstgewerbeschulen entstehen im Umfeld der Industrie- und Gewerbeausstellungen des 19. Jahrhunderts. Diese grossen Leistungsschauen präsentieren nicht nur neue Produkte, Materialien und Herstellungsverfahren, sondern verändern auch den Blick auf Gestaltung selbst: Form, Qualität und Gebrauch werden öffentlich verhandelt, verglichen und bewertet. Gestaltung wird damit zu einer kulturellen und gesellschaftlichen Frage.
Autorités
L’année 1978 marque un tournant décisif : la Suisse se prononce en faveur de la nouvelle loi sur la formation professionnelle, et entreprend une restructuration de son système de formation. Des aspects jadis fortement marqués par les spécificités locales et cantonales sont progressivement harmonisés au niveau national. La Confédération assume davantage de responsabilités, définissant les normes et les diplômes. La formation professionnelle devient ainsi plus contraignante et plus comparable, tout en bénéficiant d’une revalorisation politique.
Avenir
L’avenir ne commence pas à un quelconque moment donné. Cela fait belle lurette qu’il s’est établi dans les salles de classe, les studios et les ateliers.
B
Balade d’automne

Le « Herbstbümel » fait partie intégrante du programme annuel du site de Bienne. En 2025, cette excursion
collectiveproposait un tour en bateau jusqu’à l’île St-Pierre suivi d’une balade à pied jusqu’à Erlach. La randonnée s’est conclue sur un pique-nique avec un tournoi de football où la meilleure équipe et la tenue la plus originale ont été récompensés. Le Herbstbümel permet de réunir des aspects disparates du quotidien en créant dessouvenirscommuns, au-delà des cours et du travail.BAM
Die Berner Ausbildungsmesse BAM ist für viele Jugendliche ein wichtiger Orientierungspunkt auf dem Weg in die Berufswelt. Sie findet jährlich im Spätsommer oder frühen Herbst auf dem Gelände der BERNEXPO im Berner Wankdorf statt. Schulen, Betriebe und Institutionen präsentieren hier ihre Ausbildungsangebote und geben Einblick in verschiedene
Berufsfelder.Banknoten
«Banknoten müssen schön und bunt sein und eine Geschichte erzählen», so lautete das Credo des 2024 verstorbenen Gestalters Roger Pfund. Der Grafiker, der seine Lehre bei Kurt Wirth absolvierte und die Kunstgewerbeschule in Bern besuchte, schuf in seiner späteren Karriere Banknoten für zahlreiche Länder, darunter Argentinien, Malaysia und die Komoren. Für die Banque de France gestaltete er die letzte Serie vor der Einführung des Euro und hob zum ersten Mal das Konterfei einer Frau auf eine französische Banknote – Marie Curie.
Bären Presse Bern

Das erste Buch der Bären Presse Bern entstand Anfang der 1980er-Jahre in Zusammenarbeit zwischen Robert Wampfler, Klaus Röcken und Ernst Schär. Über viele Jahre entstanden in kleinen Auflagen bibliophile Publikationen von hoher handwerklicher Qualität. Dabei stand das Zusammenspiel von Satz, Papier und Illustration im Vordergrund, verstanden als Einheit des Buches. Wampfler, damals Lehrer für Allgemeinbildung an der Schule für Gestaltung Bern, wirkte als Verleger. Röcken, gelernter Buchsetzer und Typograf, verantwortete den Satz, Schär als Druckfachlehrer und Leiter des manuellen Druckateliers den Handpressendruck.
Bärenspiegel

Als der ehemalige Kunstgewerbeschüler Armin Bieber 1923 gemeinsam mit Hans Eggimann die satirische Monatsschrift Bärenspiegel gründete, entstand in Bern weit mehr als ein humoristisches Blatt. Der Titel spielte auf Till Eulenspiegel an, doch der Bärenspiegel wurde rasch zu einer Plattform für Zeichner aus der ganzen Schweiz, darunter viele aus dem Umfeld der kunstgewerblichen Abteilung der Gewerbeschule Bern.
Berner Avantgarde
«An zwei Tagen pro Woche besuchte ich die Kunstgewerbeschule. Dort lernte ich Robert Wälti kennen, der ab 1955 mit Konrad Vetter und Peter Meier die Berner Werkgemeinschaft betrieb. Sie waren alle schwarz gekleidet und trugen Sandalen – die pure Avantgarde! Ich half ihnen bei Wettbewerben. Franz Eggenschwiler kam dazu, er las uns Briefe von Dieter Roth vor. Die Kunstszene traf sich in der Galerie 33 oder bei Christian Megert. Ich war mittendrin.» – So erinnert sich die 2019 verstorbene Berner Grafikerin und Produktdesignerin Susi Berger an ihre Zeit an der Kunstgewerbeschule Bern in den 1950er-Jahren. Ihr Bericht führt in ein dichtes Netzwerk junger Kunstschaffender, deren Wege sich damals an der Schule kreuzten.
Berner Design Preise
Der Berner Design Preis wird seit 2007 alle zwei Jahre von der Berner Design Stiftung vergeben. Er würdigt etablierte Designer:innen, die mit eigenständiger Formensprache, klarer Haltung oder technischer Präzision die Szene prägen, und unterstützt zugleich den Nachwuchs über ein Patenschaftsmodell. Im Folgenden stehen Preisträger:innen im Mittelpunkt, die mit der SfG BB – beziehungsweise der früheren Kunstgewerbeschule – verbunden sind: sei es durch ihre Ausbildung oder ihre
Lehrtätigkeit.Berner Design Stiftung
Hinter dem Berner Design Preis steht die Berner Design Stiftung. Als privatrechtlich gemeinnützige Institution fördert, vermittelt und bewahrt sie Design aus dem Kanton Bern. Seit 1995 erfüllt sie diesen Auftrag im Namen des Kantons; mit der von ihr betreuten Sammlung angewandter Kunst führt sie zugleich eine über 140-jährige Tradition fort.
Berufsbilder

Die Kunstgewerbeschule der Stadt Bern
veröffentlichtein den 1970er-Jahren die Broschüre Berufsbilder. Diese beschrieb die damaligen Berufe der grafischenIndustrieund lag in sämtlichen Berufsberatungszentren des Kantons aus. Ein Blick in die antiquiert anmutende Publikation zeigt anschaulich, wie radikal sich die Branche verändert hat.Berufsbildung
«Die Berufsschulen haben vom Schweizervolk einen ganzen Katalog neuer Aufgaben erhalten, die sie so rasch als möglich wahrnehmen müssen.» Als Direktor Othmar Scheiwiller diesen Satz 1980 in den Jahresbericht der Schule für Gestaltung schreibt, ist das neue Berufsbildungsgesetz erst wenige Wochen in Kraft.
Berufsfachschule
«…dagegen möchten wir unsere Stimme erheben, dass man nun beginnt, solche Gewerbeschulstunden in den Vormittag hinein zu schieben.» Die Kritik aus der Schweizer Buchdrucker-Zeitung von 1909 führt zurück in eine Zeit, in der schulischer Unterricht für Lernende stark umstritten war. Jahrzehntelang habe der Unterricht entweder am Sonntag oder abends um sieben Uhr stattgefunden. Obwohl die Gewerbeschulstunden die praktische Ausbildung im Betrieb durch Unterricht in Zeichnen, Materialkunde oder Fachrechnen ergänzten und damit Wissen vermittelten, das im Arbeitsalltag nicht immer systematisch erworben werden konnte, stiessen sie zunächst auf Skepsis. Es brauchte Zeit, bis die Berufsfachschule zu einem festen und akzeptierten Bestandteil der beruflichen Grundbildung wurde.
Berufskundeunterricht
Im Bericht des Schuljahres 1917/18 bedankte sich der «Vorstand des Typographischen Klubs» in einem eigens verfassten Beitrag für die Unterstützung der Gewerbeschule Bern: Der praktische Kurs «Das Berechnen von Druckarbeiten» habe «auf das entschiedenste bewiesen, dass für eine nutzbringende Berufsbildung in der Hauptsache nur praktische Kurse in Frage kommen können», und man hoffe, «dass auch in Zukunft die grosse Unterstützung der Gewerbeschule Bern unserer Berufskategorie erhalten bleiben möge».
Berufslehre
Bern, 1826: Die neu gegründete Handwerkerschule startet mit 25 Schülern, kurz darauf sind es 45. Doch die Zahl sinkt wieder. Bildung ist zu dieser Zeit keine Selbstverständlichkeit. Sie kostet Geld, und wer bezahlt, entscheidet mit darüber, wer teilnehmen kann. Rückblickend heisst es in der Festschrift der Gewerbeschule von 1926: «… indem später hauptsächlich Gesellen zurückblieben, für die das Schulgeld nicht durch Eltern oder Vormünder entrichtet wurde, sank sie bis zum Schluss des Kurses auf 30.» Erst im 20. Jahrhundert wird die Berufslehre schrittweise zu einer öffentlichen Aufgabe. Mit der nationalen Regelung der Berufsbildung ab den 1930er-Jahren entstehen verbindliche Abschlüsse und klare Zuständigkeiten. Staat und Betriebe tragen gemeinsam die Kosten. Die Berufslehre entwickelt sich zu einem festen Bestandteil des schweizerischen Bildungssystems. In den folgenden Jahrzehnten wird dieses System ausgebaut und gefestigt. Heute ist die Berufslehre der häufigste Bildungsweg in der Schweiz. Rund zwei Drittel der Jugendlichen beginnen nach der obligatorischen Schule eine berufliche Grundbildung. Ihre besondere Stärke liegt in der Durchlässigkeit: Abschlüsse eröffnen weitere Bildungswege – von der Berufsmaturität bis zum Studium. Ein Wechsel bleibt jederzeit möglich. Es gilt: Kein Abschluss ohne Anschluss.
Berufsmaturität
«Die Berufsmittelschule will begabten und zielstrebigen Lehrlingen eine zusätzliche Allgemeinbildung vermitteln, die ihnen einen rascheren Aufstieg ins mittlere Kader ermöglicht oder eine Erleichterung für den zweiten Bildungsweg bedeutet.» So formuliert es der Bericht des Schuljahres 1971/72. Im ersten Durchgang schloss eine Klasse junger Metallhandwerker ab. In einer gründlichen Selektion wurden 37 Lernende aufgenommen, 29 hielten durch und konnten nach drei anspruchsvollen Jahren am 17. März 1972 ihre Abschlusszeugnisse entgegennehmen. Im selben Frühjahr wurde die Berufsmittelschule, BMS, auch für die gestalterischen Berufe geöffnet. Die Einführung der BMS war Teil der damaligen Bestrebungen, die Berufslehre zu stärken und leistungsfähigen Lernenden neue Wege zu eröffnen. 1968 beschloss das Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit, entsprechende Angebote aufzubauen. Bern gehörte zu den ersten Standorten, die dafür eine provisorische Bewilligung erhielten.
Bibliothek für Gestaltung
Ein Bibliotheksumzug ist eine komplexe Angelegenheit. Natürlich lassen sich Bücher in Kisten packen und von A nach B bringen. Schwieriger wird es, wenn gleichzeitig rund hundert Laufmeter Bücher vom Freihandbereich ins Magazin verschoben werden müssen. Das Berechnen, Aussortieren, Umsignieren und die korrekte Abbildung der neuen Ordnung im Online-Katalog ist aufwändig. Erst wenn jedes Buch am neuen Ort wieder gefunden werden kann, ist der Umzug
wirklichabgeschlossen.Bilderbuchkarriere

1992 erscheint Der Regenbogenfisch des Berner Illustrators Marcus Pfister, Grafiker und Absolvent der Schule für Gestaltung Bern. Das Bilderbuch startet mit einer Auflage von 30’000 Exemplaren und entwickelt sich zu einem internationalen Exportschlager des Schweizer Kinderbuchs. Der Erfolg liegt nicht nur an der schillernden Heissfolien-Prägetechnik, die die Schuppen zum Glänzen bringt, sondern auch an der Botschaft, dass Teilen Freude bereitet und wahre Freude nicht aus äusserer Schönheit entsteht. Über 30 Millionen Exemplare werden verkauft, das Buch wird in mehr als 50 Sprachen übersetzt. 2016 trägt Michelle Obama die Geschichte bei einer Veranstaltung im Weissen Haus vor. Inzwischen ist das Buch in den USA in politische Debatten geraten: Im Bundesstaat Florida wurde Der Regenbogenfisch aus Schulbibliotheken entfernt. Kritiker aus republikanischen Kreisen sehen in der Botschaft des Teilens laut New York Times ein Beispiel für «kommunistisches» Gedankengut.
Bildungsangebote
Eine Berufslehre? Die Vorbereitung auf ein Studium an einer Hochschule? Ein berufsbegleitendes Studium an der Höheren Fachschule (HF)? Ein öffentlicher Kurs oder ein erstes gestalterisches Angebot für Kinder und Jugendliche?
Bildungspolitik
Im Herbst 1939 wird die
KeramischeFachschule in Bern geschlossen. Zwei mögliche Nachfolger des bisherigen Leiters können sich nicht auf eine gemeinsame Ausrichtung einigen, zugleich fehlen Mittel für die technische Modernisierung. Die Unterrichtsräume werden gekündigt, die verbleibenden Schüler in Lehrbetrieben untergebracht. Doch die Entscheidung bleibt nicht unwidersprochen. Berufsverbände protestieren – und auch der Vorsteher des bernischen Lehrlingsamts, Erwin Jeangros, setzt sich für den Erhalt der Schule ein. Mit Erfolg: Bereits 1941 wird die Schule wieder eröffnet. Mit Benno Geiger und Werner Burri gewinnt sie zwei Lehrerpersönlichkeiten, die Impulse aus der Wiener Kunstgewerbeschule und der Bauhaustöpferei nach Bern bringen.Bologna-Reform
Mit der Bologna-Reform wurde ab 1999 das europäische Hochschulsystem neu organisiert. Studiengänge wurden in Bachelor- und Masterstufen gegliedert, Studienleistungen über ein gemeinsames Punktesystem vergleichbar gemacht und die Mobilität von Studierenden erleichtert. Auch die Schweiz übernahm diese
Strukturund integrierte ihre Hochschulen in den europäischen Hochschulraum.Bombenalarm
Mit einem lauten Knall endete am Abend des 2. Dezember 2015 der Einsatz der Berner Polizei beim Bahnhofaufgang Neuengasse. Einer Passantin war ein verdächtiger Gegenstand aufgefallen; sie alarmierte die Polizei. Kurz darauf sperrten rot-weisse Bänder den Bereich ab, bewaffnete Polizisten sicherten die Umgebung, der Feierabendverkehr rund um den Bahnhof kam zum Stillstand.
Branchen- und Berufsverbände
«Wie kann die Schulpflicht erfüllt werden, wenn sich das
EinzugsgebieteinerBerufsschule mit verschiedenen regionalen oder kantonalen oder gar schweizerischen Verbandsgebieten deckt?»DieseFrage war eine von vielen, die die Schulleitung im Bericht über das Schuljahr 1963/64 in einem Katalog praktischer Probleme zusammenfasste, die aus dem revidierten Bundesgesetz über die Berufsbildung entstanden. Ausbildung musste nun stärker zwischen Schule,Betriebenund Berufsorganisationen abgestimmt werden. Mit spürbarem Bewusstsein für die Tragweite dieser Veränderung hielt die Schulleitung fest: «Damit treten in Zukunft drei Partner auf, die für das gute Gelingen eines Lehrverhältnisses sich unbedingt verständigen müssen.»Briefmarken

1956 wurde Hans-Rudolf Schwarzenbach mit der Weltmeisterschaftsmedaille für die schönste Sportbriefmarke des Jahres ausgezeichnet. Der Zeichner, Lithograf und Grafiker unterrichtete von 1940 bis 1976 an der Kunstgewerbeschule und gestaltete über hundert Postwertzeichen. Solange Moser, ebenfalls Grafikerin und Lehrerin an der Schule, entwarf ab den 1970er-Jahren mehrere Briefmarkenserien für die PTT, darunter eine Reihe zu Schweizer Volksbräuchen. Bereits in den 1930er-Jahren gestaltete der Grafiker Eugen Jordi erste Pro-Juventute- und Landschaftsbriefmarken für die PTT und prägte damit die frühe Entwicklung der Schweizer Postwertzeichen. Immer wieder entstanden im Umfeld der Schule für Gestaltung Bern Briefmarken, vereinzelt gingen Wettbewerbe für neue Postwertzeichen sogar an Lernende.
Brienzer Zimmer

«Brienzer Schnitzlerschule. Täfelung samt Decke im Kommissionszimmer Nr. VII im Hoch-Parterre. Das Ornamentale nach Entwürfen des Direktors Kienholz und Lehrer Huggler.» So steht es im Prachtband Das neue schweizerische Bundeshaus in Bern, der 1902 zur «Vollendung und Einweihung» des Parlamentsgebäudes erschien. Das «Brienzer Zimmer» ist Teil der ehrgeizigen Gesamtausstattung, die der Architekt Hans Wilhelm Auer bis ins Detail plante und bei der er Materialien, Künstler und Handwerker aus allen Landesteilen berücksichtigte. Wände und Decke sind mit Holzreliefs der Schnitzlerschule von Brienz verziert, deren Kunstfertigkeit seit Anfang des 19. Jahrhunderts weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Ganz im Sinne des architektonischen Historismus von Auer: Der erwähnte Direktor Hans Kielholz hatte in Florenz die Holzkunst der Renaissance studiert und als «zeitgemässe» Formensprache in den Unterricht der Schnätzi eingeführt.
«Ich erinnere mich an Fussballspiele in den
Gängen; Radiomusik als omnipräsentes Hintergrundgeräusch von Gestaltung; familiäre Sommerfahrten ins Tessin; Schulzimmer als variable Ausstellungsdisplays, die immer wieder neu bespielt wurden; eigenwillige Gestaltungsprojekte, die wider jede Vernunft ins Leben fanden […]»
C
Campus Bernapark

Als die SfG BB ihr Gebäude an der
Schänzlihaldeverlassen muss, hält sich die Begeisterung für einen Umzug nach Deisswil zunächst in Grenzen. Zu stark ist die Bindung an den Standort in der Lorraine, zu unbekannt das ehemalige Fabrikareal im Worblental. «Ich glaube, es braucht schon sehr gute Argumente, um einen Standort wie die Berner Lorraine zu verlassen», sagt Direktor Roger Spindler rückblickend.
«Es braucht sehr gute Argumente und auch den nötigen Druck. Ich glaube, wir hatten beides.»Comfort #13

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der SfG BB als selbstständige Institution installierte das Künstlerpaar Lang/Baumann 2021 auf dem Gebäude an der Schänzlihalde 31 die aufblasbare, temporäre Kunststoffskulptur Comfort #13, eine raffinierte, weit sichtbare Eckpolsterung. Sie markierte die städtebaulich wichtige Positionierung des Gebäudes und damit die Bedeutung der Institution. Augenzwinkernd hiess das auch: Hier sind Ecken und
Kanten.
D
Didactique

L’enseignement n’a jamais été tout simplement de l’enseignement. De tout temps, il a également été le reflet de son époque : de ses métiers, de ses outils et de ses idées sur ce dont les jeunes doivent être capables. Ce qui change, ce sont les contenus, les méthodes et les moyens. Ce qui reste, c’est la question de savoir comment organiser des méthodes d’enseignement efficaces.
Distance Learning
Freitag, 13. März 2020: Die Lage spitzt sich stündlich zu. Im Tessin sind die Schulen bereits geschlossen, in Bern
kursierenerste vertrauliche Hinweise darauf, dass der Bundesrat noch am selben Tag weitreichende Massnahmen bekannt geben wird. Hinter den Kulissen beginnen die Vorbereitungen.Doppelkelch

1972 wird die von der Stadt Bern erworbene Eisenplastik Doppelkelch von Jimmy Schneider bei der Kunstgewerbeschule Bern aufgestellt. Schneider absolvierte hier nach seiner Schlosserlehre von 1950 bis 1952 seine Ausbildung bei Gottfried Keller (Plastik) und Eugen Jordi (Entwerfen). Seit seiner Jugend mit Bernhard Luginbühl befreundet, war er zunächst als Maler tätig und schuf ab 1960
Eisenplastiken.«An der Schule lernte ich den Umgang mit Material sowohl auf technischer als auch auf philosophischer Ebene – ein Verständnis für meinen Kopf, meine Hände und mein Herz.»
E
École d’arts industriels

En Suisse, les écoles d’arts appliqués font leur apparition à la fin du XIXe siècle, à une époque de profonds bouleversements. Industrialisation, liberté du commerce et de l’industrie, expositions universelles et concurrence internationale transforment les conditions de production de manière fondamentale. Désormais, les produits artisanaux et industriels ne satisfont plus seulement à des critères techniques, mais doivent aussi convaincre par leur forme. Les grandes expositions universelles de la deuxième moitié du siècle
démontrentque, d’un point de vue formel, la Suisse n’est pas toujours à la pointe du progrès en comparaison internationale. Après l’exposition universelle de Vienne en 1873, la qualité des produits suisses devient un thème clé et les appels en faveur de meilleurs établissements de formation se font plus pressants. La réaction à ces revendications n’est ni centralisée, ni unifiée. Certes, la Suisse s’oriente sur des modèles étrangers – Londres, Vienne, Berlin, Nuremberg ou Stuttgart – où les musées, collections d’échantillons et de modèles, salles de dessin et écoles sont stratégiquement reliés afin d’encourager les arts appliqués. Mais comme bien souvent en Suisse, cette forme d’imitation conduit à un enchevêtrement de solutions locales.École professionnelle
« … nous tenons à dénoncer le fait que l’on commence désormais à faire déborder ces cours professionnels sur la matinée. » Cette critique, tirée de la revue Schweizer Buchdrucker-Zeitung de 1909, nous ramène à une époque où l’enseignement scolaire destiné aux apprentis était un thème hautement controversé. Durant de nombreuses décennies, les cours avaient lieu soit le dimanche, soit le soir à sept heures. Les cours de l’école professionnelle complétaient la formation pratique en entreprise par des notions de dessin, de connaissance des matériaux ou de calcul spécialisé. Ils transmettaient ainsi des compétences qui ne pouvaient pas toujours être acquises de manière systématique dans le quotidien professionnel. Malgré cela, ils se heurtèrent dans un premier temps au scepticisme. Il fallut du temps pour que l’école professionnelle soit pleinement intégrée à la formation initiale, et acceptée en tant que telle.
En garde!
Anfang 2001 will die Stadt Bern ihr Erscheinungsbild modernisieren. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben, Daniel Dreier und Urs Grünig gewinnen. Ihr Vorschlag ist kein behutsames Redesign, sondern ein klarer Schnitt: Statt des Stadtwappens auf Briefpapier und Drucksachen schlagen sie ein typografisches Zeichen vor – ein rotes «B», darüber ein schwarzes «E», das sich auch als Krone lesen lässt. Ein präziser, reduzierter Entwurf und, für eine Stadtverwaltung, ein erstaunlich mutiger Wurf.
F
Fachklasse Freie Kunst
Im Frühling 1987 eröffnete die Schule für Gestaltung Bern die Fachklasse Freie Kunst – ein neues Ausbildungsangebot für angehende Kunstschaffende und zugleich ein Pilotprojekt. Die zweijährige Vollzeitausbildung setzte bewusst auf Offenheit: Statt eines starren Lehrplans standen individuelle Entwicklungen, Atelierarbeit, Workshops und gemeinsame Auseinandersetzungen im Zentrum. Erste Dozenten waren die beiden Künstler Ueli Berger und Dieter Seibt sowie der Kunstkritiker Peter Killer. Das Selbstverständnis der Klasse formulierte sich programmatisch: Der Weg sollte im Gehen entstehen.
Fachklassen
In den Fachklassen vereint die Schule alle drei Lernorte der beruflichen Grundbildung: Sie übernimmt die Rolle des Lehrbetriebs, vermittelt den Unterricht der Berufsfachschule und führt auch die
überbetrieblichenKurse (üK) durch. Während vier Jahren lernen die Lernenden an der SfG BB und schliessen mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) ab; die Grafik Fachklasse zusätzlich mit der Berufsmaturität Gestaltung und Kunst.Fachmaturität Gestaltung
Die schweizerische Maturität kann auf unterschiedlichen Bildungswegen erlangt werden: über das Gymnasium mit gymnasialer Maturität, über die Berufsmaturität ergänzend zu einer Berufslehre oder über eine Fachmittelschule mit anschliessender Fachmaturität – etwa in den Bereichen Gestaltung, Pädagogik, Gesundheit oder Soziale Arbeit. Das schweizerische Bildungssystem ist dabei bewusst durchlässig angelegt und ermöglicht Übergänge zwischen beruflicher und allgemeinbildender Ausbildung.
Felsenburg

Hinter der Felsenburg, so berichtet der Historiker Hugo Haas 1945 in der Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, liege «eine kleine Welt für sich». In dem engen Hof werde gearbeitet «wie im Mittelalter unter freiem Himmel».
Fensterflügel-Performance
Im Juni 2024 verwandelte sich das Schulhaus an der Schänzlihalde für eine Viertelstunde in eine performative Maschine. Lernende, Lehrpersonen und Mitarbeitende verabschiedeten sich mit einer ungewöhnlichen Geste von einem Zuhause, das die Schule über Jahrzehnte geprägt hatte. Für diesen Abschied entwickelte Gabrièle Gisi aus dem Ausstellungsteam eine Fensterflügel-Performance, bei der 144 Karussellfenster im Takt des Soundtracks von Milan Slick bewegt wurden. Eine Drohne und zwei Kameras hielten die Aktion fest.
Film
Die Filmausbildung an der Schule für Gestaltung Bern blickt auf eine über
40-jährigeGeschichte zurück. Bereits 1982, in einer Zeit, in der es kaum vergleichbare Bildungsangebote gab, wurde unter dem Titel «Wahlfachklasse Filme machen» der erste Lehrgang ins Leben gerufen. Initiiert wurde er von der Filmemacherin und Editorin Sylvia Horisberger.Form
«Die Schweizer Töpfer besitzen nur beschränkte Weiterbildungsmöglichkeiten. Es existieren keine Meisterschulen, die eine éducation permanente gewährleisten. Dank gebührt der Kunstgewerbeschule Bern für die Initiative ihrer Keramiklehrer [Volker] Ellwanger und [Ernst] Fehr, die sich zum Ziele setzten, ausgebildeten Töpfern die Möglichkeit zu bieten, sich in der Technologie und im Künstlerischen weiter zu vervollkommnen. Die nur noch bis zum 28. Juni geöffnete kleine Ausstellung bietet Gelegenheit zur Überprüfung der Resultate eines zweiwöchigen Meisterkurses von 1979, der als Inhalt die ‹Form› als wichtigstes Grundelement der Keramik vermittelte. Leider wird das Drehen einer gültigen Form als Untergrund für die Glasur (die in den letzten Jahren geradezu euphorisch hochgezüchtet wurde) vernachlässigt, so dass der Betrachter moderner Keramik oft das Unbehagen eines krassen Stilbruches befällt. Die gezeigten Objekte an der Schänzlihalde bezeugen, dass die zehn Töpfer, die sich mit dem Thema ‹Doppelbauchvase›, das heisst mit dem Sichdurchdringen zweier runder Formen befassten, ihre Technik in den beiden Wochen an der Kunstgewerbeschule dermassen perfektionierten, dass sämtliche Werke, die ihre Individualität keineswegs verleugnen, als ‹ausgezeichnet› eingestuft werden können.»
Formation professionnelle
Berne, 1826 : l’école des métiers nouvellement créée ouvre ses portes avec 25 élèves. Peu après, ils sont déjà au nombre de 45. Toutefois, ce chiffre diminue à nouveau : à cette époque, la formation n’est pas une évidence. Il s’agit d’un parcours onéreux, et ceux qui sont à même de le financer décident également qui peut en bénéficier. L’album commémoratif de l’école des métiers de 1926 comporte ainsi la phrase suivante : « … étant donné que ce sont principalement des apprentis dont les frais de scolarité n’étaient pas couverts par leurs parents ou tuteurs qui sont restés, ce chiffre est tombé à 30 au terme du cours. »
Freie Kunst als Berufsausbildung
Während vieler Jahre führte der Weg zur freien Kunst meist über eine Grafik- oder Lithografenlehre. Da gehörte von 1946 bis 1961 das Lithografieren, Entwerfen und Schriftzeichnen beim Typografen und Künstler Eugen Jordi, einem überzeugten Sozialisten, zum Ausbildungsprogramm. Zu Jordis Schülern gehörten unter anderen Jürgen Brodwolf, Daniel de Quervain, Dieter Roth, Jimmi Schneider und Marcel Wyss. Während Jahren einflussreich auf dem Weg zur freien Kunst war ab 1939 auch Hans Rudolf Schwarzenbach, der an der kunstgewerblichen Abteilung Malerei und Zeichnen unterrichtete. Bei ihm lernte als externer Schüler beispielsweise Franz Gertsch die altmeisterlichen Maltechniken. Gertsch besuchte von 1949 bis 1952 zusätzlich auch andere Kurse, die er allerdings meist schwänzte.
Fresken

Mit dem 1939 fertiggestellten
Gewerbeschulbaudes ArchitektenHansBrechbühler, der ihn «Kristall» nannte, erhielt auch die Kunst einen festen Platz im Haus. Im Bericht des Schuljahres 1941/42 heisst es: «In den Treppenhäusern haben Frau Marguerite Frey-Surbek und HerrAlbertNeuenschwanderihre Entwürfe, die seinerzeit in einem Wettbewerb in den ersten Rang gestellt worden waren, als Freskobilder ausgeführt.»Fusion
«Wir bauen eine neue Schule.» Mit diesem programmatischen Satz beginnt der Jahresbericht 1998/99. Auslöser ist ein Auftrag der Erziehungsdirektion des Kantons Bern: Die Schulen für Gestaltung in Bern und Biel sollen zu einer gemeinsamen kantonalen Institution zusammengeführt werden. Der Zusammenschluss soll bereits auf den 1. Januar 2000 vollzogen werden.
«Ich bin dabei gewesen, als wir die 40-Stunden-Woche erreicht haben.»
G
General Motors

Le site qui voit aujourd’hui la création d’identités visuelles, de médias numériques et de concepts de communication hébergeait jadis des chaînes de montage automobile. En 2009, le département de design de l’École d’Arts Visuels Berne et Bienne a pris ses quartiers dans l’ancienne usine d’assemblage General Motors dans la Salzhausstrasse. Entre 1936 et 1975, on y assemblait des véhicules des marques Buick, Chevrolet, Opel et Vauxhall. Le hall d’usine raconte ainsi un chapitre clé de l’histoire industrielle biennoise.
Gesamtsanierung

Wie lässt sich ein Gebäude erneuern und zugleich sein Charakter bewahren? Genau diese Frage steht im Zentrum der Gesamtsanierung der Schänzlihalde 31.
Als die SfG BB im Sommer 2024 in den Campus Bernapark umzog, begann die umfassendste Erneuerung des Gebäudes seit jener Umbau- und Erweiterungsphase, in der der Architekt Willy Pfister sein 1971 eröffnetes Schulhaus zwischen 1988 und 1991 an neue Anforderungen anpasste.Geschichte
Die Geschichte der Schule beginnt im Jahr 1826 mit einer Initiative des aus Zäziwil stammenden Ebenisten Gabriel Samuel Ebersold. An der Speichergasse in Bern führte er sein Möbel- und Fourniturengeschäft und erteilte dort sonntags Zeichenunterricht für interessierte Handwerkerburschen. Daneben engagierte sich der umtriebige Kunstschreiner auch gewerbepolitisch. Auf seine Anregung hin entstand der Handwerker- und Gewerbeverein des Amtsbezirks Bern; Ebersold vertrat den Wahlkreis Obere Stadt im Grossen Rat.
Getrennte Bildungswege
Bis heute werden die SfG BB und die Hochschule der Künste Bern regelmässig miteinander verwechselt. Das überrascht nicht. Beide sind Ausbildungsorte für Gestaltung, die HKB darüber hinaus auch für die Künste. Heute verfolgen die beiden Institutionen jedoch unterschiedliche
Bildungsaufträge. Dass diese Aufgaben klar getrennt sind, ist eine vergleichsweise junge Entwicklung.Gewerbemuseum

Als 1890 aus der Muster- und Modellsammlung das Kantonale Gewerbemuseum Bern entsteht, erhält der Kanton eine Institution, die weit mehr sein will als ein Museum. Sammlungen, Bibliothek, Ausstellungen und Bildungsangebote sollen Gewerbe, Industrie und Gestaltung fördern und den Austausch zwischen Ausbildung und Praxis stärken. Zwischen 1890 und 1920 erlebt das Gewerbemuseum eine Blütezeit. Studien- und Anschaffungsreisen führen nach Paris und in andere europäische Zentren. Jugendstil und Arts and Crafts-Bewegung hinterlassen ebenso Spuren wie zahlreiche Ankäufe, insbesondere im Bereich der Keramik. Die Bibliothek wird mit jener der Handwerkerschule vereinigt und durch eine innovative «Mappenzirkulation» ergänzt: Aktuelle Fachzeitschriften zu Architektur, Kunstgewerbe sowie technischen und industriellen Themen zirkulieren im ganzen Kanton.
gibb Berufsfachschule
Die gibb Berufsfachschule Bern ist die Nachfolgerin der ehemaligen Gewerbeschule, zu der bis zum Umzug der Kunstgewerbeschule an die Schänzlihalde im Jahr 1971 auch die kunstgewerblichen und grafischen Abteilungen gehörten. Mit der Gründung der eigenständigen Kunstgewerbeschule trennten sich die Wege der beiden Institutionen.
Grand Prix Grafik

Le Grand Prix Grafik compte parmi les temps forts de la classe spécialisée de graphisme. En tant que projet interne de fin d’études, il offre aux apprenti·e·s un espace de liberté leur permettant de développer un travail créatif de manière autonome durant une période de trois mois environ. Ceci permet de poursuivre le
processuscréatif du début à la fin, de l’idée initiale à la mise en œuvre et à la présentation, en passant par la recherche et le concept.
H
Handwerk

Mit den Händen arbeiten, das war es, was Melanie Burkhard zu einer dritten Ausbildung bewog. Nach einem abgebrochenen Geschichtsstudium und einem Bachelor in Schmuckdesign fehlte ihr etwas Entscheidendes: die handwerklichen Grundlagen, um eigene Entwürfe umzusetzen. Mit 33 Jahren begann sie in Bern eine Lehre als Goldschmiedin und schloss diese 2024 erfolgreich ab. Für ihr aufwändig gestaltetes Chärnstück gewann sie im selben Jahr die Schweizer Goldschmiede-Meisterschaft in der Kategorie Design.
Histoire
L’histoire de l’école débute en 1826 avec une initiative de Gabriel Samuel Ebersold, ébéniste originaire de Zäziwil.
Ledimanche, dans son magasin de meubles et de fournitures de la Speichergasse, il proposait des cours de dessin à l’attention de jeunes ouvriers intéressés. Parallèlement à cette activité, cet ébéniste d’art entreprenant s’engageait dans la politique commerciale. Ebersold fut ainsi l’initiateur de l’Association des artisans et commerçants du district de Berne ; en outre, il représentait la circonscription de la Ville supérieure au Grand Conseil.Höhere Berufsbildung
Die Höhere Berufsbildung baut auf
einerberuflichen Grundbildung und Berufserfahrung auf. Sie ermöglicht Berufsleuten, sich zu spezialisieren, Führungsverantwortung zu übernehmen oder sich für neue Aufgaben zu qualifizieren, berufsbegleitend und mit einem eidgenössisch anerkannten Abschluss.Holzofen 2.0
Im Garten der Keramikerin Vreni Meier und des Keramikers Andreas Ryser in Worben steht seit den frühen 1990er-Jahren ein holzbefeuerter Keramikbrennofen. Geplant wurde er 1980 von Ernst Fehr,
gebautab 1991 gemeinsam mit Fachlehrpersonen und Lernenden der Keramikdesign Fachklasse Bern. Die Schule für Gestaltung finanzierte Bau und Material, Andreas Ryser stellte das Land zur Verfügung. 1992 wurde der Ofen fertiggestellt.Hybride Publikation

Das Jubiläumsprojekt der SfG BB erscheint nicht nur als gedrucktes Buch. Die Inhalte werden von Anfang an so aufgebaut, dass sie gleichzeitig als Publikation, Website und digitales Archiv funktionieren. Texte, Bilder und Verweise werden einmal erfasst und können danach in unterschiedlichen Formen weiterverwendet werden: als Buch, Website, digitales Archiv oder spätere thematische Zusammenstellungen. Das gedruckte Buch bleibt dabei nicht Endpunkt, sondern Teil eines grösseren Publikationssystems.
Hyperrealismus

Präzises Beobachten, exaktes Zeichnen und die konzentrierte Auseinandersetzung mit Wirklichkeit prägten den Unterricht an der Kunstgewerbeschule Bern über Jahrzehnte. Eine zentrale Figur war Hans Schwarzenbach. Der Grafiker Stephan Bundi erinnerte sich in der Gesprächsreihe BB:50, bei ihm das genaue Hinsehen gelernt zu haben. Schwarzenbach sei streng gewesen, zugleich aber «eine grossartige Persönlichkeit».
I
IAD Lab

Seit 2015 findet am Standort Bern der SfG BB das Interaction Design Lab statt. Das Format bringt HF-
Studierende, Dozierende und Praktiker:innen aus Gestaltung und Technologie zusammen. Im Zentrum stehen Vorträge, Workshops und Gespräche, die aktuelle Entwicklungen im Interaction Design nicht nur präsentieren, sondern gemeinsam einordnen unddiskutieren.Inauguration
En 1887, l’École de dessin artistique et industriel ouvre ses portes à Bienne. Ses initiateurs ne sont pas des artistes, mais des représentants de l’industrie horlogère. Graveurs, guillocheurs et fabricants de montres réclament la création d’une école de dessin auprès de la ville afin de doter la conception des montres d’une formation professionnelle plus poussée. Dans leur requête, ils déclarent que la décoration exerce une « influence considérable sur la vente d’une montre », raison pour laquelle elle mérite un encouragement ciblé.
Infotag

Der Infotag der SfG BB findet jährlich statt und öffnet die Türen zu beiden Standorten. Ateliers, Werkstätten und Unterrichtsräume in Bern und Biel werden zu Orten der Begegnung: Es kann hineingeschaut, ausprobiert, zugehört und nachgefragt werden. In einer offenen und niederschwelligen Atmosphäre kommen Besucher:innen mit Lernenden, Lehrpersonen und Mitarbeitenden ins Gespräch und entdecken die Vielfalt gestalterischer Berufe und Ausbildungswege. Der Infotag macht sichtbar, was an der SfG BB gelernt, gestaltet und entwickelt wird – und gibt Einblick in die beruflichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.
«[...] stach mir beim ‹Du Nord› plötzlich völlig
realdie Kunstgewerbeschule ins Auge. Dieser braune Luftbefeuchter riss mich brüsk aus meinem Tagtraum ins Jetzt zurück.»
J
Jahrgänge
Die Idee einer Technikerschule für die Druckindustrie entstand in der grafischen Branche aus dem Bedarf nach weiterführender Ausbildung für erfahrene Berufsleute. 1962 wurde diese Forderung öffentlich formuliert. In einem Beitrag in der Schweizer Buchdrucker-Zeitung (SBZ) hiess es: «Es muss ja nicht gerade eine Universität des graphischen Gewerbes sein, was wir benötigen. Aber in irgendeiner Form ist eine Schule zur systematischen und umfassenden Ausbildung der kommenden Träger der Unternehmensverantwortung auch in der Schweiz je länger desto dringender.» Den ersten Schritt bildete eine Meisterschule für erfahrene Berufsleute; daraus entwickelte sich später die Technikerschule für die Druckindustrie.
Jubiläumsausstellung

Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde wurden 1971 die bis dahin an der Gewerbeschule geführten gestalterischen Abteilungen in der neu gegründeten Kunstgewerbeschule – der heutigen SfG BB – zusammengeführt. 50
Jahrespäternahm die JubiläumsausstellungdiesesEreignis zum Anlass, auf die Geschichte der Schule und ihrgestalterischesErbe zurückzublicken.
K
K’Werk BE
Mit dem K’Werk BE schuf die SfG BB 2015 ein Förderangebot für Kinder und Jugendliche mit besonderem Interesse an Kunst und Gestaltung. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass es im Kanton Bern – anders als in den Bereichen Sport oder Musik – kaum ausserschulische Möglichkeiten zur gestalterischen Förderung gab. Inspiriert von Bildungsmodellen aus dem skandinavischen Raum, wo die ausserschulische Förderung im Bereich Kunst und Gestaltung schon länger verankert ist, entstand ein Ort für junge Menschen, die ihre gestalterischen Interessen vertiefen möchten.
Kaderschmiede
Das Atelier Hablützel & Jaquet gehörte in den 1970er-Jahren zu den renommiertesten Grafik- und Werbeateliers der Schweiz. Neben Christian Jaquet und Alfred Hablützel war auch Margret
Rufenermassgeblich an seinem Aufbau beteiligt. Rufener sowie Jaquet – dieser ab 1973 – unterrichteten jahrelang an der Fachklasse Grafik der Kunstgewerbeschule, der späteren Schule für Gestaltung Bern. Zahlreiche Absolvent:innen fanden im Atelier ihre erste Anstellung. So wurde Hablützel & Jaquet zu einer eigentlichen «Kaderschmiede» der Berner Grafikszene und verkörperte beispielhaft die enge Verbindung zwischen Ausbildung und professioneller Designpraxis.Kartonfabrik Deisswil

Über 130 Jahre lang war die Kartonfabrik Deisswil einer der wichtigsten Arbeitgeber im Worblental. Gegründet wurde sie 1876 auf dem Gelände einer ehemaligen Färberei und Halbleinen-Walke. Dank innovativer Produktionstechniken und dem weichen Wasser der Worble entwickelte sich die Fabrik rasch zu einem bedeutenden Hersteller von Karton und belieferte Kundschaft in der ganzen Schweiz. Mit ihrem Wachstum prägte die Fabrik nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern auch die Entwicklung der umliegenden Gemeinden. Die Zahl der Beschäftigten stieg von rund 70 Personen im Jahr 1915 auf über 600 in den 1960er-Jahren. Für die Arbeiterschaft entstanden Wohnungen, Siedlungen und öffentliche Infrastrukturen. Das 1918 errichtete, 260 Meter lange Fabrikgebäude wurde zum Wahrzeichen des Standorts und zeugt bis heute von der industriellen Bedeutung des Unternehmens. Die Kartonproduktion war eng mit der Worble verbunden. Für die Herstellung wurden grosse Mengen Wasser benötigt, was über Jahrzehnte auch die Landschaft und den Wasserhaushalt der Umgebung beeinflusste. Die Fabrik bestimmte damit nicht nur das Leben vieler Menschen, sondern prägte das Worblental in wirtschaftlicher, sozialer und räumlicher Hinsicht.
Keramisches Handwerk
«Wir wollten Pflanzen sein, deren Wurzeln im alten heimatlichen Boden stecken, deren Blüten aber neue Formen und Farben treiben.» Mit diesen Worten beschreibt der Keramiker und Lehrer Benno Geiger in den
1950er-Jahrenrückblickend das Selbstverständnis der keramischen Ausbildung in Bern. Die Wurzeln dieser Ausbildung liegen im regionalen Handwerk. Seit dem 18. und 19. Jahrhundert entstehen im Kanton Bern bedeutende Produktionszentren in Heimberg, Steffisburg oder Langnau. Hafnereien fertigen Teller, Krüge und Majolika – farbig glasierte Keramiken mit dekorativer Bemalung, die weit verbreitet sind und mit dem Aufkommen des Alpentourismus auch als Souvenirs zirkulieren.Kiwanis Förderpreis

Für junge Gestalter:innen, die mit Keramik, Holz, Metall, Textil oder anderen Materialien arbeiten, gibt es nur wenige Auszeichnungen. Genau diese Lücke schliesst der Kiwanis Förderpreis, den der Kiwanis-Club Bern-Aare seit 1991 alle zwei Jahre vergibt. Angestossen wurde er vom Innenarchitekten Christian Anliker und vom Goldschmied Othmar Zschaler; seither wird er vom ganzen Club getragen und mit einer Preissumme von 10’000
Frankenermöglicht.Kopenhagen-Prozess
Der Kopenhagen-Prozess ist eine europäische Initiative zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Er wurde 2002 gestartet und verfolgt das Ziel, Berufsabschlüsse in Europa besser vergleichbar zu machen, die Qualität der Ausbildung zu sichern und die Mobilität von Lernenden und Fachkräften zu erleichtern. Dazu wurden Instrumente wie europäische Qualifikationsrahmen und Systeme zur Anerkennung von Lernleistungen entwickelt. Auch die Schweiz beteiligt sich an dieser Zusammenarbeit. Während der Bologna-Prozess die Hochschulen betrifft, richtet sich der Kopenhagen-Prozess an die Berufsbildung und stärkt deren internationale
Anschlussfähigkeit.Kornhaus
![Kornhaus mit Gewerbemuseum Bern und Stadttheater, Ansichtskarte, um 1905. Foto: Burgerbibliothek Bern [Sammlung Hans-Ulrich Suter 1394].](https://sfgbb.b-cdn.net/3016/2560x0_sammlung_suter_1394.jpg)
Kaum ein Gebäude ist mit der Geschichte der SfG BB so eng verbunden wie das Berner Kornhaus. Der zwischen 1711 und 1718 errichtete Kornspeicher diente ursprünglich der Lagerung von Getreide und Wein. Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das Gebäude eine völlig neue Bestimmung: Nach einem umfassenden Umbau wurde das Kornhaus ab 1896 zum Sitz des Kantonalen Gewerbemuseums, das aus der bereits 1869 im Kornhaus eingerichteten Muster- und Modellsammlung hervorgegangen war. Hinzu kamen eine Fachbibliothek sowie Ausstellungs- und Unterrichtsräume. Das Kornhaus wurde damit zu einem Zentrum der bernischen Gewerbe- und Gestaltungskultur.
Kristall
Mit dem Codewort «Kristall» bezeichnete der damals erst 28-jährige Architekt Hans Brechbühler 1935 selbstbewusst seine siegreiche Eingabe für den Wettbewerb der Gewerbeschule. Kristall steht für klar und transparent und für die architektonisch grosse Bedeutung, die das Glas bei Brechbühlers Entwurf hat. Schliesslich schreibt sich der Kristall ein in eine Strömung der Moderne, die als Glas-Stahlkonstruktion bis zu Joseph Paxtons Crystal Palace in London (1851) zurückgeht und auf Architekten wie Bruno Taut,
LudwigMies van der Rohe oder LeCorbusierverweist.Kuckucksei

«An der Kunstgewerbeschule Bern ist der bekannte POCH-Politiker Schneider als Lehrer gewählt worden. Als Vater eines Lehrlings erfüllt mich diese Tatsache mit grosser Sorge, wenn ich mir überlege, dass unsere Jungen möglicherweise dem Einfluss einer politischen Richtung unterstehen könnten, von der man weiss, dass sie die Umgestaltung unseres Gesellschafts- und Staatssystems zum Ziele hat. Hat wohl niemand bei den für diese Wahl Verantwortlichen daran gedacht, dass damit ein Kuckucksei in unser eigenes Nest gesetzt worden ist?»
Kunst im öffentlichen Raum

Bern ist auch ein Freilichtmuseum der Schule für Gestaltung. Zahlreiche Skulpturen, Brunnen, Wandbilder und keramische Arbeiten im öffentlichen Raum stammen von Künstler:innen, die an der Kunstgewerbeschule ausgebildet wurden oder später an ihr unterrichteten. Vom Bahnhofplatz bis zum Zytglogge, von Innenhöfen bis zu Verwaltungsgebäuden begegnet man ihren Arbeiten oft, ohne ihre Verbindung zur Schule zu kennen. Die folgenden Beispiele zeigen exemplarisch, wie sich diese Geschichte bis heute im Stadtraum eingeschrieben hat.
Kunstgewerbeschulen

Kunstgewerbeschulen entstehen in der Schweiz im späten 19. Jahrhundert, in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Industrialisierung, Handels- und Gewerbefreiheit, Weltausstellungen und internationale Konkurrenz verändern die Bedingungen des Produzierens grundlegend. Handwerkliche und gewerbliche Erzeugnisse müssen nun nicht mehr nur technisch bestehen, sondern auch gestalterisch überzeugen. Gerade die grossen Ausstellungen der zweiten Jahrhunderthälfte machen sichtbar, dass die Schweiz im internationalen Vergleich formal nicht immer auf der Höhe der Zeit arbeitet. Nach der Wiener Weltausstellung von 1873 wird die Qualität schweizerischer Produkte besonders deutlich thematisiert und der Ruf nach besseren Ausbildungsstätten wird lauter. Die Antwort fällt weder zentralistisch noch einheitlich aus. Zwar orientiert sich die Schweiz an Vorbildern im Ausland – an London, Wien, Berlin, Nürnberg oder Stuttgart –, wo Museen, Muster- und Vorbildersammlungen, Zeichensäle und Schulen gezielt miteinander verbunden werden, um das Kunstgewerbe zu fördern. Doch wie so oft in der Schweiz führt die Nachahmung zu einem Geflecht lokaler Lösungen.
Kunstschulen
Die Kunstschulen in Bern entwickeln sich seit dem späten 18. Jahrhundert als eigenständige, akademisch geprägte Ausbildungslinie neben der handwerklich-gewerblichen Schulung. Bereits 1779 entsteht an der Akademie eine erste Kunstschule, 1808 folgt ein Antikensaal mit Zeichnungsschule an der Stelle des heutigen Casinos. Mit der Gründung der Universität Bern übernimmt Joseph Simon Volmar ab 1836 den Unterricht für akademisches Zeichnen und Ölmalerei.
«Ich musste kämpfen, dass ich die Kunstgewerbeschule besuchen durfte – das war damals noch längst nicht selbstverständlich!»
L
Lehrbetriebe
«Bis jetzt war der Lehrmeister für die praktische Ausbildung allein verantwortlich und die Berufsschule für den berufskundlichen und allgemeinbildenden Unterricht.» Mit diesen Worten beschreibt der Bericht des Schuljahres 1963/64 die damalige Ordnung der Berufsbildung. Im Mai 1964 wurde das revidierte Bundesgesetz über die Berufsbildung angenommen. Neu wirkten drei Partner zusammen: der Lehrbetrieb, die Berufsschule und die Branchen- und Berufsverbände mit den von ihnen organisierten überbetrieblichen Kursen. Sie mussten sich für das gute Gelingen eines Lehrverhältnisses verständigen. Der Lehrbetrieb blieb dabei der zentrale Ort der praktischen Ausbildung.
Lehrbetriebsverbund
Im Artikel «Nachfrage vorhanden, aber kaum Lehrstellen» berichtet der BärnerBär im August 2024 über den Mangel an Ausbildungsplätzen in der Glasmalerei in der Schweiz und zeigt exemplarisch, weshalb Modelle wie der Lehrbetriebsverbund an Bedeutung
gewinnen.Lehrerfortbildung

Anfang der 1980er-Jahre führte
eineStudienreise den Berufsschullehrer Ernst Wegmüller nach Los Angeles. In einem seiner Testathefte notierte er den Besuch bei Autologic, einem Hersteller von Fotosatzsystemen, die damals den Übergang vom Bleisatz zum digitalen Satz markierten. Insgesamt fünf solcher Hefte dokumentieren seine persönlichen Weiterbildungen zwischen 1973 und 1998. Diese Einträge stehen auch für eine Entwicklung: Mit der Bildungsexpansion der 1960er-Jahre wurde Lehrerfortbildungzunehmendinstitutionalisiert und systematisiert. Institutionen wie das Schweizerische Institut für Berufspädagogik boten regelmässige Kurse an, Studienreisen und Fachveranstaltungen der Industrie ergänzten dasAngebot.Lehrhalle

Mit dem Bau der Lehrhalle an der Lorrainestrasse 3, direkt am Aarehang, entstehen Anfang der 1930er-Jahre neue, speziell für den Unterricht eingerichtete Räume. Lehrlinge aus den Bauberufen wirken am Bau selbst mit und führen einen Teil der Arbeiten aus. Zeichnungssäle, Werkstätten und Übungsflächen sind funktional angeordnet, grosse Fenster bringen Licht bis in die Tiefe der Räume. Der Bau ist schlicht und durchdacht. Alles ist auf das Arbeiten und Lernen ausgerichtet.
Lehrlauf

Als die zweite Ausgabe des Lehrlaufs 1983 erschien, verabschiedete die Grafik Fachklasse nicht einfach einen Lehrer, sondern eine prägende Persönlichkeit des Schweizer Grafikdesigns. Adolf «Flü»
Flückiger, wie ihn alle nannten, hatte die Berner Grafikausbildung entscheidend mitgeprägt und war am Aufbau der Grafikfachklasse beteiligt. Sein Kollege Herbert Auchli beschreibt ihn als unermüdlich Suchenden, als Optimisten und als einen der «great old men of Swissgraphicdesign».Lernendenzahlen
An den Lernendenzahlen lässt sich mehr ablesen als an mancher Branchenstatistik. In der grafischen Industrie zeigt sie über Jahrzehnte hinweg, wann Aufbruch herrscht, wann Unsicherheit einsetzt und wann sich ein Berufsfeld neu ausrichtet. Die Entwicklungen sind exemplarisch für viele gestalterische Berufe.
Lichtsatzanlage

Mit der Inbetriebnahme einer Linotype
System3 reagierte die Kunstgewerbeschule der Stadt Bern 1982 auf den technologischen Wandel im Berufsfeld der Schriftsetzer. Die über 300’000 Franken teure Anlage wurde durch öffentliche Subventionen sowie Beiträge von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden und der Lieferfirma Morgenthaler Linotype GmbH ermöglicht. Für die Schule bedeutete die Anschaffung einen wichtigen Schritt vom traditionellen Satz hin zu elektronischen Produktionsverfahren. Die FachlehrerWalterBonaniundErnstWegmüllerbereiteten sich intensiv auf den Unterricht mit der neuen Technologie vor. Die Berner Zeitung berichtete am 23. November 1982 über die Einweihung und bezeichnete die KGSB als eine der bestausgerüsteten Ausbildungsstätten für Schriftsetzer in der Schweiz.Linck Keramik

Linck Keramik steht für klare Formen und handwerkliche Präzision. Die weissen, geometrischen Vasen und Gefässe der Manufaktur gehören zum Besten der Schweizer Designgeschichte und werden bis heute nach den Entwürfen ihrer Gründerin gefertigt.
Live-Sessions
Als im Frühjahr 2020 der erste
Corona-Lockdowndas öffentliche Leben zum Stillstand brachte, wurde das Fotostudio an der Schänzlihalde kurzerhand zum Live-Studio umgebaut. Von hier aus gingen allwöchentlich Konzerte, Lesungen und Gespräche auf Sendung. Die Schule schuf damit einen Ort, an dem Kultur weiter stattfinden konnte, als Bühnen geschlossen blieben und persönliche Begegnungen kaum mehr möglich waren. Zugleich blieb sie mit ihrer Schulgemeinschaft und einem Publikum weit über die Schule hinaus inVerbindung.Lohntüte
Eine Angestellte rennt mit einer schwarzen Ledermappe über die Lorrainebrücke Richtung Schule. Hinter ihr zwei Verfolger. Einer stürzt auf der Treppe, der andere greift nach der Mappe. Erst hinter der Glastür des Schulhauses ist sie in Sicherheit. Mit dieser Szene beginnt Hedwig Brand in der Festschrift zum
25-jährigenJubiläum ihren Rückblick auf den Umgang mit Lohngeldern an der Schule für Gestaltung Bern. Gleich darauf relativiert sie: Ganz so dramatisch habe es sich zwar nie zugetragen.Lorrainestrasse 1
![Gewerbeschule an der Lorrainestrasse 1, Ansichtskarte, 1939. Foto: Burgerbibliothek Bern [Sammlung Hans-Ulrich Suter 1287].](https://sfgbb.b-cdn.net/1795/2560x0_sammlung_suter_1287.jpg)
1939 bezieht die Gewerbeschule ihren Neubau an der Lorrainestrasse. Hans Brechbühlers Entwurf zählt zu den wichtigsten Beispielen des Neuen Bauens in Bern. Helle Korridore, grosse Fensterflächen und klare Linien verleihen dem Schulhaus bis heute eine bemerkenswerte Zeitlosigkeit.
M
Mandarinli
Wegen seiner orangen Farbe wurde das Bähnli, das von Bern nach Worb
fährtund in Deisswil direkt vor den Türen des Campus Bernapark hält, auch gerne «Mandarinli» genannt. Als der RBS Regionalverkehr Bern-Solothurn 2014 neue Züge bestellt, wollte er mit einer Umfrage von seinen Fahrgästen wissen, wie der neue Zug beschaffen sein soll; dabei wurde auch der neue Name «Worbla» auserkoren. Seit 2018 fahren die neuen RBS-Züge mit Steckdosen und Klimaanlage (aber immer noch ohne WCs) durchs Worblental, seit 2025 eine spezielle gestaltete Komposition der Worbla, die gemeinsam mit der SfG BB realisiert wurde.Marzili

Im Sommer 1979 arbeiteten die fünf Künstler Ernst Jordi, Walter Kretz, Jimmy Schneider, Walter «Pieps» Vögeli und Urs Suter – alle aus dem Umfeld der Schule für Gestaltung – im Aareschwimmbad Marzili. Es entstehen Eisenplastiken von Jordi und Schneider. Suter und Vögeli vollenden eine knapp fünf Meter hohe Version ihrer Skulptur Trojanisches Pferd. Walter Kretz erstellt einen begehbaren Schrein aus Beton, dessen tonnenschwere Türflügel sich rituell öffnen und schliessen und dem Ort eine kultische Konnotation geben. Tausende Badegäste wohnten den offenen Atelierarbeiten jeweils bei.
Mitmachen

Wenn Bern feiert, ist das K’Werk BE – das gestalterische Kursangebot der SfG BB für Kinder und Jugendliche – dabei. Am Bärner Stadtfäscht oder am Buskers, wenn sich die Altstadt füllt und die Gassen zur Bühne werden, sitzen Kinder mitten im Geschehen an langen Tischen und arbeiten an Stoffen, Drucken oder Bildern. Während rundherum musiziert, jongliert und flaniert wird, entstehen hier Arbeiten, die später mit nach Hause genommen werden können. Eine andere Tradition verbindet das K’Werk mit den Grossen Berner Renntagen am Klösterlistutz. Für das Seifenkistenrennen entwickeln Kinder über Wochen ihre Fahrzeuge. Das K’Werk BE verleiht dort den Seifenkisten-Award für Originalität, kreativen Überraschungseffekt und ein überzeugendes Gesamtkonzept. Am Ende zählt die Idee oft mehr als die
Geschwindigkeit.Mobilmachung
Die Mobilmachung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs griff unmittelbar in den Schulalltag ein. Lehrpersonen und Lernende wurden zum Militärdienst aufgeboten, Betriebe verloren Arbeitskräfte und der Unterricht musste unter erschwerten Bedingungen organisiert werden. In den Jahresberichten aus den betreffenden Jahren wird festgehalten: «Die Mobilisation störte den Unterricht höchst empfindlich.»
Moving Nonstop

Im Sommer 2024 zieht die SfG BB vom Standort Schänzlihalde in den Bernapark um. Um auf diesen Wechsel aufmerksam zu machen, entsteht gemeinsam mit der Berner Digitalagentur Mutoco die Installation Moving Nonstop. Die Zusammenarbeit ist naheliegend, denn zwischen Mutoco und der Schule bestehen seit Jahren enge personelle Verbindungen.
Museumsnacht

2009 beteiligt sich die SfG BB erstmals an der Berner Museumsnacht. Als einzige Bildungsinstitution unter den damals 33 teilnehmenden Kulturhäusern öffnet sie ihr Gebäude an der Schänzlihalde für ein breites Publikum. Anlass ist die Ausstellung Wortlaboratorium von Rudolf Mumprecht, der während vieler Jahre an der Kunstgewerbeschule Bern unterrichtet hatte. Performances, Führungen, Trickfilme, Lichtinstallationen und offene Werkstätten ergänzen das Programm. Die Resonanz ist gross. Was als Gastauftritt beginnt, wird rasch zu einer festen Tradition. Die Schule tritt dem Verein Berner Museen bei und beteiligt sich fortan jedes Jahr an der Museumsnacht. Im Zentrum steht jeweils eine kuratierte Ausstellung aus dem Jahresprogramm der Schule. Die Museumsnacht verleiht ihr zusätzliche Sichtbarkeit und erweitert sie um Führungen, Veranstaltungen sowie Einblicke in Ateliers und Werkstätten. Die Schänzlihalde wird für eine Nacht zum Ausstellungsort, Begegnungsraum und
Experimentierfeldzugleich.Muster- und Modellsammlung

Da ist etwa die geschnitzte Kuchenschaufel aus Norwegen; da ist die aus einem Kürbis hergestellte Trinkflasche aus Italien; oder da ist der lackierte Holzpudel aus dem Berner Oberland: alles kunstvoll gefertigte Objekte. Was in aller Welt suchen sie in der Sammlung angewandte Kunst des Kantons? Was haben sie mit bernischem Design zu tun?
Mutations technologiques
Un coup d’œil aux ateliers d’impression industrielle révèle un monde du travail qui semble aujourd’hui presque étranger : jadis, les compositeurs-trices, lithographes ou retoucheurs-euses y travaillaient sur des étapes de production clairement distinctes, souvent à l’aide d’outils et de procédés hautement spécialisés. Chaque innovation technique s’accompagnait de nouvelles activités : au fil du temps, la production graphique s’est ainsi subdivisée, tandis que le nombre de métiers a
augmenté.«Ich schlage eine Bresche für die Rockmusiker,
die man immer noch als Idioten betrachtet,
einseitig talentiert und nur mit Drogen und Frauen beschäftigt [...]
Dabeihabeich gerade eine Weinetikette und einT-Shirtdesignt.»
N
Nachkriegszeiten
Die befürchtete Arbeitslosigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg blieb aus. Stattdessen herrschte Vollbeschäftigung. Im Schulbericht 1957/58 wurde festgehalten: «Unser Land erlebt seither nicht nur eine Vollbeschäftigung, sondern eine Hochkonjunktur wie nie zuvor». Die Nachfrage nach Arbeitskräften war so gross, dass «die einheimischen Arbeitskräfte schon lange nicht mehr ausreichten» und zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland eingesetzt
wurden.Netzwerk Kleinstberufe
Was geschieht, wenn es in der
ganzenSchweiz nur noch eineHandvollLehrstellen für einen Beruf gibt? Für Geigenbauerinnen, Korbflechter, Goldschmiedinnen, Vergolder oder Ofenbauer ist das Realität. Viele dieser hoch spezialisierten Handwerks- und Gestaltungsberufe verfügen jährlich über kaum mehr als 15 bis 20 Lehrstellen – manche zeitweise über gar keine. Damit steht nicht nur ein Beruf, sondern auch wertvolles Wissen auf dem Spiel.Notengebung
Die Frage nach der richtigen Bewertung beschäftigte die Schule schon früh. Über das «heikle Kapitel der Notengebung» verfasste Otto Michel, Lehrer für Allgemeinbildung und Buchhaltung, eine Arbeit, über die im Bericht des Schuljahres 1941/42 berichtet wurde. Es wird festgehalten, dass «gewöhnlich zu gute Noten erteilt werden» und dadurch ein «augenfälliger Widerspruch» zwischen Zeugnisnoten und Prüfungsresultaten entstehe. Eine zu wohlwollende Beurteilung schade nicht nur dem Lehrmeister, sondern auch dem Lernenden selbst: «Der Schüler wähnt sich tüchtiger, als er tatsächlich ist.»
O
Öffentlichkeitsarbeit

«Das freudigste und nachhaltigste Ereignis im abgelaufenen Schuljahr war die aktive Teilnahme aller Lehrtöchter und Lehrlinge an den Jubiläumsfeierlichkeiten 600 Jahre Bern im Bund der
Eidgenossen», schreibt DirektorAlbertMüllerim Bericht des Schuljahres 1953/54. «Die Schüler bildeten einen Umzug und traten nach Berufen geordnet in ihrem Arbeitskleid mit Arbeitsproben oder Berufssymbolen erstmals gesamthaft vor die Öffentlichkeit.»Officina Helvetica
Une ancienne usine de vélos biennoise abrite de lourdes presses à imprimer, des caisses de composition remplies de plombs ainsi que des caractères en bois rangés dans de longs tiroirs.
P
Partnerschaft

Die Geschichte der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung (EHB) und ist mit jener der SfG BB seit Jahrzehnten verflochten. Bereits in den Anfangsjahren des 1972 gegründeten Schweizerischen Instituts für Berufspädagogik (SIBP), der Vorgängerinstitution der EHB, wirkte
KonradWeber, Lehrer für Allgemeinbildung an der Schule für Gestaltung, in der Ausbildung von Berufsfachschullehrpersonen mit. Weitere Mitarbeitende der Schule sollten später an der EHB und ihren Vorgängerinstitutionen tätig werden.Paul-Boesch-Preise

Der Name Paul Boesch (1889–1969) ist mit Bern und der Geschichte der Schule für Gestaltung verbunden. Der Künstler, Illustrator und langjährige Lehrer an der damaligen Kunstgewerbeschule Bern wurde schweizweit durch seine Illustrationen für den Pestalozzi-Kalender bekannt. Daneben schuf er ein umfangreiches Werk aus Holzschnitten, Wappen, Glasgemälden und Buchillustrationen. Mit seiner eigenständigen Formensprache galt er als Erneuerer der Schweizer Heraldik und überführte traditionelle Bildsprachen in eine zeitgenössische Form.
Pensen
«Stürmische Wandlungen sind an der Tagesordnung», schreibt Direktor Scheiwiller im Jahresbericht 1975/76 und meint damit den technologischen Umbruch. «Der raschen Veränderung entsprechend sind die Anforderungen an die Lehrerschaft der Berufsschulen ausserordentlich hoch. Im grafischen Gewerbe zum Beispiel haben sich nach längerer Stagnation die Berufsbilder in praktisch allen Sparten in wenigen Jahren grundlegend gewandelt.» In kürzester Zeit müssen sich die betroffenen Fachlehrpersonen umstellen, denn so Scheiwiller: «Der Lehrstoff entspricht in keiner Weise mehr dem seinerzeit in der eigenen Berufslehre Gelernten.»
Pilgerfahrt

Zeitungsartikel aus dem Emmentaler Blatt vom 2. Mai 1972 über die Pilgerfahrt des jungen, an der
Kunstgewerbeschuleausgebildeten Dekorateurs und angehenden Malers Ulrich Dolder aus Niederbipp. Mit Pferd und Wagen brach er zu einer über 1000 Kilometer langenReisenach Paris auf, unter anderem zum Grab von Vincent van Gogh inAuvers-sur-Oise. Die Fahrt war zugleichPilger-,Studien- und Werbereise für sein künstlerischesSchaffen.Plakatgestaltung

Das Plakat zählt zu den prägendsten Ausdrucksformen des Schweizer Grafikdesigns. Als Medium im öffentlichen Raum informiert, wirbt und kommentiert es; zugleich prägt es Wahrnehmung und kulturelle Identitäten. Politische, kulturelle, touristische oder kommerzielle Plakate begegnen uns im Alltag und verdichten komplexe Inhalte zu Bildern, Zeichen und Typografie.
Platzmangel
«Seit 1939 – für 2308 Schüler – steht zur Ausbildung der gleiche Raum wie heute – für 5436 Schüler – zur Verfügung.» Mit diesem eindrücklichen Vergleich beschreibt der Jahresbericht 1956/57 die angespannte Raumsituation. Platzmangel ist in der Geschichte der Schule ein wiederkehrendes Thema. Steigende Lernendenzahlen, bedingt durch die demografische Entwicklung und den Ausbau der Berufsbildung, führten immer wieder zu Engpässen und machten zusätzliche Räume notwendig.
Politwoche
Mit der Überzeugung, dass politische Bildung zu den zentralen Aufgaben einer Bildungsinstitution gehört, initiierten
SimonLehmann und Patrick Helfer 2011 die Politwoche an der SfG BB. Politische Themen waren zwar seit jeher Teil des allgemeinbildenden Unterrichts, die Politwoche verlagerte diese Auseinandersetzung jedoch in ein eigenes Veranstaltungsformat und schuf Raum für direkte Begegnungen mit politischen Akteur:innen.Printmediensammlung

Plakate, Einladungskarten, Publikationen, Fotografien, Briefe, Skizzenbücher, Druckgrafiken und Zeitungsartikel: Über Jahrzehnte sind an der SfG BB gestalterische Arbeiten sowie Zeugnisse des
Schul-und Ausstellungsgeschehens zusammengetragen worden. Sie bilden heute die Printmediensammlung der Schule. Die Sammlung umfasst analoge und digitale Archivalien aus der Schule undihremUmfeld. Die Materialien stammen von Lernenden, Lehrpersonen sowieweiterenmit der Schule verbundenen Personen und Institutionen. Gemeinsam dokumentieren sie die gestalterische Produktion der Schule seit den 1970er-Jahren. Was zunächst gesammelt und aufbewahrt wurde, wird seit 2018 systematisch geordnet, erfasst und dokumentiert. Die Printmediensammlung wurde von Klaus F. Pressmann aufgebaut und wird bis heute von ihm betreut. Die Bestände sind nach Mediengruppen und Entstehungsjahren gegliedert und werden kontinuierlich gepflegt und erweitert.pro Forma
Nicht alles, was an einer Schule entsteht, lässt sich aus dem
ordentlichenBudget finanzieren. Ausstellungen, Publikationen, Wettbewerbe und besondere Projekte sind oft auf zusätzliche Mittel sowie auf Kontakte und öffentliche Unterstützung angewiesen. Diese Aufgabe übernimmt seit 1994 der Förderverein pro Forma, der vom damaligen Leiter der Technikerschule für die Druckindustrie, Ernst Wälti, gegründet wurde.Profils professionnels

Dans les années 70, l’École des arts appliqués de la ville de Berne a publié la brochure Berufsbilder (« Profils professionnels »). Celle-ci décrivait les professions de l’industrie graphique de l’époque, et était distribuée dans tous les centres d’orientation professionnelle du canton. Un coup d’œil dans cette publication aux allures désuètes illustre
parfaitementla transformation radicale qui a chamboulé la branche. Qu’il s’agisse de typographie, d’impression offset, de stéréotypie, de photolithographie ou de sérigraphie : toutes ces professions et bien d’autres ont disparu depuis belle lurette, à défaut d’avoir fusionné pour donner lieu à des formations modernes.Protest

2013 protestierte die SfG BB gegen die drohenden Sparmassnahmen des Kantons Bern. Im Rahmen der
kantonalenAngebots- und Strukturüberprüfung sollten die Subventionen für den gestalterischen Vorkurs gestrichen werden. Damit stand ein traditionsreiches Angebot für angehende Gestalter:innen vor dem Aus. Auf Initiative des Künstlers und damaligen Lehrers Edi Aschwanden organisierten Lernende und Lehrpersonen anstelle einer klassischen Demonstration die Aktion «Gross- und Regierungsräte malen». Sie porträtierten alle 160 Grossrät:innen sowie die sieben Mitglieder des Regierungsrates. Die Bilder wurden während der Parlamentssession im Berner Rathaus ausgestellt und fanden auch in den Medien grosse Beachtung.Publication hybride
Le projet d’anniversaire de l'École d’Arts Visuels Berne et Bienne ne se présente pas seulement sous la forme d’un livre imprimé. Dès le départ, ses contenus sont conçus de manière à fonctionner simultanément en tant que publication, site web et archive numérique. Les textes, images et références sont saisis une seule fois et peuvent ensuite être réutilisés sous différentes formes, que ce soit sous forme de livre, de site web, d’archives numériques ou de compilations thématiques. Ainsi, l’ouvrage imprimé n’est pas un produit final, mais un élément qui s’inscrit dans un système de publication plus vaste.
Q
Qualitätssicherung
«Plötzlich stand Qualitätssicherung zuoberst auf der Traktandenliste aller Schulen. Auch die Schule für Gestaltung war gefordert», erinnert sich der Bildhauer und pensionierte Lehrer Walter Kretz. «Ich war eben dabei, eine neue Aufgabe zu stellen, da klopfte es …» Ein Herr und eine Dame stellen sich als beauftragte Fachpersonen für Qualitätssicherung vor und bitten höflich, den Unterricht mitverfolgen zu dürfen. An diesem Tag geht es um Ideenfindung. Sie lässt sich methodisch anregen, aber nicht linear herstellen. Kretz verzichtet deshalb auf klare Anleitungen und bringt Bewegung ins Denken der Klasse: mit halben Sätzen und überraschenden Gedankensprüngen, mit einem offenen Austausch von Ideen, der manchmal ins Leere läuft und dann plötzlich wieder zündet. Nach der Lektion lautet das Feedback, der Unterricht müsse klarer strukturiert und seine Anweisungen präziser formuliert sein. Kretz hält dagegen: «Unterricht ist nicht immer ein Punkt-für-Punkt-Nachvollzug. Es geht nicht um die Bedienung einer Waschmaschine.»
Quotidien
Le service d’entretien éteint l’alarme. Le local des fours de la classe de design céramique a conservé la chaleur de la veille. Les glaçures refroidissent lentement. Un léger crépitement se fait entendre : de délicates fissures apparaissent sur les pièces fraîchement cuites. Tout alentour, le calme règne.
R
Reportage Lützelflüh

Das Bild zeigt zwei Mädchen am Uelibrunnen in Lützelflüh. Die Aufnahme entstand 1954 im Rahmen einer Reportage der «Photographenklasse» der Gewerbeschule Bern. Anlass war der hundertste Todestag des Schriftstellers Jeremias Gotthelf. Unter Leitung ihres Fachlehrers reisten die Schülerinnen und Schüler an einem Sonntag ins Emmental und fotografierten «Gotthelfstätten».
Ressourcen
«Leider können die vielen Routine- und Statistikarbeiten noch nicht mit der städtischen Datenverarbeitung gelöst werden. So müssen unzählige Stunden für Arbeiten eingesetzt werden, die maschinell wesentlich schneller erledigt würden.» So beschreibt der Jahresbericht 1975/76 den Alltag im Sekretariat der Schule für Gestaltung Bern. Die Verwaltung arbeitet mit einer kleinen Belegschaft, während die Zahl der Lernenden und Aufgaben wächst. Neue Hilfsmittel sollen Entlastung bringen: ein Randlochkartensystem für die Schülerkartei, ein Schreibautomat, gebündelte Rechnungsstellungen. Gleichzeitig werden die Öffnungszeiten des Sekretariats eingeschränkt, damit wenigstens zeitweise ungestört gearbeitet werden kann. «Mit all diesen Massnahmen ist es uns möglich, die grossen administrativen Arbeiten einer Berufsschule mit einer kleinen Belegschaft zu erbringen; Überzeiten bleiben uns aber nicht erspart.»
Restaurant
![Am Tresen der Kantine der Gewerbeschule
an der Lorrainestrasse 1, 1942. Foto: Eugen Thierstein. Burgerbibliothek Bern [N Eugen Thierstein 321/50].](https://sfgbb.b-cdn.net/3196/2560x0_n_eugen_thierstein_321_50.jpg)
Mit dem Bezug des
NeubausanderSchänzlihalde 1971 übernahm die Kunstgewerbeschule ein Konzept der benachbarten Gewerbeschule: den Erfrischungsraum. Betrieben von einem Pächterehepaar, bot er Lernenden und Lehrpersonen Getränke, einfache Mahlzeiten und einen Ort für Begegnungen. Der Jahresbericht 1972/73 verabschiedet Hans und Anna Arn-Gimmi, die den entsprechenden Betrieb der Gewerbeschule bereits seit 1958 geführt und mit dem Umzug auch jenen der Kunstgewerbeschule übernommen hatten. Die Schule dankte ihnen ausdrücklich für die «gute Führung desErfrischungsraumes».Rotationsmaschine

1928 reist eine Delegation der kunstgewerblichen Abteilung zur internationalen Presseausstellung «Pressa» nach Köln. In riesigen Hallen stehen Druck- und Setzmaschinen neuester Konstruktion. Besonders beeindruckend wirkt eine monumentale Rotationsdruckmaschine im amerikanischen Sektor des «Staatenhauses». Über ihr weht das Sternenbanner. Im Bericht des Schuljahres 1928/29 wird die Maschine folgerichtig als amerikanisches Produkt beschrieben. Kurz darauf meldet sich jedoch die Maschinenfabrik Winkler, Fallert & Co. (Wifag) in Bern zu Wort: Die einzige Rotationsdruckmaschine im Sektor Amerika, schreibt das Unternehmen 1929, sei in Wirklichkeit ein Erzeugnis ihrer eigenen Fabrik gewesen. Sie drucke gleichzeitig 96 Seiten und sei die grösste Maschine der gesamten Ausstellung.
S
Sammlungen

Die Sammlungen der SfG BB bewahren keramische Gefässe, Tischtextilien und kunsthandwerkliche Alltagsobjekte aus
unterschiedlichenZeiten und Weltregionen. Sie dienen bis heute als Studienmaterial, Anschauungsobjekte und historische Referenzen für den Unterricht.Scanner

«Die Kunstgewerbeschule Bern ist jetzt in der Lage bei der Ausbildung künftiger Fachleute die modernste Technik miteinzubeziehen», so beschreibt Der Bund im November 1979 die (nicht so)
aussergewöhnlicheSchenkung eines Scanners.Anlässlichder Eröffnung eines Ausbildungs- und Informationszentrums für die grafische Industrie bei Siemens-Albis in Zürich erhält die Kunstgewerbeschule im Juni 1979 von den Firmen Siemens-Hell (Kiel) und Siemens-Albis(Zürich)den Farbscanner Chromagraph 299 mit Laserlichtquelle im Wert von über 200'000 CHF geschenkt. Der Scanner soll dazu beitragen, «den Ruf der Schweizer als hervorragende Repro-Spezialisten auch für die kommende Generation, die mit gänzlich neuen Hilfsmitteln arbeiten wird, zu erhalten». Ein entsprechendes Ausbildungsangebot wird entwickelt und ab 1981 starten gleich zwei Kurse – für gelernte Berufsleute sowie für «Lehrlinge und Lehrtöchter».Schänzlihalde

Es gibt Adressen, die zu einem Eigennamen werden. Für Generationen von Lernenden, Lehrpersonen und
Mitarbeitendenwar die Schänzlihalde nicht einfach eine Strasse, sondern die Schule selbst.Schaufensterdekorationskurs

1931 wird mit dem Bezug der neuen Lehrhalle eine Rochade möglich: Die Malerklassen, die bisher im Dachstock des Kornhauses untergebracht waren, ziehen in den Neubau. Der Schaufensterdekorationskurs übernimmt den frisch renovierten Dachstock. Im Bericht des Schuljahres 1931/32 lässt sich nachlesen: «Wir stellten 5 Kojen auf für den Schaufensterdekorationskurs; überwölbte Nischen, die bis anhin den Malern für ihre Übungen dienten, können wir nun ebenfalls für die Schaufensterdekorationskurse verwenden.»
Schnätzi
Umgangssprachlicher Ausdruck für die 1884 gegründete Schnitzlerschule Brienz, die ihre Wurzeln jedoch bis mindestens 1816 zurückführen kann. Schon früh bildete der Brienzer Drechslermeister Christian Fischer hier dank der hohen Nachfrage von Touristen an mit Schnitzereien verzierten Gebrauchsgegenständen Leute aus der Region in diesem Kunsthandwerk aus. An der Schnätzi wirkte auch der aus Deutschland stammende Bildhauer Ferdinand Huttenlocher, der 1900 Lehrer für «Zeichnen und Entwerfen, Modellieren und Praktikum» der kunstgewerblichen Klasse der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bern wurde und so auch die angehenden Keramiker:innen
unterrichtete. Die Verbindung der beiden Schulen wird bis heute durch gemeinsame Gestaltungsprojekte gepflegt.Schuldirektion
Die folgende Übersicht zeigt die Direktor:innen der Schule für Gestaltung Bern seit ihrer organisatorischen Selbstständigkeit im Jahr 1971.
Schulrat
Über lange Zeit war das Gremium, das die Schule mit Arbeitswelt und Gesellschaft verband, eng in die Geschicke der Schule eingebunden. Noch bis in jüngere Zeit wirkte der Schulrat etwa bei der Anstellung von Lehrpersonen mit.
Schweizerische «Landi» 1914

Vom 15. Mai bis 15. Oktober 1914 fand in Bern die dritte Schweizerische Landesausstellung statt. Am Rand des Bremgartenwaldes entstand auf Neu-, Mittel- und Viererfeld eine temporäre Ausstellungsstadt mit Hallen, Pavillons und Restaurants. Mehr als 6000 Ausstellende präsentierten Industrie, Gewerbe, Landwirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Die Schau fiel in eine politisch angespannte Zeit und wurde bald vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überschattet; dennoch besuchten rund 3,2 Millionen Menschen die Ausstellung.
Seftigenstrasse 14

1930 sind die Raumverhältnisse der Gewerbeschule knapp, die Klassen auf zehn verschiedene Schulhäuser verteilt. Auf Veranlassung der städtischen Schuldirektion wird im Frühjahr das Haus an der Seftigenstrasse 14 gemietet, das früher der grafischen Anstalt Hubacher AG gehörte und später in den Besitz des
VereinsSchweizerischerLithographiebesitzer überging. Der Bericht des Schuljahres 1929/30 vermerkt: «Da dieses Haus ursprünglich als graphische Anstalt gebaut worden ist, so entspricht seine räumliche Einteilung unseren Bedürfnissen vorzüglich.» Ziel der Schulleitung ist es, alle «graphischen Berufsarten» in diesem Gebäude zu vereinigen. «Die einzelnen Sparten greifen sinngemäss ineinander über, und die Arbeitsvorgänge und ihr Zusammenhang entsprechen demjenigen der Praxis.»Selbstständigkeit

1971 wurde die Kunstgewerbeschule Bern selbstständig. Bis dahin war sie organisatorisch Teil der Gewerbeschule Bern und über zahlreiche Provisorien in der ganzen Stadt verstreut. Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde erhielt sie nicht nur ein eigenes Zuhause, sondern führte ab dem 1. Januar 1971 auch erstmals eine eigene Rechnung.
SfG BB Expanded

Mit dem Umzug in den Campus Bernapark entwickelte die SfG BB das Ausstellungsformat SfG BB Expanded. Seither werden im Kornhausforum Bern jährlich die Abschlussarbeiten der Fachklassen sowie die Diplomprojekte der Höheren Fachschule präsentiert. Mit dem Kornhaus als Ausstellungsort knüpft die Schule an einen Ort an, der eng mit ihrer Geschichte verbunden ist. Gleichzeitig stärkt SfG BB Expanded die Präsenz der Schule im Zentrum Berns und macht die Vielfalt ihrer Ausbildung einem breiten Publikum zugänglich.
Site de Bienne
Le site de Bienne se distingue par son bilinguisme. On y trouve la classe spécialisée bilingue en graphisme, le cours propédeutique en art et design, ainsi que la Classe professionnelle médias et design francophone (CPMD) et la maturité spécialisée. Cette offre est complétée par le K’Werk BE, un centre bilingue destiné aux enfants et aux adolescent·e·s, ainsi que par des cours ouverts au public.
Spanische Grippe
Als 1918 die Spanische Grippe die Schweiz erreicht, gerät auch der Schulbetrieb durcheinander. Die Pandemie trifft eine Gesellschaft, die bereits unter den Folgen des Ersten Weltkriegs leidet. Allein in der Schweiz sterben zwischen 1918 und 1920 rund 25’000 Menschen. Im Jahresbericht der Schule ist von «Grippeferien» die Rede, einem heute beinahe harmlos klingenden Begriff für ausserordentliche Schulschliessungen und Unterrichtsausfälle während der Pandemie.
Spitalackerstrasse 63

Die Keramische Fachschule ist zunächst in der Felsenburg untergebracht. Die Klassen sind klein, doch die Ausbildung benötigt mehr Platz für Werkstätten, Öfen, Maschinen und Material. 1942 zieht die Schule in grössere Räumlichkeiten an der Spitalackerstrasse 63.
Sport
Dieser Satz stammt aus einer Schülerumfrage der Kunstgewerbeschule Bern von 1979. Die Schule wollte wissen, wie ihre Lernenden den neu eingeführten obligatorischen Sportunterricht erlebten. Die
Antwortensind ebenso ehrlich wie unterhaltsam. Während die einen das Turnen als «prima Ausgleich zum gewöhnlichen Alltag» lobten, klagten andere über lange Anfahrtswege, schwere Sporttaschen oder fehlende Zeit zum Duschen. Besonders deutlich fiel ein Votum aus: 95 Prozent der Befragten wünschten gemischten Turnunterricht – obwohl dieser damals meist nach Geschlechtern getrennt stattfinden musste.Sprachwechsel
«Meinsch öppis anders?» oder «Peux-tu le redire en français ?» An der Schule für Gestaltung Bern und Biel wechseln immer wieder einzelne Wörter die
Sprache, manchmal auch ganze Sätze. In Biel passiert das dauernd: Deutsch und Französisch funktionieren nebeneinander,miteinander und mitunter auchdurcheinander. «Bilingue immersiv» wird in diesem Kontext häufig verwendet, um die integrierte Zweisprachigkeit kurz zufassen.Standort Bern
Der Standort Bern vereint die ganze Bildungspalette der Schule für Gestaltung Bern und Biel – vom K’Werk BE für Kinder und Jugendliche über vorbereitende Angebote für Berufslehre oder Hochschule bis zur Berufsfachschule, den Fachklassen, der Höheren Fachschule und der berufsbegleitenden Weiterbildung. Hier treffen gestalterische Grundbildung, Spezialisierung und lebenslanges Lernen an einem Ort zusammen.
Swiss Design Schools
Gestaltung kennt keine Kantonsgrenzen. Damit Ausbildungen schweizweit vergleichbar bleiben und sich gemeinsam weiterentwickeln, schliessen sich die öffentlich-rechtlichen Schulen für Gestaltung in den Swiss Design Schools (SDS) zusammen. Die Dachorganisation vertritt ihre Mitgliedschulen gegenüber Bund und Kantonen, koordiniert die Bildungsentwicklung und fördert den Austausch zwischen den Sprachregionen. Gemeinsam werden Ausbildungsinhalte weiterentwickelt, Qualitätsstandards definiert und Stellungnahmen zu bildungspolitischen Fragen erarbeitet.
Système de formation duale
En 2025, une vingtaine d’expert·es en provenance de Haïti, du Kirghizistan, du Mozambique, du Cambodge, d’Indonésie et du Laos se sont retrouvé·es en Suisse à l’occasion d’un congrès international sur la formation professionnelle. Au
BernerKursaal, ils se sont informés sur un système qui retient l’attention du monde entier.
T
Tapetenwechsel

In den 1950er-Jahren erlebt die Tapete ein Revival als prägendes Element der Wohnkultur. Nach den Kriegsjahren stehen Muster und Farbe für Aufbruch und neue Wohnvorstellungen. 1958 beteiligen sich die Berufsklassen Grafik und Schaufensterdekoration unter der Leitung der Lehrer Eugen Jordi und Hermann Oberli an einem internationalen Wettbewerb für Tapetenentwürfe. Mit mehreren Preisen, Ehrenerwähnungen und Ankäufen erzielen die Berner Schülerinnen und Schüler einen bemerkenswerten Erfolg.
Töff

1979 raste ein Töfffahrer zum Kursabschluss der Grafik Fachklasse die Treppen im Schulgebäude an der Schänzlihalde hinauf und wieder hinunter – begleitet von Musik. Die Aktion sorgte für Aufmerksamkeit und schaffte es in die Berner Zeitung.
Touristenware

Ein geschnitzter Bär aus Brienz, ein bemalter Teller aus Heimberg, eine Majolika-Vase aus Steffisburg: Solche Objekte gehören zu den typischen Erinnerungsstücken, die Reisende aus dem Berner Oberland mit nach Hause nehmen. Ihre Verbreitung hängt eng mit dem frühen Alpentourismus zusammen. Seit dem späten 18. Jahrhundert zieht die alpine Landschaft Besucher:innen aus ganz Europa an – zunächst Gelehrte, Kunstschaffende und wohlhabende Reisende, später auch ein breiteres Publikum. Reiseberichte,
Gedichteund Landschaftsbilder machen Orte wie Lauterbrunnen, Grindelwald oder die Scheidegg international bekannt.
U
Überbetriebliche Kurse
«Eine Neuerung, je nach dem sie in der Praxis interpretiert wird, vermag das gegenwärtige System der Berufsbildung grundlegend umzugestalten.» Mit diesen Worten richtete die Schulleitung im Bericht des Schuljahres 1963/64 den Blick auf das neue Berufsbildungsgesetz und die Einführung der Einführungskurse.
Und dann?

So vielfältig wie die Menschen sind auch ihre Wege nach der Schule. Mit dem Projekt Von hier aus weiter lanciert die Schule für Gestaltung Bern und Biel 2026 eine Porträtreihe über ehemalige Lernende und Studierende, deren gestalterischer Weg an der SfG BB begann. Die alphabetisch geordneten Kurzporträts erzählen von Menschen, die heute in Design, Kunst, Musik, Kommunikation, Handwerk oder Unternehmertum tätig sind. Sie zeigen, wie unterschiedlich sich gestalterische Laufbahnen entwickeln können.
Une classe, plusieurs métiers
En 2022, à la demande du canton, la filière médias et design a été lancée pour la première fois sur le site de Bienne en tant que formation autonome à temps plein en langue française. Ce projet pilote répond à l’évolution du monde des médias et du
travailtout en renforçant le pôle deformationbiennois. Il est géré parl’Officedes écoles moyennes et de la formation professionnelle, sous la houlette de laSectionfrancophone. Cette offre s’inscrit ainsi dans le cadre de la mission de politique éducative visant à offrir des parcours de formation adaptés à la minorité francophone du canton de Berne.Unter Tage

Nach erfolgloser Baulandsuche war der Ausbau der Schule für Gestaltung an der Schänzlihalde eine Antwort auf den wachsenden Raumbedarf. Zwischen 1988 und 1991 wurde die Schule bei laufendem Betrieb umgebaut und erweitert. Das Projekt umfasste neue Unterrichtsräume, Ateliers und zentrale Einrichtungen. Eine besondere Lösung fand sich für Fotografie, Film und Video: Weil ihre Labors kein Tageslicht benötigten, konnten ihre Räume unterirdisch angelegt werden. So entstand ein Trakt, der auf die Anforderungen der damaligen Foto- und Filmtechnik zugeschnitten war.
Unterricht

Vorstellungen von gutem Unterricht verändern sich. Sie folgen den Entwicklungen der Berufe und ihrer Werkzeuge, aber auch den Erwartungen daran, was junge Menschen können sollen. Entsprechend wandeln sich Inhalte und Methoden – aber die Frage, wie Lernen gelingen kann, bleibt. So zeigt ein Rat aus dem Jahr 1922 an Gewerbeschullehrpersonen: «Gestalte den Unterricht so interessant als möglich. Dies ist eines der besten Mittel zur Aufrechterhaltung einer guten Disziplin und zum fleissigen Besuch der Schule.» Der Satz wirkt in seinem Anspruch erstaunlich aktuell. Er verweist auf eine Herausforderung, die bis heute besteht: Lernende für den Unterricht zu gewinnen.
V
Vermächtnis
Ein Haus mit knarrenden Böden, ein verwunschener Garten, Stimmen, die durch hohe Räume tragen. Im Schwob-Haus im Berner Länggass-Quartier arbeiten Künstler:innen in verschiedenen Ateliers.
Verschwundene Berufe
«Ich bin einer der letzten Handlithografen», sagte Polo Hofer einmal mit einem gewissen Stolz in einem Interview. In den 1960er-Jahren absolvierte der spätere Mundartrocker seine Lehre in der Kunstanstalt Brügger in Meiringen und bestand die Lehrabschlussprüfung an der Kunstgewerbeschule Bern mit der Note 5,7. Als er sein Zeugnis erhielt, gab es den Beruf bereits nicht mehr. Fortan durfte er sich Grafiker nennen.
Vision

«Die Entwicklung des graphischen Gewerbes ist der beste Gradmesser für die zunehmende Grösse der Bundesstadt.» Mit diesem Satz erschien 1926 in der humoristisch-satirischen Monatsschrift
Bärenspiegel eine Illustration, die Bern als vertikale Zukunftsstadt zeigte: Druckereien, Clichéanstalten, Buchkunst, Chemigrafie und Verlage türmten sich zu einer urbanen Medienlandschaft. Nicht Banken oder Fabriken standen im Zentrum der Vision, sondern das grafischeGewerbe.Vorbereitungsangebote
Die Vorbereitungsangebote schaffen Orientierung und bereiten auf den nächsten Ausbildungsschritt in der Gestaltung vor. Der Vorkurs Kunst und Design richtet sich an angehende Gestalter:innen, die sich auf eine gestalterische Berufslehre oder den Eintritt in eine Fachklasse vorbereiten möchten. Wer ein Studium an einer Fachhochschule für Gestaltung, Design und Kunst anstrebt, besucht das Propädeutikum Kunst und Design, das in Bern sowie bilingual in Biel angeboten wird. Ergänzt wird das Angebot durch die Fachmaturität Gestaltung – die französischsprachige Maturité spécialisée.
W
Wandbild

1949 malten die sozial engagierten Berner Künstler Eugen Jordi und Emil Zbinden im Auftrag der Stadt ein Wandbild im neuen Schulhaus Wylergut. Ein Alphabet für Kinder: A wie Affe, B wie Blume, Z wie Ziege. Ein freundliches Lehrmittel, grossflächig ins Treppenhaus gesetzt. Die beiden Künstler – politisch engagiert, antifaschistisch geprägt und an der Lebenswelt der Arbeiterinnen und Arbeiter interessiert – verstanden Gestaltung als Ausdruck gesellschaftlicher
Verantwortung.Weiterbildung
Der Kurs «Illustrations- und Mehrfarbendruck» fand im Wintersemester 1952/53 einmal pro Woche am Abend statt. Im Kursraum der Gewerbeschule arbeiteten gelernte Buchdrucker an der Maschine, experimentierten mit Farben, verglichen Andrucke mit Vorlagen und diskutierten die Ergebnisse. Vermittelt wurden der Druck einfarbiger Illustrationen sowie der Mehrfarbendruck auf Tiegel- und Zylinderpressen.
Werdegänge
2018 erscheint mit Zwischenhalt eine Publikation der Keramikdesign Fachklasse Bern, die 24 ehemalige Lernende porträtiert. Der Titel ist bewusst gewählt. Die Beiträge verstehen sich nicht als abgeschlossene Erfolgsgeschichten, sondern als Momentaufnahmen unterschiedlicher Berufswege zwischen Atelier, Designstudio, Kunst, Unterricht und Selbstständigkeit. «Keine geschönten Biografien», schreibt der damalige Direktor
StefanGelzerim Vorwort, sondern «berührende und eindrückliche Einblicke» in ein Berufsfeld, das viel Eigenständigkeit verlangt.Worbla

Seit September 2024 fährt eine besondere Worbla auf dem Netz des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS). Gemeinsam mit der SfG BB wurde eine Zugkomposition gestaltet, um den neuen Schulstandort Bern sichtbar zu machen und gleichzeitig den Dialog über Zukunftsfragen anzuregen. Mit Bildern, Fragen und Ideen lädt sie die Fahrgäste dazu ein, über die Zukunft nachzudenken. Das Design
studioJohnson/Kingston hat zusammen mit Lernenden und Studierenden der SfG BB die Idee eines «Zukunftslabor auf Schienen» entwickelt, Fragen und Ideen wurden in Workshops zudem mit Bewohner:innen des Bernaparks erarbeitet. Dank Unterstützung von Sponsoren und Lehrbetrieben konnte die Idee schliesslich auch in die Realität umgesetzt werden. Die Worbla ist nicht nur rollende Botschafterin für Gestaltung und Kreativität, sondern auch ein Symbol dafür, wie Mobilität und Bildung im Alltag zusammenfinden. Das Zukunftslabor auf Schienen wird mindestens sechs Jahre in Betrieb bleiben.
X
X-Factor
Um weiterhin den Unterricht von Ruggero Ponzio besuchen zu können, blieb der spätere Tagesschau-Moderator Franz Fischlin nach erfolgreichem Abschluss seiner Fotografenlehre ein weiteres Jahr an der Schule. Die Keramikerin und Künstlerin Karin Lehmann beschreibt einen Lehrer, der mit seinem «immensen Wissen» beeindruckte. Und der Künstler Kotscha Reist erinnert sich: «Ich besuchte die Schule für Gestaltung während meiner Lehre zum
Fotografenvon 1980 bis 1983. Vor allem der Allgemeinbildungsunterricht vonRuggeroPonziowar für mich prägend.» Andere Fächer habe man besucht, «weil man musste – bei Ponzio sass man freiwillig imKlassenzimmer».Xylografie

Wer einen Holzschnitt betrachtet, begegnet immer auch dem Holz selbst. In der Xylografie schreiben sich Material und Bearbeitung sichtbar ins Bild ein: Maserungen, Schnitte und Druckspuren bleiben lesbar. Gemeint ist der Hochdruck mit Holzplatten.
«Eigentlich habe ich Kartograf
gelernt, dieses präzise Zeichnen und Gravieren. Ich bin mit diesem Rüstzeug zufrieden. Irgendjemand sagte mir, die pedantischen Ästheten haben es nicht leicht im Leben.»
Z
Zeichnen nach Modell
Das Zeichnen nach Modell bildet seit jeher einen festen Bestandteil der gestalterischen Grundausbildung an der Schule für Gestaltung Bern. Jahrzehntelang fand der Unterricht im Aktsaal statt. Während der Renovation des Aktsaals wurde der Unterricht an die Schänzlihalde verlegt – in den ebenerdig gelegenen Ausstellungsraum. Zeichenlehrer Bruno Cerf sorgte immer wieder für aussergewöhnliche Modelle: Neben Aktmodellen standen auch schon echte Pferde oder die Broncos des seit 1971 in Bern aktiven Motorradclubs Broncos MC Bern mit ihren Harley-Davidsons Modell.
Zeitdokumente

Die Fotografien von Heidi Lutz-Krebs zeigen Bern am Übergang zur Moderne. Entstanden 1959/60 während ihrer Ausbildungsjahre halten sie Strassen, Plätze, Schaufenster und Passant:innen des Berner Alltags fest. Die Bilder dokumentieren eine Stadt mit wenigen Autos, vielen Fussgänger:innen und einem öffentlichen Raum, der noch stark vom Unterwegssein zu Fuss geprägt ist.
Zeitgemäss
Was bedeutet eine «zeitgemässe Ausbildung»? Dieser Frage widmete sich Jürg Bamert, damaliger Vorsteher des Zeichenlehrerseminars der Schule für Gestaltung Bern, im Jahr 1984. Seine Überlegungen im Bericht des Schuljahres 1984/85 zeigen, wie intensiv sich die Schule auch damals mit den gesellschaftlichen Folgen neuer Technologien aus
einandersetzt.Zukunft
Die Zukunft beginnt nicht irgendwann. Sie sitzt längst in den Klassenzimmern, Ateliers und Werkstätten.
«Inzwischen habe ich mich in Typografie verliebt, was ja wiederum sehr
ironischist, weil ich Legasthenikerin bin. Aber ich glaube, dass ich mir,indemich sie selber gestalte,eineneigenen Zugang zur Schrift ermögliche. Ich schaffe Ordnung.»
Chronologie
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstehen ergänzend zur
handwerklichen Ausbildung private Zeichenschulen. In Bern gründet Gabriel Samuel Ebersold (1792–1853) eine «Sonntags-Zeichenschule», die ab 1826 als «Handwerkerschule» auch Abendkurse anbietet. Ein Reglement von 1828 überträgt die Leitung einer Direktion aus Lehrern und Vertretern von Handwerk und Gewerbe; unterrichtet werden Mathematik, Schreiben, Zeichnen, Physik und Chemie in zwei Stufen. Finanziert durch Schulgeld und Spenden, später auch mit Beiträgen von Kanton und Gemeinde, bleibt die Schule lange Zeit provisorisch untergebracht. Mit wachsendem Angebot und steigenden Schülerzahlen etabliert sie sich als zentrale Ausbildungsstätte; ab 1893 werden auch Schülerinnen aufgenommen.
Politische Umwälzungen führen in vielen Kantonen zu liberalen Verfassungen. Die Zensur wird aufgehoben, Handels- und Gewerbefreiheit eingeführt
und die Schulpflicht verankert. Auf der Basis des liberalen Vereinsrechts entstehen Handwerker- und Gewerbevereine.
Mit der Berner Kantonsverfassung von 1831 und dem Primarschulgesetz von 1835 werden die Primarschulen unter staatliche Aufsicht gestellt und die allgemeine Schulpflicht zwar eingeführt, aber nicht einheitlich durchgesetzt. Bereits ein Jahr zuvor gründet der Kanton Bern die Universität.
Die Bundesverfassung von 1848 begründet den föderalen Staat. Zölle innerhalb der Schweiz werden abgeschafft, wenig später der Schweizer Franken eingeführt und die erste Telegrafenverbindung eingerichtet. Bis 1860 entsteht ein Eisenbahnnetz, das die Zentren nördlich der Alpen verbindet. Einheitswährung, Kommunikation und Mobilität führen zu einem schweizweiten Arbeits- und Ausbildungsmarkt.
Die Weltausstellungen sind Katalysatoren der globalen Wirtschaft. Die technisch-(kunst)handwerklichen Leistungsschauen gelten als Schaufenster von Industrie und Gewerbe, auch die Schweiz ist dabei. Parallel etablieren sich ab den 1860er-Jahren technisch-wirtschaftliche Zeitschriften, die in der gewerblichen und technologischen Entwicklung die Funktion von Leitmedien übernehmen.
Das Berner Gesetz zu den Sekundarschulen verpflichtet den Kanton zur Unterstützung der Handwerkerschulen und stärkt den berufsbezogenen Unterricht für Lehrlinge. Im Kanton entstehen weitere Handwerkerschulen, so bereits 1852 in Langenthal und 1859 in Thun.
Die Industrialisierung und technische Entwicklungen verändern Produktion, Handwerk und Berufsbildung grundlegend. Kapitalinvestitionen konzentrieren sich auf Knotenpunkte entlang der Eisenbahnlinien, hier entstehen neue Fabriken. Mit der Eisenbahn lassen sich grössere Gütermengen schneller und weiter transportieren. Die Landwirtschaft gerät durch den erleichterten Import unter Druck. Arbeitskräfte aus dem primären Sektor wandern in urbane Zentren ab.
Zur Förderung des Gewerbewesens im Kanton Bern wird auf Anregung der Direktion des Innern, des Handwerker- und Gewerbevereins sowie des Vereins für Handel und Industrie die «Kantonale Muster- und Modellsammlung» gegründet und im Berner Kornhaus eingerichtet. Der Katalog von 1872 verzeichnet 135 Maschinen, 377 plastische Objekte, 352 Bücher und 22 Zeitschriften. Ausstellungen zeigen Objekte aus der Sammlung und Erzeugnisse externer Aussteller, im Lesesaal liegen die gewerblichen Zeitschriften auf. 1875 entsteht ein Labor zur Untersuchung von Fabrikaten und Rohstoffen. Die Leitung der Handwerkerschule strebt eine Verbindung mit der Sammlung an.
1870 gründet die Bernische Künstlergesellschaft (heute Bernische Kunstgesellschaft) eine Kunstschule für die «höhere künstlerische Ausbildung» von «Kunstjüngern», Lehrer:innen, Kunsthandwerkern und Dilettanten. Zum akademisch geprägten Unterricht gehören auch Vorträge in Anatomie, Kunstgeschichte und -theorie. 1878 geht der an der Berner Hochschule erteilte Zeichen- und Malunterricht an die Kunstschule über. Ab etwa 1880 werden eigene kunstgewerbliche Klassen geführt. 1899 verschiebt deren Vereinigung mit der Handwerkerschule zur «Bernischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule» das Gewicht zur praxisorientierten, kunstgewerblichen Ausbildung. Die Kunstschule wird 1900 aufgelöst, die freie künstlerische Ausbildung bleibt vorerst ausserhalb institutioneller Strukturen.
Mit der Gründung des Schweizerischen Gewerbevereins (ab 1916 Schweizerischer Gewerbeverband, SGV) erhält das Handwerk eine nationale Interessenvertretung. Angesichts wachsender Konkurrenz durch Industrie und Importwaren engagieren sich seit den 1830er-Jahren regionale Gewerbevereine für die Förderung und Reglementierung der Berufsbildung.
Die Handwerkerschule verzeichnet hohen Zulauf. Eine kantonale Kommission führt Reformen ein: Anschluss an die Primarschule, feste Organisation in drei Winterkursen sowie ergänzende Sommerkurse, insbesondere im Zeichnen. Der Unterricht wird in vier berufsbezogene Abteilungen gegliedert: Baugewerbe, mechanische Gewerbe, ornamentale Gewerbe sowie Büro- und übrige Berufe. Die Fächerwahl bleibt frei, die Teilnahme verpflichtet jedoch zum regelmässigen Besuch.
Der Bund beginnt, Berufsbildungseinrichtungen wie Handwerker-, Gewerbe- und Kunstschulen sowie Gewerbemuseen finanziell zu unterstützen. Die Beiträge fördern den Ausbau der berufsbildenden Schulen und führen in vielen Kantonen zur Entwicklung neuer Berufsbildungsangebote und Lehrwerkstätten.
Unternehmer und Arbeiter des Buchdruckgewerbes vereinbaren das erste Lehrlingsregulativ mit Vorgaben zu Lehrzeit, Lehrvertrag, Lehrlingszahl und Lehrabschlussprüfungen. Es gilt als früher Schritt zur verbindlichen Regelung der Berufsbildung.
Bern richtet als erste Schweizer Stadt kommunale Lehrwerkstätten ein, zunächst für Schreiner und Schuhmacher. Ziele sind die Förderung des Handwerks, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte. Im selben Jahr entsteht in Biel an der 1873 gegründeten Uhrmacherschule eine Fachklasse für Graveure und Ziseleure.
1890 wird aus der Muster- und Modellsammlung das «Kantonale Gewerbemuseum Bern», das einen regionalen Auftrag erfüllt und von Stadt und Kanton unterstützt wird. Zwischen 1890 und 1920 erlebt das Museum eine Blütezeit mit Studien- und Anschaffungsreisen nach Paris und der Prägung von Jugendstil und Arts-and-Crafts-Bewegung. 1892 wird die Bibliothek mit derjenigen der Handwerkerschule vereinigt und eine zirkulierende Ausleihe von Fachzeitschriften eingeführt. Ab 1898 werden Weihnachts- und Verkaufsausstellungen organisiert; 1900 entsteht ein Zeichenatelier; bis 1925 führt ein angestellter Zeichner externe Aufträge aus.
Soziale Spannungen und Fremdenfeindlichkeit aufgrund von Lohndumping-Vorwürfen gegen italienische Bauarbeiter führen zu Aufstand und Inhaftierung von Bauarbeitern. Als eine aufgebrachte Menschenmenge das Gefängnis im Käfigturm zu stürmen versucht, reagieren die bürgerlichen Behörden scharf. Der Arbeiteraufstand wird mit Hilfe eidgenössischer Truppen niedergeschlagen.
1895 lässt die Einwohnergemeinde das Kornhaus als Sitz des Gewerbemuseums umbauen. Ab 1896/97 ziehen das Gewerbemuseum, ein Teil der Kunstschule und 16 Berufsfachklassen der Handwerkerschule in die neuen Räume ein. Die übrigen Klassen der Handwerkerschule bleiben auf verschiedene Standorte verteilt.
Mit dem Umzug der Handwerkerschule ins Kornhaus, wo auch kunstgewerbliche Klassen der Kunstschule unterrichtet werden, tritt die Doppelspurigkeit im Unterricht offen zutage. Forderungen nach einer vollständigen Übernahme durch die Kunstschule setzen sich nicht durch; Vertreter von Handwerk und Gewerbe plädieren erfolgreich für die Anbindung an die handwerkliche Ausbildung. 1899 werden die Schulen zur «Handwerker- und Kunstgewerbeschule» zusammengeführt. Die neue Institution übernimmt die Aufgaben beider Bereiche und bietet Unterricht im Interesse von Handwerk, Gewerbe und Kunst. Sie umfasst vier Abteilungen, eine gewerbliche Fortbildungsschule, Fachkurse für Handwerker, eine Kunstgewerbeschule mit Kunstklassen sowie eine Spezialabteilung für Zeichenlehrer.
Zur Professionalisierung des traditionellen Berner Töpferhandwerks – das durch den Tourismus floriert und um 1900 mit Zierkeramik und Thuner Majolika internationale Bekanntheit erlangt – entsteht auf Initiative des Direktors des Gewerbemuseums eine Keramikfachklasse. Die neue Infrastruktur in der Felsenburg am Klösterlistutz umfasst eine dreiteilige Brennofenanlage; 1907 wird ein Techniklehrer für Keramik angestellt.
Mit dem bernischen Lehrlingsgesetz wird der Besuch der gewerblichen Fortbildungsschule obligatorisch und unentgeltlich. Der Kanton stärkt damit die staatliche Aufsicht über Berufsbildung und Lehrlingsprüfungen.
Mit dem Lehrlingsgesetz von 1905 steigt die Lernendenzahl stark an, zugleich entfällt das Schulgeld. Die finanzielle Belastung überfordert die private Trägerschaft. Die Stadt übernimmt den Betrieb mit Ausnahme des kunstgewerblichen Praktikums und der Fachklasse Keramik, stellt die Schule mit Beiträgen von Bund und Kanton auf eine gesicherte Grundlage und schafft hauptamtliche Leitungs- und Verwaltungsstellen. Die folgenden Jahre sind geprägt von Raumknappheit und Reformdebatten. 1925/26 besuchen 5411 Schüler:innen den Unterricht in 286 Klassen, verteilt auf zahlreiche Schulhäuser; die meisten Klassen und die Verwaltung befinden sich im Kornhaus.
Mit dem Schweizerischen Werkbund (SWB) entsteht ein Netzwerk zur Förderung der Zusammenarbeit von Kunst, Handwerk und Industrie. Der Berner Keramiklehrer Jakob Hermanns (1879–1937) gehört zu den Gründungsmitgliedern und prägt später die Werkbund-Aktivitäten in Bern mit.
Die Schweizerischen Landesausstellungen entwickeln sich seit 1804 von einer lokalen Leistungsschau mit Prämiensystem zu einer Inszenierung nationaler Leistungsfähigkeit mit Einbezug von Kunstschaffenden. Die ursprüngliche Funktion als Produktemesse geht um 1916 an die neu gegründete Schweizerische Mustermesse über, deren jährlicher Turnus der Wirtschaft besser entspricht.
Der Erste Weltkrieg belastet die Schweiz trotz Neutralität. Die Mobilisierung der Armee führt zu Arbeitskräftemangel und wirtschaftlichem Einbruch. Versorgungskrisen und Missernten verursachen Lebensmittelknappheit, Teuerung und soziale Not. Politische Spannungen verschärfen die angespannte Stimmung: Das Oltener Aktionskomitee ruft im November 1918 zum Generalstreik auf. Rund 250’000 Arbeiter:innen legen die Arbeit nieder und fordern Reformen wie die 48-Stunden-Woche, das Frauenstimmrecht und eine Altersvorsorge. Der Bundesrat reagiert mit massivem Armeeaufgebot. Unter Androhung von Waffengewalt wird der Streik nach drei Tagen beigelegt.
Auf Antrag der Aufsichtskommission wird die Keramikfachklasse zur Fachschule erweitert. Ausgebildet werden Töpfer und Keramikmalerinnen. 1921 werden das Kantonale Gewerbemuseum Bern und damit auch die Keramikfachschule verstaatlicht. Die Schule mit Illustrationssammlung, Zeichenatelier und Bibliothek wird Teil der gewerblichen Bildungsanstalt der Direktion des Innern. Die Keramikfachschule beteiligt sich weiterhin an Gewerbe- und Weihnachtsausstellungen. 1930 feiert sie ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Sonderausstellung. 1942 zieht die Werkstatt mit den Brennöfen von der Felsenburg in grössere Räume an der Spitalackerstrasse 63 um. Die Schule bleibt Teil des Gewerbemuseums, bis sie 1971 in die Kunstgewerbeschule der Stadt Bern integriert wird.
Die Pandemie belastet Gesellschaft und öffentliche Einrichtungen in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg schwer. Die Sterblichkeit der Bevölkerung ist 1918 rund 50% höher als in den Jahren zuvor und danach.
Die 1925 an der Gewerbeschule eingerichtete Maschinensetzerschule bildet den Kern der Abteilung Grafisches Gewerbe. Sie dient der Aus- und Weiterbildung von Setzern an der Linotype-Setzmaschine. Die neue Technologie verdrängt das manuelle Setzen von Texten weitgehend. Vom Ersten Weltkrieg bis in die 1970er-Jahre gehören die laufend weiter entwickelten Linotype-Setzmaschinen zur Standardausrüstung im Zeitungs- und Buchdruck. Die Ausbildung der Lehrlinge wird kontinuierlich angepasst.
Zur Jubiläumsfeier im Dezember 1926 erscheint die Festschrift Hundert Jahre Gewerbeschule Bern, 1826–1926. Die Direktion hatte den nebenamtlichen Lehrer Hans Morgenthaler beauftragt, eine umfassende Schulgeschichte zusammenzustellen.
Die 1884 gegründete «Schnitzlerschule Brienz» wird vom Kanton Bern übernommen und als kantonale Fachschule und Lehrwerkstatt – wie die Keramikfachschule – dem Gewerbemuseum Bern zugeordnet. Bis dahin gehörte die Schule der Einwohnergemeinde Brienz. Zwischen der Schnitzlerschule und der Keramikfachschule bestehen in der Folge auch personelle Verbindungen, unter anderem durch gemeinsame Lehrpersonen.
Der Börsencrash in New York löst weltweit eine Wirtschaftskrise aus. In der Schweiz bricht ab 1931 die Exportindustrie ein, Banken geraten unter Druck, die Arbeitslosigkeit steigt stark an und erreicht 1935 einen Höhepunkt. Die Abwertung des Frankens 1936, Gegenmassnahmen von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie die Ende der 1930er-Jahre zunehmende Aufrüstung setzen der Krise ein Ende.
Mit dem Bundesgesetz über die berufliche Ausbildung erhält die Schweiz erstmals einen einheitlichen nationalen Rechtsrahmen für die Berufsbildung. Das Gesetz regelt Lehrlingsausbildung, Berufsschulunterricht und Prüfungen und stärkt die Zusammenarbeit von Bund, Kantonen und Berufsverbänden. Neu ist die finanzielle Förderung von Berufsschulen, Fachschulen und Weiterbildungskursen vorgesehen. Im selben Jahr werden die Abteilung für Industrie und Gewerbe und das Eidgenössische Arbeitsamt zum BIGA (Bundesamt für Industrie, Gewerbe und Arbeit) zusammengeschlossen. Die berufliche Ausbildung erhält damit eine Bundesbehörde.
Die Gewerbeschule bezieht den Neubau an der Lorrainestrasse. Steigende Lernendenzahlen und neue Anforderungen durch die Mechanisierung machen zentrale Räume mit Werkstätten und Laboren erforderlich. Der Bau wird 1934 im Rahmen eines Arbeitsbeschaffungsprogramms beschlossen und in zwei Jahren realisiert. Das von Hans Brechbühler (1907–1989) entworfene Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit vereint Theorie- und Zeichensäle, Werkstätten sowie Spezialräume für praktischen Unterricht. Das Angebot wird ausgebaut. Demonstrationswerkstätten ergänzen die Ausbildung. Im Sommersemester 1939 zählt die Schule 2116 Lernende.
Die Schweiz hält im Zweiten Weltkrieg an der verteidigungsbereiten Neutralität fest und versucht, mit einer «Anbauschlacht» die Versorgung der Bevölkerung zu sichern. Wirtschaftlich ist sie in Abhängigkeit der Achsenmächte, was zu heiklen politischen Entscheidungen führt. Die Flüchtlingspolitik ist umstritten. «Geistige Landesverteidigung» prägt Gesellschaft, Bildung und Kultur.
Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement erlässt erstmals verbindliche Richtlinien für Organisation und Unterricht an gewerblichen Berufsfachschulen. Neben dem Pflichtunterricht werden freiwillige Kurse und Meisterprüfungs-Vorbereitungen empfohlen.
Das BIGA organisiert erstmals Jahreskurse zur Ausbildung von Lehrpersonen für den Unterricht an gewerblichen Berufsschulen. Bis 1965 bildet der Bund in der Deutsch- und Westschweiz über 240 hauptamtliche Gewerbelehrpersonen aus.
Die Schweiz erlebt nach dem Zweiten Weltkrieg einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung, getragen von Industrialisierung und hoher Nachfrage aus dem Ausland. Der Arbeitsmarkt ist ausgelastet. Gastarbeiter:innen stützen das Wachstum, worauf später Überfremdungsinitiativen folgen. Der Lebensstandard steigt, ablesbar am Konsumzuwachs, Wohnungsbau und an der Mobilität. Der Staat investiert massiv in Infrastruktur wie Strassen, Energieversorgung und Bildung.
Nach sozialpolitischem Druck wird die AHV, die Alters- und Hinterlassenenversicherung, eingeführt. Mit der IV, Invalidenversicherung, erhalten Menschen mit Beeinträchtigung ab 1960 einen gesicherten Anspruch auf Rente und berufliche Eingliederung. Ergänzt werden beide Systeme ab 1966 mit Ergänzungsleistungen, die Rentner:innen mit kleinem Einkommen ein Existenzminimum gewährleisten. 1982 folgt die Arbeitslosenversicherung ALV.
Wachstum, Raumnot und Reorganisationsfragen beschäftigen die Gewerbeschule. Umstritten sind Standort und Nutzung eines Neubaus. Während viele Berufsgruppen über geeignete Räume verfügen, ist der Bereich der grafischen Berufe seit 1930 in provisorisch genutzten Gebäuden an der Seftigenstrasse untergebracht und stark gewachsen. Aufgrund des grössten Zuwachses und unzureichender Infrastruktur wird für die grafischen und gestalterischen Berufe ein Neubau geplant.
Die 1968er-Jugend- und Studentenbewegung stellt die konservative Nachkriegsgesellschaft infrage. Sie kritisiert autoritäre Strukturen und fordert Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und kulturelle Öffnung. Neue Vorstellungen von Kunst und Gestaltung verändern Gesellschaft und das Bildungswesen.
Die erste Revision des Eidgenössischen Berufsbildungsgesetzes stärkt angesichts des Fachkräftemangels Berufsberatung, Stipendienwesen und Weiterbildung. Neu werden zudem die Berufsprüfungen als eigenständiger Abschlussweg sowie die Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) gesetzlich verankert und die Berufsbildung stärker auf die berufliche Weiterbildung ausgerichtet.
1964 wird ein Neubau an der Schänzlihalde 31 ausgeschrieben, 1966 das Projekt von Willy Pfister (1925–2004) gewählt und 1968–1971 realisiert. Der Bau der Nachkriegsmoderne mit Curtain-Wall-Fassade und Skelettstruktur schafft flexible Räume für neue Berufe und Lehrpläne.
Auf Beschluss des Gemeinderats vom Dezember 1966 wird die bisherige Gewerbeschule der Stadt Bern ab dem 1. April 1967 in eine Gewerbeschule und eine Kunstgewerbeschule gegliedert.
Ab 1970 entstehen Technikerschulen als neue Bildungsstufe zwischen Berufslehre und Höherer Technischer Lehranstalt. Dazu gehören später auch Fachrichtungen für die Druckindustrie und Medienberufe.
Die Kunstgewerbeschule der Stadt Bern wird im Neubau an der Schänzlihalde eröffnet. Gleichzeitig wird die bisher dem Gewerbemuseum zugeordnete Keramikfachschule in die neue Institution integriert. Die Keramik- und Technologiesammlung folgt 1975/76. Die Schule vereint Berufe der Druckindustrie und des Kunstgewerbes in einer eigenständigen Berufs- und Fachschule mit überregionalem Einzugsgebiet. Sie bietet Berufskundeunterricht, Vorkurse, Fachklassen für Grafik und Keramik, das Zeichenlehrerseminar sowie Angebote der Berufsmittelschule, Meister- und Kaderkurse sowie Weiterbildung. 1973 werden die Ausbildungen für Steinbildhauerei und Vergoldung in Bern zentralisiert.
Die Einführung des Frauenstimmrechts auf Bundesebene öffnet Frauen die volle politische Mitbestimmung. Mit diesem ersten Schritt der Gleichstellung verändern sich gesellschaftliche Normen, Bildungswege und berufliche Möglichkeiten.
In Bern wird die Berufsmittelschule eingeführt. Sie richtet sich an leistungsstarke Lernende und ergänzt die Berufslehre um erweiterte Allgemeinbildung. 1972 schliesst der erste Jahrgang ab. Im selben Jahr wird das Angebot auch für gestalterische Berufe geöffnet.
Mit dem Schweizerischen Institut für Berufspädagogik (SIBP) entsteht in Bern eine nationale Ausbildungs- und Forschungsstätte für Berufsfachschullehrpersonen. Das Institut wird 2007 zum Eidgenössischen Hochschulinstitut für Berufsbildung (EHB) weiterentwickelt und ist seit 2020 eine eigenständige Hochschule.
Mit dem Bezug des Neubaus an der Schänzlihalde etabliert sich an der Kunstgewerbeschule vermutlich auch die Kulturwoche. Ehemalige erinnern sich an jährlich stattfindende Veranstaltungen, die Musik, Theater und Kultur in den Schulalltag bringen. Gäste wie der Cembalist Jörg Ewald Dähler (1933–2018) oder später das Maskentheater Mummenschanz prägen das Format. Für 1976 ist bereits eine «Fünfte Aulaveranstaltung» dokumentiert, was auf eine frühere Entstehung der Reihe hindeutet. In den 1990er-Jahren verschwindet die Kulturwoche zunächst und wird ab 2006 wieder aufgenommen.
Als Folge der Unterstützung Israels im Jom-Kippur-Krieg verhängen arabische Erdölstaaten gegen westliche Länder ein Ölembargo und drosseln die Fördermengen. Hohe Ölpreise setzen die exportorientierte Schweizer Wirtschaft stark unter Druck, die Arbeitslosigkeit steigt erstmals seit Jahrzehnten wieder an. Die Krisenjahre 1974–78 lösen ein Umdenken in Richtung Energieeffizienz und Alternativenergien aus.